AVRS WebJournal Ausgabe 4/2004 Astronomischer Verein Remscheid e.V.

Kurznachrichten aus Astronomie und Raumfahrt

zusammengestellt von Jens Kauffmann

Auf dieser Seite sind einige Pressemeldungen aus dem vergangenen Quartal gesammelt und ansatzweise ausgewertet. Neues zu Vorgängen im AVRS finden Sie nicht in dieser Rubrik! Sehen Sie dazu in der Rubrik "Aus dem Verein" auf der Titelseite nach.

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MESSENGER ist zum Merkur gestartet

Am 3. August startete die NASA-Sonde MESSENGER zum Planeten Merkur. Nach einer 7-jährigen Reise wird die Sonde ab März 2011 den Merkur umkreisen. Die Sonde ist damit die zweite, die den innersten Planeten des Sonnensystems besucht, und die erste, die ihn genau studiert.

Auf der langen Reise wird MESSENGER 15 mal die Sonne umrunden, an der Erde einmal (Aug. '05), an Venus zweimal (Okt. '06 und Jun. '07) und an Merkur dreimal (Jan. '08, Okt. '08 und Sep. '09) vorbeifliegen, bevor die Sonde langsam in einen Merkurorbit einschwenken kann. MESSENGER - was für "Mercury Surface, Space Environment, Geochemistry, and Ranging" steht - soll mit sieben Instrumenten die Oberfläche, das Innere und die Atmosphäre des Planeten erkunden. Auch leistungsfähige Kamerasysteme befinden sich in diesem Packet.

Vor MESSENGER wurde der Planet lediglich von der Sonde Mariner 10 besucht, die in den Jahren 1975 und '75 dreimal den Planeten rasch überflog und dabei nur rund 50% der Planetenoberfläche kartieren konnte. MESSENGER wird

Nur ein Erdjahr ist für die eigentliche Erforschung des Planeten vorgesehen. Diese Zeitspanne entspricht 2 Merkurtagen, beziehungsweise 4 Merkurjahren.

weitere Informationen: MESSENGER Homepage, AstroNews, 279

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Genesis abgestürzt

Es ist eine der bisher spektakulärsten Proben-Rückhol-Missionen der Raumfahrtgeschichte. Nach dem Start im Jahr 2001 sammelte die Sonde Genesis im Librationspunkt L1 zwischen Erde und Sonne Partikel des Sonnenwindes ein. Anfang April 2004 wurde die Sonde wieder zur Erde zurückbeordert um am 8. August eine Landekapsel über der Wüste von Utah abzuwerfen. Damit wurde erstmals ein Raumfahrzeug welches das Erde-Mond System verlassen hatte wieder zur Erde zurückgeführt! Einziger Schönheitsfehler: Die Landekapsel schlug ungebremst in die Wüste ein.

Der Zweck der Genesis Mission ist es erstmals Teilchen des Sonnenwindes für Untersuchungen im Labor zu sammeln. Dazu wurde die Sonde mit speziellen Kollektoren ausgestattet, Folien aus jeweils reinem Silizium, Gold, Saphir und Diamant. Diese sollen jeweils einige Elemente besonders gut einfangen können. Nach erreichen des Zielpunktes zwischen Sonne und Erde wurden die Kollektoren ausgefahren. Am Ende der Mission wurden die Folien dann in der Rückkehrkapsel verstaut. Diese hätte dann am 8. August an einem Fallschirm zur Erde schweben und von einem Hubschrauber eingefangen werden sollen (über das spektakuläre Einfangmanöver: AstroNews I). Leider öffneten sich die Fallschirme nicht und die Kapsel semmelte mit 311 Stundenkilometern in den Boden (AstroNews II). Mittlerweile ist eine mögliche Ursache für das Unglück identifiziert: Ein Bremssensor, der das Abbremsen der Sonde in der Erdatmosphäre feststellen und die Landesequenz auslösen sollte, war auf dem Kopf stehend eingebaut worden und hatte somit als Beschleunigungssensor gearbeitet (Cosmic Mirror 282).

Obwohl die Kollektoren zu großen Teilen bei der Landung zerschmettert wurden scheint ein großer Teil der geplanten Forschungsarbeiten weiterhin durchführbar zu sein (Cosmic Mirror 280, Cosmic Mirror 281, Cosmic Mirror 282). Mittlerweile wurden gar erste Proben zur Analyse an Forschungseinrichtungen versandt. Ob nun wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen sind wird wohl erst die Zukunft zeigen.

weitere Informationen: Genesis Homepage

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Exoplaneten von Neptunmasse entdeckt

Erstmals ist es gelungen Exoplaneten in einem Massebereich zu entdecken, in dem es nicht mehr klar ist ob man es mit Gas- oder Felsplaneten zu tun hat. Innerhalb nur weniger Tage wurden gleich 3 Entdeckungen von Exoplaneten im Massebereich zwischen 14 und 21 Erdmassen bekannt. Damit wurde der bisherige Rekord für die geringste Masse eines Exoplaneten (er lag um 40 Erdmassen) um einen Faktor 2 bis 3 unterboten. Wie bei den meisten der bisher bekannten 135 Exoplaneten (Stand 9. November 2004) erfolgte die Entdeckung mit der Radialgeschwindigkeitsmethode.

Bei den bisher bekannten Exoplaneten war die Masse jeweils so groß, daß nach gängigen Theorien der Planetenentstehung nur Gasriesen als Planeten in Frage kamen. Bei den jetzt entdeckten Objekten ist dies anders. Auch Gesteinsplaneten kommen hier in Frage. Diese dürften aber kaum der Erde ähnlich sein. Sie umkreisen ihren Mutterstern in jeweils weniger als 10 Tagen, stehen ihm also sehr nahe und werden regelrecht ausgeglüht. Es ist jedoch interessant, daß sich hier offenbar eine schon bei den vorangehenden Planetenentdeckungen abzeichnende Regel hin zu kleinen Planetenmassen fortzusetzen scheint: die Anzahl der Planeten nimmt mit abnehmender Masse zu. Demnach kann man weiterhin auf eine hohe Anzahl von Planeten mit Erdmasse hoffen!

Während zwei Planeten von US-amerikanischen Gruppen entdeckt wurden, konnte auch eine europäische Gruppe eine Entdeckung verkünden. Deren Entdeckung wird aber inzwischen von einer australischen Gruppe angezweifelt. Diese hatte eben jenen Stern beobachtet, bei dem das europäische Team einen Exoplaneten geringer Masse fand, jedoch kein auf einen Planeten hinweisendes Signal entdeckt.

weitere Informationen: Cosmic Mirror 280, Cosmic Mirror 281, Cosmic Mirror 282

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Superheller Einschlag um 0. Größe von Deep Impact auf Komet Tempel 1?

Die Staubwolke, die durch den Einschlag des von der Sonde Deep Impact abgesetzten Geschosses auf dem Kometen Tempel 1 freigesetzt wird, kann eine Helligkeit von bis zur 0. Größenklasse erreichen. Das berichtete M. Kidger auf der Jahrestagung der The Astronomer Group. Damit würde die Wolke für kurze Zeit zu den hellsten Himmelsobjekten überhaupt zählen. Der Einschlag des Geschosses wird am 5. July 2005 stattfinden. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Helligkeit um die 10. Größenklasse für den Kometen vorhergesagt.

Die Sonde Deep Impact soll im Dezember 2004 zu ihrer Mission starten. Sie besteht aus zwei Einheiten, dem Geschoß und einer Beobachtungsplatform. Zusammen werden sich sich dem Kometen nähern. Erst einen Tag vor dem eigentlichen Einschlag trennen sich die beiden Sonden. Während das Geschoß selbstgesteuert weiter auf den Kometen zuhällt, wird die Beobachtungsplatform den Kometen und insbesondere den Einschlag beobachten.

weitere Informationen: Homepage von Deep Impact, Cosmic Mirror 281

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Neues vom Mars

Die Mars Exploration Rover verbrachten den größten Teil des Septembers im Ruhezustand verbracht, da der Mars von der Erde gesehen hinter der Sonne stand. Nun sind beide Rover wieder aktiv. Spirit erklimmt weiterhin die Columbia Berge, während Opportunity sich noch immer dem Krater Endurance widmet. Die Mission wurde am 1. Oktober für weitere 6 Monate verlängert. Zwar sind ein Rad bei Spirit und das Schleifwerkzeug bei Opportunity verklemmt, jedoch arbeiten beide Rover weiterhin produktiv.

Nach einer langen Fahrt hat nun auch Spirit erstmals seit Missionsbeginn eine Stelle mit freigelegtem Grundgestein erreicht. Es gibt Indizien dafür, daß dieses Wasser für eine längere Zeit in Kontakt mit Wasser war. Opportunity dagegen arbeitet systematisch im Krater Endurance weiter um hier verschiedene Gesteinsschichten zu studieren.

Bei MarsExpress ist das Ausfahren der Radar-Antennen erneut verschoben worden (siehe auch letzte Ausgabe). Alle anderen Experimente arbeiten jedoch hervorragend. Jüngst konnte die erdgestützte Entdeckung von Methan auf dem Mars aus dem Orbit von MarsExpress bestätigt werden (siehe auch Ausgabe 2/04). Insbesondere wurde die Methanproduktion durch Lebewesen vorgeschlagen, um das Vorhandensein von Methan zu erklären. Wie nun MarsExpress zeigte, deckt sich die Methan-Verteilung in der Marsatmosphäre mit der Verteilung von Wasserdampf und der von Eisvorkommen im Boden (wie von 2001 Mars Odyssey beobachtet). Was dies nun für die Theorie von heute vorhandenem Leben auf Mars bedeutet ist aber noch unklar.

Eine neue Theorie erlaubt Ozeane ohne Karbonat-Produktion. Der von Global Surveyor und 2001 Mars Odyssey beobachtete Mangel an Karbonaten (siehe auch Ausgabe 4/03) ist heute eines der wesentlichen Argumente gegen einen feuchten Mars. Wenn die Ozeane des Mars jedoch säuerlich waren, dann konnten keine mineralischen Karbonat-Ablagerungen entstehen (AstroNews I). Weiterhin gibt es neue Ideen zum Verschwinden der jungen Marsatmosphäre. Der rote Planet war vermutlich einst von einer dichten Atmosphäre umgeben. Ein wesentlicher Prozess ist die Erosion der Marsatmosphäre durch Ladungs- und Energieaustausch mit Ionen des Sonnenwindes. Dieser Prozess konnte mit MarsExpress nun erstmals beobachtet werden. Die Verlustrate an Teilchen ist höher als bisher erwartet (AstroNews II).

weitere Informationen: Homepage der Mars Exploration Rover, Homepage von MarsExpress, Mars-Meldungen von AstroNews,


v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de