AVRS WebJournal Ausgabe 4/2003 Astronomischer Verein Remscheid e.V.

Mars und Mond mit Digitalkamera

von Tobias Westmeier

  Mars   Mars
  Abb.1: Mars, aufgenommmen am 20. August 2003. Süden ist oben.   Abb.2: Mars, aufgenommmen am 04. September 2003. Süden ist oben.

Eines Abends schien der Mars durch mein Fenster in der Bonner Innenstadt, und ich stellte mir die Frage, ob es wohl möglich sein würde, den Roten Planeten mit der neuen Digitalkamera auf den Chip zu bannen? Gesagt, getan. Schnell hatte ich mein kleines Teleskop hervorgeholt und vor dem geöffneten Fenster aufgestellt. Zwar ließ das 100-mm-Maksutov-Cassegrain, besser bekannt als "Russentonne", keine allzu gute Auflösung erwarten, und auch die Beobachtung durch das offene Fenster dürfte der Qualität der Bilder nicht eben zuträglich sein, aber auf einen Versuch kam es an. Mars war schnell im Teleskop gefunden, und bei 125-facher Vergrößerung konnte ich trotz des bescheidenen Seeings deutlich die südliche Polkappe sowie einige dunkle Flecken auf dem Planetenscheibchen ausmachen.

Nun kam der große Moment. Da ich die Kamera nicht fest am Teleskop anbringen konnte, mußte ich freihändig fotografieren. Hierzu wählte ich eine Belichtungszeit von 1/60 Sekunde, die noch bequem freihändig und ohne zu verwackeln zu handhaben war. Da ich nicht wußte, wie die Kamera zu fokussieren war, stellte ich schlicht den Autofokus ein. Dann hielt ich die Kamera, so gut es ging, hinter das Okular, wobei sich das Auffinden des Planeten auf dem Display als ziemlich schwierig erwies. Doch schließlich tauchte ein roter Klecks auf, das Zeichen, den Auslöser zu drücken. Das Ergebnis war frappierend. Tatsächlich konnte ich auf dem Planetenscheibchen Strukturen warnehmen, darunter auch die helle Südpolkappe! Und das auf dem Rohbild, ohne jegliche Nachbearbeitung! Schnell waren weitere Fotos gemacht, wobei sich der Autofokus hervorragend bewährte. Offenbar war die Kamera imstande, anhand des winzigen Planetenscheibchen vor ansonstem tiefschwarzem Himmel zu fokussieren. Eine Sichtung der aufgenommenen Bilder am Rechner bestätigte, daß bereits auf den Rohbildern Strukturen auf der Marsoberfläche auszumachen waren. Unter den besten und schärfsten Aufnahmen wählte ich schließlich 4 Bilder aus, die ich zu einem Gesamtbild mittelte.

Mond  
Abb.3: Mond, aufgenommmen am 14. September 2003. Zum Vergrößern bitte anklicken.  

An den darauffolgenden Abenden gelangen mir dann Dank der Übung im Umgang mit Kamera und Teleskop einige beeindruckende Aufnahmen. Zwei der besten Bilder, jeweils aus vier Einzelaufnahmen gemittelt, sind in Abbildung 1 und 2 wiedergegeben. Beide Bilder wurden nach der Kombination der Einzelaufnahmen noch etwas in Helligkeit und Kontrast angepaßt und unscharf maskiert. Auf beiden Fotos ist deutlich die südliche Polkappe als heller Fleck am oberen Rand des Planeten zu erkennen. Darüber hinaus sieht man zahlreiche dunkle Oberflächenstrukturen, die sich beim Vergleich mit einer Marskarte als real herausstellten. Die Detailfülle steht dem visuellen Eindruck im Okular in nichts nach und erreicht in etwa das, was mit einem solch kleinen Instrument von 10 cm Öffnung zu erwarten ist.

Nach den Erfolgen beim Mars versuchte ich mich auch am Mond. Auch hier war das Vorgehen wieder dasselbe: einfach die Kamera hinter das Teleskop halten, mit dem Autofokus scharfstellen und diesmal 1/100 Sekunde aus freier Hand belichten. Wiederum waren die Ergebnisse sehr zufriedenstellend, wobei das Auffinden des Mondes wegen seiner Größe und Lichtfülle deutlich einfacher als beim Mars war. Da der Mond im allgemeinen nicht mehr vollständig ins Bild paßt, bietet es sich an, mehrere gegeneinander versetzte Aufnahmen zu machen. Diese Einzelbilder lassen sich dann mit einem beliebigen Grafikprogramm im Rechner zu einem Mosaik zusammenfügen. Ein solches Mondmosaik ist in Abbildung 3 zu sehen. Durch Mausklick läßt sich das Bild vergrößern.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Anwendung von Digitalkameras für die Mond- und Planetenfotografie sehr vielversprechend erscheint. Zum einen lassen sich ohne großen Aufwand oder zusätzliches Zubehör sehr ansprechende Aufnahmen gewinnen. Zum anderen sind Digitalkameras inzwischen preiswert zu haben und weit verbreitet. Ich kann jedem empfehlen, einfach selbst einmal zu experimentieren. Ein kleines Teleskop sowie Geduld und Experimentierfreude genügen vollkommen, um schöne und spannende Fotos zu machen. Ich jedenfalls freue mich schon auf die nächste Jupiteropposition und hoffe auf neue, bunte Bilder vom Riesenplaneten.


v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de