AVRS WebJournal
Ausgabe 4/2004
|
Astronomischer Verein Remscheid e.V. |
Der Suche nach den weltweit besten Standorten für Teleskope dauert weiter an. Aktuell im Visier: "Dome C", die dritthöchste Erhebung auf dem antarktischen Kontinent. Hier ist die Atmosphäre ruhig und für Strahlung sehr durchlässig, während der logistische Aufwand noch vertretbar bleibt.
Schon seit Jahrzehnten geben sich Astronomen nicht mehr mit den Beobachtungsbedingungen in ihren jeweiligen Heimatländern zufrieden. Eine Jagd nach den besten Standorten für Teleskope findet statt. Logischerweise soll einerseits an guten Beobachtungsorten das Wetter "besser" sein als an anderen Plätzen. Seitdem astronomische Instrumente aber auch immer weiter in die Infrarot- und Submillimeter-Bereiche vorstoßen - also in den Spektralbereich zwischen den klassischen Bereichen der optischen Astronomie und der Radioastronomie -, muß ein guter Standort noch ganz andere Kriterien erfüllen. Die Atmosphäre soll im Infrarot- und Submillimeter-Bereich durchsichtig sein!
Die Durchsichtigkeit hängt im Wesentlichen von zwei Parametern ab: der Luftfeuchtigkeit der Atmosphäre und ihrer
Dicke. Besonders gut geeignet fü Beobachtungsstandorte sind also hoch gelegene, trockene Regionen. Ein weiteres
Kriterium ist eine möglichst "ruhigeä Atmosphäre, da Turbulenzen in der Luft Bilder astronomischer
Objekte verschmieren. Europäische Astronomen errichteten deshalb beispielsweise in der Vergangenheit
Beobachtungsstationen im spanischen Hochgebirge (siehe auch
"Abenteuer in Spanien", Ausgabe 2/02),
auf den Gipfeln der Canarischen Inseln (siehe auch
"Exkursion nach Teneriffa", Ausgabe 2/02),
und in den chilenischen Anden (siehe auch
"Am Observatorium "La Silla" in Chile", Ausgabe 3/03).
Diese Standorte liegen alle unterhalb eine Höhe von 3000 m. Mit dem
Mauna Kea Observatorium
auf Hawaii machten die Amerikaner dann einen ersten Schritt in Höhen oberhalb 4000 m. Heute ist das
Hochplateau von Chajnantor
in Chile der beliebteste Beobachtungsstandort für ambitionierte Teleskopprojekte.
Einen anderen Weg gehen bereits seit einigen Jahren die Teleskope an der amerikanischen
Amundsen-Scott Südpol Station,
wie z.B.
DASI.
Die extrem geringen Temperaturen reduzieren den Wasserdampfgehalt der Luft und auch die Eigenstrahlung der Atmosphäre
im Infrarot- und Submillimeter-Bereich. (Die Umgebung eines Teleskops gibt bei diesen Frequenzen Wärmestrahlung ab.)
Zudem liegt der Südpol 2.8 km über dem Meeresspiegel, man ist somit dem All recht nah.
Der Himmel ist also sehr dunkel und transparent. Dafür ist die Luftunruhe relativ hoch, man bekommt vor allem im
Infrarotbereich verschwommene Bilder.
In einer
aktuellen Pressemitteilung
berichten australische Wissenschaftler von Messungen der Luftunruhe bei Dome C, der dritthöchsten Erhebung auf dem
antarktischen Kontinent. Auch eine
ausführliche Darstellung
der Ergebnisse ist verfügbar. Das Team findet, daß die Verschmierung der Bilder um einen Faktor 2.5 unter jener
an den bisher besten bekannten Standorten liegt. Die niedrigsten Werte lagen bei 0.07 Bogensekunden.
Werden diese Ergebnisse bestätigt, dann ist Dome C der beste astronomische Standort für optische und
Infrarot-Teleskope, an dem je Testmessungen vorgenommen wurden. Man erwartet noch bessere Bedingungen auf Dome A und B,
jedoch sind diese Erhebungen bisher unerschlossen.
Bei Dome C wird gegenwärtig die Station
Concordia
errichtet, die in Zukunft auch während des für astronomische Experimente interessanten arktischen Winters
besetzt sein wird. Damit ist die logistische Grundlage für die Errichtung aufwendiger Astronomischer Teleskope
gelegt. Bisher konnten auf Dome C nur ferngesteuerte Observatorien betrieben werden. Somit ist Dome C nicht nur ein
guter Standort, sondern auch erreichbar. Zwar ist der Transport von Material hin zu derartig entlegenen Plätzen
nicht ganz billig, jedoch sind die Kosten sehr viel geringer als die für Weltraumteleskope - und die sollen durch
Instrumente bei Dome C nahezu überflüssig werden!
So propagieren es zumindest die Autoren der aktuellen Studie. Dies sei einmal dahin gestellt; so ungestört wie im All kann man auf der Erde nicht beobachten. Der Standort bei Dome C ist aber trotzdem sehr interessant. Im Vergleich zu den bisherigen genutzten Standorten (also Mauna Kea, Chajnantor und Südpol) weist Dome C
auf. Verglichen mit dem Südpol ist Dome C somit vor allem für optische und Infrarot-Teleskope der bessere Standort. Aber die technischen Probleme des Teleskopbetriebs bei geringen Temperaturen, und schlicht die Logistik eines solchen Unternehmens, sind nicht zu unterschätzen. Dome C wir sicherlich kein Standort wie das Chajnantor Plateau werden, welches mittlerweile Teleskope in Schwärmen anzieht. Dazu sind die klimatischen Vorteile des Standortes nicht gut genug.
v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de