AVRS WebJournal
Ausgabe 4/2004
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Astronomischer Verein Remscheid e.V. |
Der Ansari X-Prize, die Trophähe für das erste sichere, privat finanzierte Raumschiff für mindestens drei Personen Besatzung, ist abgeräumt worden. Am 29. September und am 4. Oktober erreichte der Gleiter SpaceShipOne das All und erfüllte damit die von den Preisstiftern geforderten Bedingungen zum Gewinn des Preises. Damit ist der Weg frei für den Weltraumtourismus - ein Geschäft, in welches nun weitere Investoren einzusteigen versuchen. Wir wollen hier ein Auge auf die spannenden Wochen vor und nach dem Flug werfen.
Die Flüge ab Ende September waren bereits mehr als 2 Monate vor dem Flug angekündigt worden
(
SPIEGEL Online).
Davor hatte bereits ein erfolgreicher bemannter Testflug am 21. Juni stattgefunden (siehe hierzu die
letzte Ausgabe).
Am 29. September wurde es dann ernst: bei zwei bis drei Flüge in den Weltraum, der gemäß Definition in
100 km Höhe beginnt, sollten die Kriterien zum Gewinn des mit 10 Millionen Dollar dotierten Preises erfüllt werden.
Dazu mußte ein wiederverwendbares Raumschiff zweimal innerhalb von zwei Wochen eine Besatzung von drei Personen
(oder entsprechender Ballast) ins All befördern.
In der letzten Ausgabe wurde bereits der Ablauf eines Fluges von SpaceShipOne vorgestellt: das Trägerflugzeug WhiteKnight schleppt den Gleiter in eine Höhe von 15 km, von wo aus der Gleiter dann nach der Triebwerkszüdung ins All aufsteigt. Wie zuvor am 21. Juni wurde SpaceShipOne am 29. September vom Testpiloten Mike Melville geflogen. Und erneut kam es zu unkontrollierten Drehungen. Das Raumschiff schlingerte ins All, erreichte aber immerhin noch 103 km Höhe und kehrte wohlbehalten zum Erdboden zurück. Am 4. Oktober saß dann Pilot Brian Binnie am Steuer. Dieser Flug verlief nach Planung, es wurden 112 km Höhe erreicht. Es stellt sich die Frage, ob der Pilot zum Teil für die ursprüngliche Bockigkeit des Gleiters verantwortlich war.
Das der Preis nun abgeräumt ist wird sicherlich einigen der weiteren Mitbewerber um den Preis den Wind aus den Segeln nehmen. Doch auch wenn SpaceShipOne von Anfang an als Favorit galt - einige weitere Konkurenten haben ernstzunehmende Projekte entwickelt. Die Frage ist nun, ob der Markt für den Weltraumtouristmus ergiebig genug ist um mehrere Projekte zu finanzieren.
Für eine einzige Weltaum-Reiseagentur scheint es immerhin genug Kunden zu geben. Schon vor den Preisflügen von
SpaceShipOne sicherte sich Richard Branson, Chef der Virgin-Gruppe, sein Stück vom Kuchen. Die Firma ScaledComposites,
die SpaceShipOne gebaut hat, soll nun 5 Exemplare einer vergrößerten Version des Gleiters für Flüge
mit Pasagieren bauen. Die neu gegründete Agentur
Virgin Galactic
bietet schon heute Ticket-Reservierungen an. Der Preis
wird um die 200000 Dollar liegen - was aber nicht mehrere hundert Interessierte davon abhielt im Büro von
Virgin Galactic mit Cheques aufzukreuzen. Die ersten Flüge sollen in 3 Jahren stattfinden.
Nach dem Erfolg des Ansari X-Prize ist es nicht verwunderlich, daß nun Ideen für weitere Preisstiftungen umgehen.
Darunter ist insbesondere der
America's Space Prize
zu nennen. Gestaffelt nach Schwierigkeitsgrad der Missionen sind hier Preisgelder zwischen 50 und 800 Millionen Dollar
angedacht. Minimalforderung: mit einem privat finanzierten Raumschiff ist eine Höhe von 400 km zu erreichen
und zwei Erdumkreisungen sind zu leisten. Wie beim Ansari X-Prize sind zwei solcher Flüge zu absolvieren, diesmal innerhalb
von 60 Tagen. Zudem ist der 10. Januar 2010 als Stichtag für einen solchen Flüg gesetzt. Die Preisgelder erhöhen
sich, falls mehrere Flüge absolviert werden. Preisstifter Robert Bigelow setzt diese Preisgelder allerdings nicht ganz
selbslos aus: er plant den Betrieb eines Hotels in der Erdumlaufbahn ab 2010. Beide Projekte erscheinen jedoch
extrem ambitioniert, die realisierbarkeit ist sehr fraglich.
So ist aber zumindest der Traum vom kurzen Besuch im All - bei Virgin Galactic werden es 3 Minuten Schwerelosigkeit sein - in greifbare Nähe gerückt. Vielleicht inspiriert dies die Luftfahrtindustrie zu neuen Projekten.
v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de