AVRS WebJournal Ausgabe 4/2002 Astronomischer Verein Remscheid e.V.

Exkursion nach Teneriffa

von Michael Beyer

Bereits in vorangehenden Ausgaben (Ausgabe 2/02 und Ausgabe 3/02) berichteten AVRS-Mitglieder von Exkursionen nach Teneriffa. Nun hat es auch eines unserer jüngsten aktiven Mitglieder erwischt. Es wird sicher nicht der letzte Teneriffa-Bericht im WebJournal werden.

Nachdem ich 1999 mit der Astronomie angefangen und schon einige gute, dunkle Nächte in Deutschland erlebt hatte, wuchs in mir der Wunsch, auch mit der Astrofotografie anzufangen. Verglichen mit einigen südlichen Zielen sind die Standortbedingungen (wenig Streulicht, gute Himmelstransparenz) in Deutschland selbst in dunklen Gegenden nur mäßig.

Abbildung 1: Das Zentrum der Milchstraße. Im Gewimmel der Sterne gehen die Nebel M6 und M7 unter.

Nach den Reiseberichten einiger Sternfreunde zu beurteilen, muß man daher von Zeit zu Zeit in dunkle, abgelegene, hochgelegene und am besten auch südlichere Regionen reisen, um auch vom südlichen Sternenhimmel einige Objekte besser beobachten und fotografieren zu können. Unter Amateurastronomen sehr populär sind vor allem die südspanische Sierra Nevada, die kanarischen Inseln Teneriffa und La Palma, und Namibia. Und so entschied ich mich Anfang des Jahres, im April eine Woche auf Teneriffa zu verbringen.

Abbildung 2: Der Pfeifen-Nebel im Ophiuchus. Man beachte die blasenartige Struktur der Dunkelwolken.

So wurde meine gesamte astronomische und fotografische Ausrüstung eingepackt, um auf Teneriffa, in 2300 m Höhe und unter dunkelstem Himmel, Astrofotos zu schießen. Mit dem Mietwagen ist man in etwa 80 Minuten am Beobachtungsplatz angekommen. Wenn man etwa bei Sonnenuntergang seine Ausrüstung aufbaut, muß man sich beeilen, da es auf Teneriffa schon merklich schneller dunkel wird als etwa bei uns. Wenn es dann aber dunkel geworden ist, verfliegen alle Reisestrapazen, und man wird mit einem atemberaubenden, brillianten Sternenhimmel belohnt.

Abbildung 3: Eine Strichspur-Aufnahme.

Was sofort auffällt, ist das wesentlich steilere Untergehen aller Sternbilder, z.B. vom Orion. Nun machte ich mich langsam ans Fotografieren. Wegen des fast immer vorhandenen frischen Windes und Temperaturen um den Gefrierpunkt muß man sehr warme Kleidung mitnehmen. In der Mitte meiner Reisewoche kam ein Tiefdruckgebiet westwärts auf die Insel zu und schneite die gesamten Hochgebirgsregionen bis zu einer Höhe von weit unter 2000 m ein, so daß zwei Tage lang die gesamten Hochgebirgsstraßen gesperrt waren. Als das Wetter sich besserte, hatte man einen atemberaubenden Anblick des vollkommen schneebedeckten Pico del Teide. So gab es dann noch eine Nacht mit hervorragender Transparenz und (nahezu) Windstille, in der noch einige gute Astrofotos entstanden.

Alles in allem war es ein sehr schöner Urlaub, auch wenn nur drei Nächte astronomisch nutzbar waren. Ich werde mit Sicherheit dorthin wiederkehren, dann aber zwei Wochen und im Sommer, da dann die Wetterbedingungen meist noch besser sind.


v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de