AVRS WebJournal Ausgabe 4/2002 Astronomischer Verein Remscheid e.V.

Kurznachrichten aus Astronomie und Raumfahrt

zusammengestellt von Jens Kauffmann

Auf dieser Seite sind Pressemeldungen aus dem vergangenen Quartal gesammelt und ansatzweise ausgewertet. Die Masse an Ereignissen und Ergebnissen in Astronomie und Raumfahrt verbietet es, selektiv einige wenige Meldungen herauszugreifen und ausführlich darzustellen. Statt dessen sind die Meldungen thematisch geordnet und meist mit Verweisen auf ausführlichere Artikel versehen.

Neues zu Vorgängen im AVRS finden Sie nicht in dieser Rubrik! Sehen Sie dazu in der Rubrik "Aus dem Verein" auf der Titelseite nach.

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Inhalt

Erde & Sonnensystem:
Meteoriten, Leben auf Venus und Mars, Asteroiden-Abwehr und "fehlende" Kometen
Geschichte:
Sensation: "Deutsches Stonehenge" entdeckt
Amateurastronomie:
Amateure auf Supernovae- und Kometensuche, Lumicon-Pleite, Celestron-Übernahme
Exoplaneten:
Erste Exo-Erde entdeckt?
Teleskope & Observatorien:
Der HST-Nachfolger, scharfe Bilder und ESO-Politik
Raumfahrt:
Ein mysteriöser Besucher aus dem All und hochfliegende Visionen
Kosmologie:
Zweifel am Alter des Universums
Fundamentale Physik:
Der Gravitation auf der Spur

Wesentliche Quellen:

Siehe zu diesem Thema auch die Sammlung von Online-Nachrichtendiensten.

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Erde & Sonnensystem

Vermischtes

Im August begann die Sonde "Stardust" (Homepage) erneut damit, interstellaren Staub einzusammeln. Im Jahr 2004 besucht sie den Kometen "Wild 2", um auch aus seinem Schweif Proben zu nehmen. Die gesammelten Teilchen sollen dann 2006 von der Sonde auf die Erde abgeworfen werden (AstroNews).

Im Jahr 2007 könnte es eine indische Mondmission geben, sagt ein Bericht an die Regierung (Cosmic Mirror, 241). Es gibt neue Indizien für einen Dino-Killer-Asteroiden aus Fossilien. Der CO-Gehalt der Atmosphäre ist offenbar rasch gestiegen. Dies spricht gegen Vulkan-Aktivität als Grund für den Klimawechsel vor 65 Millionen Jahren (Cosmic Mirror, 240).

Aurora-Daten zeigen, das Sonnenmaximum ist noch nicht vorbei (Cosmic Mirror, 243).

Neues von der bayerischen Feuerkugel

Bereits in der letzten Ausgabe berichteten wir von der Feuerkugel über Süddeutschland. Wie berichtet konnte die Bahn des Objektes gut vermessen werden, und so konnte bald ein Bruchstück gefunden werden. Dies ist erst das sechste Bruchstück das einem Meteoriten mit bekannter Bahn zugeordnet werden kann!

Und die Analyse des Brockens hat es in sich: Die Bahn des Meteoriten ist nahezu identisch mit der des Pribram-Meteoriten von 1959 (beide sollten also einen gemeinsamen Ursprung haben), aber die chemischen Zusammensetzungen sind grundlegend verschieden (Cosmic Mirror, 241, Cosmic Mirror, 243, AstroNews).

Asteroid mit "astronomisch hohem" Einschlagsrisiko

Mehrfach bekam in diesem Quartal die Erde "Besuch aus dem All". Am 17. Juli 2002 hat man "2002NM" entdeckt. Die Bahnanalyse für den vielleicht 100 m messenden Brocken zeigte, daß er bereits am 14. Juli unentdeckt an der Erde vorüberflog - in "nur" 120000 km Distanz! (Der Asteroid kam aus Sonnenrichtung, wo Teleskope nicht hinsehen können; Cosmic Mirror, 241.) Ein so kleiner Asteroid hätte nicht die Zivilisation, aber doch eine Stadt, ausradieren können (Cosmic Mirror, 241).

Anders bei "2002NT7": Dieser grob 2 km messende Kleinkörper könnte Regionen von vielleicht 100 km Durchmesser verwüsten - und nach der Entdeckung am 9. Juli 2002 war das Einschlagsrisiko "astronomisch hoch"! Na ja, astronomisch hoch bedeutet in diesem Fall ein Einschlagsrisiko von 1:60000 für den 1. Februar 2019, was sehr klein ist, aber im Vergleich zu anderen bekannten Objekten eben sehr viel (Telepolis-Weltraum).

Leider neigen begeisterte Wissenschaftler dazu solche Entdeckungen (a) in abstrakter mathematischer Weise zu formulieren und (b) der Öffentlichkeit diese abstrakten Formulierungen an den Kopf zu werfen. So auch in diesem Fall. Der Fakt, daß der Asteroid zwar kaum mit der Erde kollidieren wird, aber trotzdem eine größere Gefahr darstellte als alle anderen Asteroiden zusammen, trug ihm einen positiven Wert auf der "Palermo-Skala" ein - was noch nie zuvor geschah. Das wurde offenbar von einigen Medien als Indikator für ein absolut hohes Einschlagsrisiko gewertet, Furcht wurde gesät. Eine Diskussion hierzu findet man im Cosmic Mirror, 241.

Auch hatten die Medien oft nicht wahrgenommen, daß der Asteroid erst vor wenigen Tagen entdeckt worden war, die Bahn also entsprechend ungenau bestimmt war. Und mit neuen Positionsmessungen schrumpfte das Kollisionsrisiko immer weiter. Bald war klar, daß der Asteroid keinesfalls eine Gefahr darstellt (Telepolis-Weltraum, AstroNews).

Schließlich war da noch "2002NY40". Der flog am 18. August 2002 knapp außerhalb der Mondbahn an der Erde vorbei (Cosmic Mirror, 241). Mit einer Helligkeit deutlich oberhalb der 10. Größenklasse war er ein interessantes Beobachtungsobjekt für Amateurastronomen. Lesen sie zu den Asteroiden, und speziell "2002NY40", auch den Bericht zur "Asteroidennacht" in dieser Ausgabe.

Und dann wurde eventuell der Asteroid "Hermes" wiederentdeckt (Cosmic Mirror, 243). Der war im Jahr 1937 an der Erde vorbeigesaust und ist der größte bekannte Erd-Besucher. Der Asteroid " 2002SY50" könnte mit Hermes identisch sein.

Passend zu den Begleitumständen wurde viel über Asteroiden-Abwehr nachgedacht. Die ESA will Missionen probeweise Asteroiden beschießen, viele andere Vorschläge existieren (Telepolis-Weltraum I, Telepolis-Weltraum II, AstroNews I, AstroNews II, Cosmic Mirror, 241, Cosmic Mirror, 243.)

Venus & Mars: Spekulation um außerirdisches Leben und Erkundungspläne

Es ist bereits lange "in" Leben auf Mars zu vermuten, doch nun hat man auch Venus als Spielwiese entdeckt. Die Häufigkeiten diverser chemischer Verbindungen lassen sich am einfachsten durch Bakterien in der Atmosphäre erklären, die gewisse Verbindungen "wegfressen", schlugen kürzlich zwei Forscher vor (AstroNews, Telepolis-Weltraum). Bei Telepolis-Weltraum sieht man diesen Vorschlag im Zusammenhang mit dem aktuellen "Astrobiologie-Boom".

Da ist es günstig, das die ESA vielleicht im Jahr 2005 eine Sonde zur Venus schicken wird. Im Projekt "Venus-Express" soll die Technik der Mission "Mars-Express" neu verwendet werden, um so Kosten zu sparen - das befürwortet zumindest das ESA-Programmkomitee (Cosmic Mirror, 240, AstroNews).

Auch bei Mars enden die Spekulationen um Leben nicht (Cosmic Mirror, 241, AstroNews, Telepolis-Weltraum). Wieder drehen sich die Diskussionen um den in der Antarktis gefundenen Mars-Meteoriten ALH84001, in dem "magnetische Kristalle" eingeschlossen sind, die einst Sinnesorgane von Bakterien gewesen sein könnten. Allgemein wird diese "Magnetit-Theorie" allerdings sehr kontrovers diskutiert.

Auch zu früheren Mars-Zivilisationen gibt es neues zu vermelden. Neue Bilder der "Inka-Stadt" nahe dem "Marsgesicht" wurden jetzt veröffentlicht (AstroNews).

Wissenschaftler der Mission "Mars Exploration Rover" (Homepage) konnten nun mit einem Test-Rover in der Wüste üben (AstroNews). Es gibt allerdings technische Probleme bei der Mission, die in wenigen Monaten starten soll (Cosmic Mirror, 243). Im schlimmsten Fall kann das die Ankunft der Rover bis hin zu 2008 verzögern.

Auch die britische Mission "Beagle" (Homepage) ist im Verzug (Cosmic Mirror, 243). "Beagle" soll auf "Mars-Express" (Homepage) fliegen, wird aber vielleicht nicht rechtzeitig fertig.

Pluto bedeckte im vergangenen Quartal zwei Sterne; dann leuchtet das Sternenlicht durch die Pluto-Atmosphäre hindurch und gestattet ihre Untersuchung. Leider widersprechen sich die bei unterschiedlichen Bedeckungen erhaltenen Resultate (Cosmic Mirror, 242). Die Resultate der Juli-Bedeckung deuten auf eine seit 1988 (da fand die letzte beobachtete Sternbedeckung durch Pluto statt) stark abgekühlte Atmosphäre hin (Cosmic Mirror, 241, AstroNews, Telepolis-Weltraum), jedoch bestätigte sich dies nicht in der August-Bedeckung (Cosmic Mirror, 242).

Die Pluto-Mission der NASA steht weiterhin auf wackeligen Beinen, allerdings drängen nun auch US-Bundesbehörden die unwillige NASA (Cosmic Mirror, 240). Zudem hat jetzt der Senat beschlossen, für die NASA zusätzliche Mittel bereitzustellen (Cosmic Mirror, 241). Die Pluto-Mission muß bald starten (geplant ist 2006), da Mitte des kommenden Jahrzehnts die Lichtverhältnisse auf Pluto sehr ungünstig werden.

Weitere Informationen, besonders zum Thema ESA-Missionen zum Mars, in der Rubrik Raumfahrt.

Das Rätsel der verschwundenen Kometen

Vielleicht ein Dutzend größerer Kometen werden in jedem Jahr neu entdeckt. Sie kommen aus den fernen Außenregionen des Sonnensystems, umrunden unser Zentralgestirn (wobei einige wenige Kometen in die Sonne hineinfallen) und machen sich auf den Weg zurück in das äußere Sonnensystem - sollten aber nach einiger Zeit wieder in Sonnennähe auftauchen. Im Verlauf der Jahrmilliarden sollte sich eine riesige Zahl von hin- und herpendelnden Kometen ansammeln, die aber nicht beobachtet wird (AstroNews). Computer-Modelle sagen etwa um einen Faktor 100 mehr Kometen voraus, als beobachtet werden.

Die einfachste Erklärung währe, daß Kometen in größerer Anzahl zerstört werden als im Modell angenommen. Praktischerweise tauchen gerade Hinweise auf, das Kometen auch in großer Sonnenferne zerplatzen können (AstroNews). Das kann man aus kleineren Kometen ableiten, die oft in Schwärmen auftreten. Das Zerplatzen von Kometen in großen distanzen von der Sonne galt bisher als unwahrscheinlich, da die Sonne als treibende Kraft für solche Vorgänge vermutet wurde.

Die Sonde CONTOUR (Comet Nucleus Tour), die mehrere Kometen besuchen sollte, hätte bei solchen fragen sicher weiterhelfen können - sie ist aber verschollen. Offenbar ist sie bei einem Motor-Manöver, welches die Sonde aus der Parkbahn anheben sollte, zerbrochen. Dies legen zumindest mit Teleskopen aufgenommene Bilder nahe, die zwei Objekte zeigen, so nur CONTOUR sein sollte (Cosmic Mirror, 241, AstroNews).

Angenehmer ist da die erste deutsche Kometen-Entdeckung seit 1946 (mit dem Teleskop) durch den Studenten Sebastian Hönig (Homepage, Cosmic Mirror, 241). Beim "Spazieren-Sehen" stolperte er über ein bewegtes, diffuses Objekt. Man kann heute allerdings auch via Internet Kometen entdecken. Auch der 500ste SOHO-Komet geht auf das Konto eines Deutschen (Telepolis-Weltraum), entdeckt im Bild-Archiv des Sonnen-Satelliten SOHO (Homepage). Hierbei handelt es sich um kleine Brocken, die nur in extremer Sonnennähe aufleuchten.

Jubilare im All: Sputnik, Mariner, Pioneer & Voyager

Während Sputnik (Cosmic Mirror, 243) im Jahr 1957 als erster Satellit überhaupt die Erde umkreiste, wurde mit Mariner 2 (AstroNews, Cosmic Mirror, 242) im Jahre 1962 die erste erfolgreiche Mission zu einem anderen Planeten (Venus) gestartet.

Auch schon alt, aber immer noch im Dienst sind Pioneer 10 und die Voyager-Sonden, die am weitesten von der Sonne entfernten Sonden. Voyager feierte nun das 25jährige Startjubiläum (AstroNews), Pioneer 10 das 30jährige - liegt aber auch im Sterben (Telepolis-Weltraum). Es gelingt vielleicht einmal im Jahr, Kontakt herzustellen.

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Geschichte

Eine bronzezeitliche "Sternscheibe" und ein "Deutsches Stonehenge"

Bereits 1997 oder 1998 wurde sie illegal ausgegraben: die "Sangerhausener Sternscheibe". Nachdem sie auf dem schwarzen Kunstmarkt gehandelt wurde, ist die 32 cm messende Bronzescheibe nun in die Hände von Wissenschaftlern gelangt (Cosmic Mirror, 236). Mittlerweile wurde die Scheibe im Labor auf ein Alter von 3600 Jahren datiert: eine Sensation!

Nach Ermittlungen der Polizei konnte nun auch der Fundort lokalisiert werden (Cosmic Mirror, 243). Und auch der hat es in sich. Offenbar hat es hier ein frühzeitliches Observatorium gegeben. Gräben und andere strukturen in der Landschaft legen dies nahe. Weiterhin unklar ist der Zweck der Scheibe, die etwa 1000 Jahre lang benutzt und mehrfach umgearbeitet wurde.

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Amateurastronomie

Auch Amateure können Supernovae entdecken. Auf das Konto einer Gruppe von Amateurastronomen gehen bisher 54 Entdeckungen (Cosmic Mirror, 240).

Lesen sie in dieser Ausgabe auch die Meldungen zu Amateuren auf der Suche nach Exo-Planeten oder Kometen.

Lumicon existiert nicht mehr (Cosmic Mirror, 243). Celestron wurde übernommen, dafür kriselt es bei Tasco (Cosmic Mirror, 240).

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Exoplaneten

Vielleicht wurde nun die erste "Exo-Erde" entdeckt - allerdings nur indirekt, in Daten eines Microlensing-Experiments (Cosmic Mirror, 240). Unter "Microlensing" versteht man die Helligkeits-Verstärkung eines Sternes durch einen vor dem Stern vorbeiziehenden zweiten Stern: Dann bündelt die Schwerkraft des zweiten Sternes, wie bei einer Linse, das Licht des ersten Sternes, hellt diesen dadurch scheinbar auf. Auf diese Weise kann man sehr lichtschwache Objekte entdecken, wenn sie vor hellen Sternen vorbeiziehen.

Das Microlensing-Experiment "MACHO" beobachte bereits 1998 ein Ereignis, bei welchem der vorbeiziehende Stern vermutlich von ein oder zwei Planeten mit etwa einer Erdmasse umkreist wurde. Die Distanz zu diesem Planeten ist unbekannt, kann aber bei vielen tausend Lichtjahren liegen. Somit wird man den Planeten auch mit Superteleskopen, wie sie in einigen Jahrzehnten zu erwarten sind, nicht studieren können. Damit sind derartige Ereignisse eher von statistischen Interesse: Wie viele Sterne werden von erdähnlichen Planeten umkreist? Somit ist die weitere Planetensuche durch Microlensing-Ereignisse sicherlich sinnvoll; man darf aber nicht verschweigen, daß die Analyse solcher Daten nicht einfach ist, es auch Zweifel an der Korrektheit der aktuellen Entdeckung gibt...

Da gibt es, für massereichere Planeten, zuverlässigere Methoden. Neue Entdeckungen mit der Radialgeschwindigkeitsmethode sind zu berichten. Der hundertste so entdeckte Planeten soll Jupiter ähneln (AstroNews). Dafür erwies sich bei einem anderen Stern, daß die Variationen im Spektrum nicht von einem Planeten, sondern von einem Stern-Fleck herrühren (AstroNews). Wegen der großen Menge an gefundenen Planeten kann der Datensatz nun auch statistisch untersucht werden. So scheinen Planeten nur in gewissen Abständen zum Muttergestirn vorkommen (Cosmic Mirror, 243).

Auch Amateurastronomen können Planeten suchen. Bereits mit einfachen Teleskopen und guten elektronischen Kameras ist der Vorübergang von Planeten vor ihrer Muttersonne als reduzierte Stern-Helligkeit wahrzunehmen. Damit eröffnet sich ein weites Feld für die Amateure (AstroNews, Cosmic Mirror, 243).

Schließlich will man einen jungen Stern mit entstehendem Planeten gefunden haben. Das vorkommen gewisser Moleküle in der Umgebung des Sterns lasse sich nur so erklären (AstroNews).

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Teleskope & Observatorien

Der Hubble-Nachfolger

heißt nun nach dem zweiten NASA-Chef "James Webb Space Telescope". Das zuvor nur als NGST (Next Generation Space Telescope; Homepage) bekannte Teleskop ist weiterhin nicht finanziert, aber die Firma für den Bau ist ausgewählt. Geplant ist, das Teleskop im Lagrangepunkt L2 des Systems Sonne-Erde (das ist die sonnenabgewandte Seite) zu stationieren. Da stört die Erde nicht die Beobachtungen, aber man kann nicht 'mal eben zum Reparieren hinfliegen - was beim HST (Homepage I, Homepage II) wichtig war (Cosmic Mirror, 242, AstroNews).

Neues vom VLT

Erstmals ist es gelungen versuchsweise alle großen UT-Teleskope des VLT zusammenzuschalten (Cosmic Mirror, 243). Auf einer Konferenz war allerdings zu vernehmen, daß die Reduktion der in Zukunft mit dem VLTI (dem VLT-Interferometer) erhaltenen Daten auch in Zukunft nur etwas für Spezialisten sein wird - auch für die meisten Profi-Astronomen wird Optische Interferometrie "Schwarze Magie" bleiben (sagt Tagungsteinehmer).

Aber auch die "normalen" VLT-Bilder sind beachtenswert: Nun wurde ein Mondbild mit einer auflösung von 0.07 Bogensekunden veröffentlicht (AstroNews, Cosmic Mirror, 241). Dazu muß allerdings die Luftunruhe in den Bildern beseitigt werden.

Superscharfes Radioteleskop: 18 Millibogensekunden

Über die VLT-Auflösung können die Radioastronomen aber nur milde lächeln. Bei 2 Millimeter Wellenlänge, wo man noch technisches Neuland betritt (man arbeitet sonst bei viel größeren Wellenlängen), konnte durch weltweites Zusammenschalten von Radioteleskopen nun eine Auflösung von 18 Millibogensekunden erreicht werden (Telepolis-Weltraum, AstroNews, Cosmic Mirror, 240). Damit könnte man zwei auf dem Mond nebeneinander liegende Handies (die nebenbei bemerkt dann noch heller als fast alle kosmischen Radioquellen währen) trennen! Übrigens handelt es sich hierbei im wesentlichen um ein deutsches Projekt, geführt vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn.

Vermischtes

Auch Kanada hat nun ein neues optisches Weltraumteleskop vorgestellt. Das MOST (Microvariability and Oscillations of Stars) geheißene, eher kleine Teleskop soll - wie der Name sagt - vor allem auch nach Pulsationen von Sternen suchen. So kann man in Sterne "hineinsehen": Wie bei Erdbeben verraten die, als Helligkeitsänderungen in Erscheinung tretenden, Stern-Schwingungen etwas über den Sternaufbau. Der Start ist für 2003 geplant (Cosmic Mirror, 241).

Die Briten sind jetzt ESO-Mitglied (AstroNews, Cosmic Mirror, 240). Die ESO (European Southern Observatory; im Amtsdeutsch "Europäische Südsternwarte"), mit Sitz in Garching bei München, ist der bedeutendste europäische Teleskop-Betreiber und unterhält aktuell zwei Großobservatorien in Chile ("Paranal", mit 4 Teleskopen der 8-Meter-Klasse [das VLT], und "La Silla", mit diversen optischen Teleskopen bis 3.6 Öffnung sowie einem Radioteleskop); bald kommt noch das Riesen-Radiointerferometer "ALMA" hinzu. Währe das Vereinigte Königreich nicht beigetreten, so hätte es bald den Anschluß an die astronomische Forschung verloren.

Das SOFIA-Teleskop ist in den USA eingetroffen (Cosmic Mirror, 242). Das in Deutschland gebaute Teleskop soll dort in einen Jumbo eingebaut werden. Das US-deutsche Flug-Observatorium SOFIA soll aus 14 km Flughöhe IR-Beobachtungen durchführen.

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Raumfahrt

Mysteriöser Besucher aus dem All: Eine Apollo-Oberstufe auf Besuch?

Nachdem es einige Aufregung ausgelöst hatte, konnte ein in doppelter Mondentfernung die Erde umkreisendes Objekt mit großer Wahrscheinlichkeit als alte Apollo-Oberstufe identifiziert werden (Cosmic Mirror, 242). Die Rakete, die zu Beginn der 1970er Jahre gestartet wurde, wurde aus einem Orbit um die Sonne über den Lagrangepunkt L1 des Systems Erde-Mond eingefangen. Man glaubt, daß es sich bei dem Objekt um die dritte Stufe von Apollo 12 handelt. Erschien es anfangs noch wahrscheinlich (20%), daß das Objekt auf dem Mond einschlägt, so wird dies zunehmend unwahrscheinlicher (Cosmic Mirror, 243). Das Objekt wird wieder in den Raum verschwinden.

Neues ESA-Programm in Vorbereitung

Gegenwärtig arbeitet die ESA am neuen Programm "Aurora", welches die Strategie für die Erforschung des Sonnensystems in den kommenden 30 Jahren skizzieren soll. Der Schwerpunkt liegt auf der Mars-Erkundung: Diverse Roboter sollen den Mars untersuchen, vielleicht auch Bodenproben zur Erde zurückbringen - und eventuell gibt gar es bemannte Missionen zu Mond und Mars (AstroNews, ESA-Informationen). Die Entscheidungen für die bemannten Missionen fallen aber erst gegen 2015.

Aber rosig sieht es sicher nicht für teue Missionen aus. Das gilt offenbar besonders für Deutschland. So die bitter-bösen Artikel von Telepolis (Telepolis-Weltraum (Tag der Raumfahrt), Telepolis-Weltraum (Raumfahrt in Deutschland)).

Vermischtes

Das chinesische Raumschiff Shenzhou-4 soll demnächst mit zwei Dummies fliegen (Cosmic Mirror, 242). Dieses Schiff soll einst Chinas Zugang zur bemannten Raumfahrt werden.

Es gibt auch Amateur-Raketenbauer. Diese führten kürzlich wieder einen Startversuch durch. Leider schlug er fehl, die Rakete explodierte (Cosmic Mirror, 243).

Die Galileo Navigationssatelliten durchlaufen politische Turbulenzen. (Cosmic Mirror, 243). Offenbar gibt es einen Führungsstreit zwischen Deutschland und Italien.

Drei Sonnensegel-Missionen sollen in den kommenden Jahren starten. Bei den geplanten Flügen geht es aber immer ausschließlich darum, einen Test für das Entfalten der Segel auszuführen (Cosmic Mirror, 240). Nur "Encounter 2001" ist ambitionierter: Die Sonde soll mit der DNA vieler Spender das Sonnensystem verlassen...

Zwei neue Small Explorer Satelliten hat die NASA ausgewählt (Cosmic Mirror, 240). Der eine soll diffuses Gas zwischen Galaxien im Röntgenbereich suchen, der andere irdische Wolken in der Hochatmosphäre studieren.

Neuer Shuttle Flug zur ISS (AstroNews). Nach einigen Problemen mit Rissen in Treibstoff-Leitungen sind die Shuttles wieder freigegeben. Weitere Informationen findet man auch bei der Nasa auf deren ISS- und Shuttle-Seiten.

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Kosmologie

Als man die Eisenmenge in einer fernen Galaxie studierte, kam man zu einem überraschenden Resultat: Manche Galaxien im frühen Universum enthalten um einen Faktor 3 mehr an Eisen als die Milchstraße (AstroNews, Telepolis-Weltraum). Warum ist dies so interessant? Im Urknall sollten nur Wasserstoff und Helium in nennenswerter Menge entstanden sein, schwerere Elemente - darunter insbesondere Eisen - wurde erst durch sterbende Sterne über Milliarden Jahre hinweg produziert. Wie aber kommt die beobachtete Galaxie, die nur 1.5 Milliarden jahre alt sein sollte, dann zu der beobachteten relativen Häufigkeit an Eisen? Fand der Urknall vielleicht nicht vor etwa 15 Milliarden Jahren, sondern noch einige Milliarden Jahre früher statt?

Eine Polarisationsmessung der Hintergrundstrahlung bestätigt dagegen die gängigen Theorien zur Entwicklung des Universums (AstroNews, Cosmic Mirror, 243).

Das Netzwerk aus superheißem Gas, welches nach Urknall-Simulationen Galaxien und Galaxienhaufen verbinden sollte, wird langsam beobachtbar (AstroNews.) In diesem Gas sollten 90% der baryonischen Materie des Universums gebunden sein. (Es gibt vermutlich auch nicht-baryonische Materie mit exotischen Eigenschaften. Siehe dazu auch den Artikel Astronomie 2000+ in der Ausgabe 3/02.) Das gefundene Gas ist zu heiß und zu dünn um als leuchtende Materie sichtbar zu sein. Es kann aber als vor Quasaren liegender Absorber gefunden werden.

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Fundamentale Physik

Erstmals wurde die Gravitations-Geschwindigkeit gemessen (AstroNews, Cosmic Mirror, 243). Als am 8. September Jupiter an einem Quasar vorbeizog wurden mit VLBI Aufnahmen des Quasars gemacht. Aus der Verzerrung der Bilder sollte sich die Geschwindigkeit, mit der Gravitation wirkt, messen lassen. Nach der Einsteinschen Allgemeinen Relativitätstheorie sollte dabei exakt die Lichtgeschwindigkeit herauskommen. Zwar sind die Daten "im Kasten" aber die Auswertung wird sich mindestens bis in den November hinziehen.

Eine neue Klasse Schwarzer Löcher ist gefunden worden (Telepolis-Weltraum, AstroNews, Cosmic Mirror, 243). Die neu gefundenen SL mit einigen tausend Sonnenmassen schließ die Lücke zwischen stellaren SL, von vielleicht 10 Sonnenmassen, und den supermassiven SL, die bei einigen Millionen Sonnenmassen liegen. Gefunden wurde die neue Klasse in Kugelsternhaufen: Die Sterne in den Haufen kreisen rasch um ein massives Objekt.

Übrigens ist weiterhin der exakte Beweis für die prinzipielle Existenz Schwarzer Löcher nicht erbracht. Auch wenn kaum ein Astronom die Existenz von SL anzweifelt, so können weiterhin extrem kompakte, aber nicht gänzlich kollabierte, Objekte als Erklärung für die mit SL in Verbindung gebrachten Phänomene ausgeschlossen werden.

Das Gravitationswellen-Experiment LIGO hat erstmals für zweieinhalb Wochen wissenschaftliche Daten gesammelt (Cosmic Mirror, 243). Ein ganzes Netzwerk von Gravitationswellen-Detektoren geht weltweit in Betrieb.

Die Spiegelmaterie-Theorie gehört nicht unbedingt in eine Übersicht wissenschaftlicher Nachrichten - oder doch? Mit der, bisher nicht beobachteten oder sonstwie fundierten, "Spiegelmaterie" soll neben der uns umgebenden "normalen" Materie eine gänzlich andere existieren. (AstroNews). Klingt irgendwie phantastisch, zumal ihr Erfinder gleich irritierend viele Phänomene mit der Spiegelmaterie erklären will. Andererseits gibt es in der Tat Hinweise auf exotische Materie im Universum. Doch der Teufel steckt im Detail: Exotische Materie muß nicht gleich "Spiegelmaterie" sein - und sich z.B. nicht unbedingt in mysteriösen "weichen Asteroideneinschlägen" auf der Erde manifestieren.


v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de