Panorama oder „Schöne Aussicht“

Wir beweisen Weitblick – von der Sternwarte Remscheid aus

Mit seiner exponierten Lage am Westrand der geologischen Formation des Remscheid-Altenaer Sattels bietet der Bismarckturm am Remscheider Stadtpark als Domizil der Dr.-Hans-Schäfer-Sternwarte Remscheid einen fantastischen Ausblick in die nähere und weitere Umgebung. Auf Grund der Höhenlage bei ca. 330 m über NN steht der Bismarckturm auf dem „Gipfel“-Plateau im Remscheider Stadtgebiet und fußt damit auf den höchsten Höhen des mittelbergischen Landes. Da der Bismarckturm mit seinen rund 27 m Bauhöhe zudem über die umliegenden Gebäude und Bäume hinweg ragt, haben wir von hier aus eine gute Rundumsicht.

Bedingt durch die Nähe der noch leicht höheren Bereiche des Stadtgebietes von Remscheid, insbesondere des markanten Stadtkegels mit der auffälligen Doppelsilhouette von Rathausturm und Wasserturm „Waterbölles“ (Höhe 366 m über NN) und der höchsten Erhebung Remscheids, dem Hohenhagen (379 m über NN), in östlicher Richtung, reicht der „Weit“blick hier ausnahmsweise nur zwischen 1 und 3 km weit. Dennoch haben wir einen guten Blick über das Dächermeer der Remscheider Innenstadt und ebenso einen Einblick in Remscheids Einkaufsmeile, die Alleestraße, deren geschäftiges Treiben wir beim Blick durch die Fernrohre auch aus der Entfernung recht gut mitbekommen.

Wenn wir nach Osten blicken, so reicht unser Auge bis über den Stadtteil Lüttringhausen hinweg. Markanter Blickpunkt dort ist der Lüttringhauser Wasserturm. Und nachts strahlt uns das Lüttringhauser „Sing Sing“, die Justizvollzugsanstalt, mit ihren Flutlichtstrahlern entgegen – das ist die wohl krasseste Lichtverschmutzung im Remscheider Stadtgebiet. Jenseits von Lüttringhausen erkennen wir noch die Höhen des Radevormwalder Stadtgebietes mit ihren ausgedehnten Wäldern in 10-15 km Entfernung.

Blick nach Südosten zur Remscheider Innenstadt

Blick nach Südosten zur Remscheider Innenstadt

Osten Richtung RS-Lüttringhausen

Osten Richtung RS-Lüttringhausen

Nachtblick nach Osten Richtung RS-Lüttringhausen

Nachtblick nach Osten Richtung RS-Lüttringhausen

Wenn der Blick nun weiter entgegen dem Uhrzeigersinn nach Norden schweift, so sehen wir Teile von Wuppertal-Ronsdorf und insbesondere den Lichtscheid mit dem futuristischen Wasserturm, der an ein gelandetes Orion-Raumschiff zu erinnern scheint. Die südlichen Höhen Wuppertals ziehen sich entlang unseres Nordhorizontes und zeigen den waldreichen Charakter des Bergischen Landes recht deutlich. Weiterer markanter Punkt in nord-west-nördlicher Richtung ist der Fernmeldeturm in Wuppertal-Hahnerberg sowie der Abluftkamin der Müllverbrennungsanlage in Wuppertal-Küllenhahn.

 

Blick bei Nacht nach Norden Richtung W-Lichtscheid

Blick bei Nacht nach Norden Richtung W-Lichtscheid

Blick nach Norden nach W-Küllenhahn

Blick nach Norden nach W-Küllenhahn

Industrieanlagen in Duisburg (durch Teleskop)

Industrieanlagen in Duisburg (durch Teleskop)

Wenn wir mit dem Fernrohr in dieser Richtung den Horizont abtasten, dann erkennen wir bei genauem Hinsehen bereits Teile des Ruhrgebiets. Der Blick reicht hier bis Oberhausen und sogar bis Duisburg, wo man Hochofenanlagen von ThyssenKrupp Steel oder den Drillingskamin der Stadtwerke Duisburg erkennen kann. Hier reicht unser Weitblick rund 45 km!

In nord-westlicher Richtung begegnet uns die evangelische Kirche von Wuppertal-Cronenberg, die mit ihrem Schiefer gedeckten Zwiebelturm ein typisches Beispiel bergischer Kirchenarchitektur ist. Der Blick schweift hier über die deutlich niedrigeren Höhen des niederbergischen Landes bei Velbert, Wülfrath, Erkrath und Hilden mit ausgedehnten Feldern.

Schauen wir ein wenig darüber hinweg, so zeigt sich die Silhouette der Landeshauptstadt Düsseldorf, rund 29 km Luftlinie voraus. Gut erkennbar ist der Fernmeldeturm, aber auch die höheren Gebäude rund um das architektonisch einzigartige Stadttor, das Hochhaus mit Sitz der Landesregierung, sind erkennbar. Wir können hier dem Ministerpräsidenten sozusagen auf den Schreibtisch schauen.

Blick nach Nordwesten Kirche von W-Cronenberg (durch Teleskop)

  Blick nach Nordwesten nach Düsseldorf  (durch Teleskop)

Blick nach Nordwesten nach Düsseldorf (durch Teleskop)

„Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt“ – das gibt es nicht nur in Grönemeyers „Bochum“, sondern auch von Remscheid aus. Merklich tiefer nämlich liegt unser westlicher Nachbar, die Klingenstadt Solingen. Ihre Silhouette ragt nicht so auffällig aus der Umgebung, aber gut sichtbar sind das Turmhotel, der Betonzwillingsturm der Clemens-Kirche sowie der Fernmeldeumsetzer in Solingen-Central. Wenn wir per Teleskop darüber hinweg zielen, so können wir bei günstigen Beleuchtungsverhältnissen sogar einen direkten Blick auf Vater Rhein werfen und mit etwas Glück Schiffe vorüber ziehen sehen. Manchmal spiegelt sich das Sonnenlicht in den Fluten des größten deutschen Flusses.

Jenseits des Rheins blicken wir auf die Niederrheineebene nördlich von Köln. Besonderer Blickfang vor allem im Gegenlicht sowie an klaren Tagen sind die riesigen Kühltürme der Braunkohlekraftwerke Neurath und Frimmersdorf (mit 2.241 bzw. 2.403 MW Leistung zählen sie zu den größten Kraftwerken Deutschlands). Oft türmen sich gewaltige Wasserdampfwolken bis zu 2-3 km Höhe über den Kühltürmen, die nicht zu übersehen sind. Ebenfalls markant am westlichen Horizont sind die Abraumhalden der Braunkohletagebaue Garzweiler und Hambach, so die Vollrather Höhe und die Sophienhöhe (10 qkm Fläche und ca. 200 m Höhe), die als dunkle, erkennbar künstliche Buckel ins Auge fallen. Sie lassen erahnen, welch riesige Löcher der Braunkohletagebaue (bis 450 m tief!) sich in ihrer Umgebung befinden. Der Blick reicht hier in bis zu 50 km Entfernung. Auch der Höhenzug des Braunkohlereviers, die Ville, lässt sich gut erkennen.

Blick nach Westen Richtung Solingen

Blick nach Westen Richtung Solingen

Blick nach Westen auf den Rhein  (helles Band in Bildmitte)

Blick nach Westen auf den Rhein (helles Band in Bildmitte)

Blick nach Westen mit Braunkohlerevier Ville und Kraftwerken

Blick nach Westen mit Braunkohlerevier Ville und Kraftwerken

In süd-westlicher Richtung trifft unser Blick auf das tief eingeschnittene Tal der Wupper. Gerade eben noch ist hinter einem dunkel bewaldeten Riedel das Gerippe der Müngstener Brücke, der mit 107 m Höhe höchsten deutschen Eisenbahnbrücke, auszumachen (Entfernung ca. 3 km). Mit etwas Glück fährt gerade ein Zug über diese Brücke, die Remscheid und Solingen per Schienenstrang miteinander verbindet. Der Blick ins Tal fällt auf Teile des Stadtgebietes, die rund 250 m tiefer liegen – hieran zeigt sich, dass das Bergische Land durchaus auch bergig ist!

Schwenkt man nun etwas höher zum Horizont, so fallen nicht nur die beiden Sendemasten bei Burscheid-Witzhelden (ca. 15 km entfernt) auf, sondern etwas rechts davon – vor allem nachts gut sichtbar – das Bayer-Kreuz nahe dem Leverkusener Autobahnkreuz und zwischen den Sendemasten der Colonius, der Kölsche Fernmeldeturm (ca. 33 km entfernt). Im Fernrohr werden sowohl die beiden Masten als auch der Kölner Turm zusammen abgebildet.

Blick nach Südwesten Richtung Köln

Blick nach Südwesten Richtung Köln

Blick nach Südwesten zum Bayer-Kreuz bei Nacht  (durch Teleskop)

Blick nach Südwesten zum Bayer-Kreuz bei Nacht (durch Teleskop)

Blick nach Südwesten zum Kölner Dom  (durch Teleskop)

Blick nach Südwesten zum Kölner Dom (durch Teleskop)

Etwas links von den Sendemasten wird es uns dann richtig kölsch zumute, denn dort taucht die „Skyline“ der rheinischen Metropole auf. Obwohl sich mittlerweile Konkurrenz in Gestalt mehrerer Hochhäuser und Kraftwerkskamine breit macht, fällt die einzigartige Silhouette des Kölner Doms immer noch auf. Da ragt der schwarze Riese mit den beiden mächtigen Türmen und dem filigranen Dachreiter aus dem Häusergewirr heraus (ca. 31 km entfernt), flankiert von Gebäuden des Westdeutschen Rundfunks.

Jenseits von Kölle bilden sich etwas verschwommen die Höhenzüge der Ausläufer der Eifel mit dem Ahr-Bergland am Horizont ab. Der Blick reicht hier rund 70-80 km weit! Details lassen sich hier im Grafschafter Land jenseits von Meckenheim sowie der Bonner Umgebung allerdings – dank des Dampf- und Staubgehaltes der Luft – nur noch schwer ausmachen. Wenn die Luft sehr klar ist, zeichnen sich am Horizont noch die bewaldeten Ausläufer der Ardennen ab; die Höhen beherbergen das Hohe Venn im Belgischen Grenzgebiet, das uns am nächsten gelegene größere Moorgebiet, das in der Botrange mit rund 700 m über NN seinen Kulminationspunkt findet. Die Entfernung beträgt hier rund 100 km. Dass wir so weit blicken können, liegt daran, dass Remscheid deutlich höher als die Rheinische Bucht liegt – und unser Pendant drüben an der Belgischen Grenze sogar noch deutlich höher.

Nun sind wir auf unserer Rundblickreise im Süden angelangt. Vor und unter uns erkennen wir die Stadtteile Vieringhausen, Güldenwerth und Reinshagen, die der für Remscheid typischen Siedlungsleitlinie auf einem Riedel (=Höhenrücken eines Mittelgebirges) folgen. Etwas versteckt in den bewaldeten Höhen des Bergischen Landes entdecken wir Schloss Burg, den Stammsitz der Grafen von Berg, die diesem Landstrich seinen Namen gaben. Am besten können wir noch den wuchtigen Bergfried erkennen.

Etwas weiter links davon, also in mehr süd-östlicher Richtung, blicken wir über die südliche Nachbarstadt Wermelskirchen und stoßen am Südhorizont auf einen Berg, der sich wegen seiner regelmäßigen Kegelform hervorhebt. Hier haben wir den alten Vulkankegel des Ölbergs (461 m über NN) im Fadenkreuz, der bei der Autoreise über die A3 Richtung Frankfurt besonders auffällt. Er ist der östliche Pfeiler und gleichzeitig Kulminationspunkt des Siebengebirges und rund 58 km entfernt. Das Fernrohr offenbart auf seinem Gipfel den Mast eines Funkrelais.

Blick nach Süden Richtung Siebengebirge

Blick nach Süden Richtung Siebengebirge

Blick nach Süden zum Siebengebirge im Winter  (durch kleineres Teleskop)

Blick nach Süden zum Siebengebirge im Winter (durch kleineres Teleskop)

Blick nach Süden zum Ölberg im Siebengebirge  (durch Teleskop)

Blick nach Süden zum Ölberg im Siebengebirge (durch Teleskop)

Weiter in süd-östlicher Richtung streift schließlich unser Blick über die südlichen Stadtteile Remscheids, so z.B. Kremenholl, Honsberg, Ehringhausen und Bliedinghausen sowie schließlich den Zentralpunkt. Vor allem bei Dunkelheit fällt unser Blick auf den Gerüstturm der Mannesmann-Röhrenwerke mit dem markanten Schriftzug. Leider deutet heute kaum noch etwas darauf hin, dass die Gebrüder Reinhard und Max Mannesmann 1885 hier in Remscheid das weltweit bekannte Schrägwalzverfahren und wenig später das Pilgerschrittverfahren (gemeinsam auch als Mannesmann-Verfahren bekannt geworden) zur Herstellung nahtloser Röhren erfanden, das die Weltgeltung des nunmehr zerschlagenen Mannesmann-Konzerns begründete.

Blick nach Südenosten Richtung RS-Bliedinghausen

Blick nach Südenosten Richtung RS-Bliedinghausen

Damit ist das Panoramarund perfekt. Wie man sieht, ermöglicht die exponierte Lage des Bismarckturms einen hervorragenden Blick, den man im Bergischen Land kaum je wieder finden wird. Die Gründer und Stifter des Stadtparks haben augenscheinlich einen bestens geeigneten Standort für den ursprünglich als Aussichtsturm gedachten Bismarckturm ausgesucht.

Genau genommen wird unser Remscheider Bismarckturm ja heute noch besser seiner eigentlichen Bestimmung gerecht, denn zum einen besitzt er mit dem Kuppelumgang eine noch bessere Aussichtsplattform als vor dem Ausbau, zum anderen können Remscheider mit ihrer Sternwarte den Blick noch in ganz andere Weiten, nämlich in die Unendlichkeit des Weltalls, richten.

Das mit dem Weitblick ist also durchaus nicht weit hergeholt!

Als Besucher der Dr.-Hans-Schäfer-Sternwarte bekommen Sie den Blick in die Landschaft kostenlos als Zugabe – nutzen Sie diese Gelegenheit vor allem an klaren Sonntagnachmittagen, wenn wir an 14:00 Uhr die Sonnenbeobachtung anbieten. Mit dem auf dem Kuppelumgang aufgebauten Feldstecher können Sie sich Details der Umgebung näher heran holen. Und unsere Mitarbeiter stehen Ihnen gern für Fragen zur Verfügung…

© P. Kalbitz AVRS 2001-2010 (Text und Fotos)
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