AVRS WebJournal Ausgabe 3/2004 Astronomischer Verein Remscheid e.V.

Kurznachrichten aus Astronomie und Raumfahrt

zusammengestellt von Jens Kauffmann

Auf dieser Seite sind Pressemeldungen aus dem vergangenen Quartal gesammelt und ansatzweise ausgewertet. Die Masse an Ereignissen und Ergebnissen in Astronomie und Raumfahrt verbietet es, selektiv einige wenige Meldungen herauszugreifen und ausführlich darzustellen. Statt dessen sind die Meldungen thematisch geordnet und meist mit Verweisen auf ausführlichere Artikel versehen.

Neues zu Vorgängen im AVRS finden Sie nicht in dieser Rubrik! Sehen Sie dazu in der Rubrik "Aus dem Verein" auf der Titelseite nach.

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Inhalt

Amateurastronomie

Teleskope & Observatorien

Raumfahrt

Erde & Sonnensystem

Exoplaneten

Sterne, Gasnebel & Galaxien

Kosmologie

Fundamentale Physik

Wesentliche Quellen:

Andere Nachrichtendienste:

Siehe zu diesem Thema auch die Sammlung von Online-Nachrichtendiensten.

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Amateurastronomie

Der Venustransit

Der Venus-Transit vom 8. Juni 2004 war natürlich für Millionen von Schaulustigen weltweit ein faszinierendes Spektakel. Doch auch semi-professionelle und professionelle Beobachter konnten interessante Ergebnisse erzielen. In einem von der ESO koordinierten Beobachtungsprogramm für Amateurastronomen konnte die Distanz Sonne-Erde bis auf 0.001% genau bestimmt werden, während die beim letzten Transit im Jahre 1882 Distanz um 0.1% vom korrekten Wert abwich. Die Venus-Atmosphäre konnte von manchem Amateur dadurch beobachtet werden, daß durch Lichtbeugung die sonnenabgewandte Seite der Venus aufgehellt wurde.

Auch die Fachastronomen hatten ihre Freude an dem Transit. Die Venus-Atmosphäre konnte nun spektroskopisch untersucht werden, wurde sie doch von der Sonne "durchleuchtet". Exoplaneten-Forscher konnten Methoden testem, mit denen vor Sternen vorbeiziehende Planeten durch die mit der Bedeckung des Sterns einhergehende schwache Verdunkelung des Sterns gefunden werden sollen. Beobachtungen mit dem Satelliten TRACE fanden erneut Indizien dafür, daß der "Tropfeneffekt" wie bereits seit längerem vermutet durch das begrenzte Auflösungsvermögen von Teleskopen hervorgerufen wird.

weitere Informationen: Telepolis-Weltraum, AstroNews, Cosmic Mirror 277

In Schlagzeilen
C/2004 F4 (Bradfield) am Morgenhimmel sichtbar: Cosmic Mirror 276

C/2001 Q4 (NEAT) und C/2002 T7 (LINEAR) gut sichtbar im Mai, erstmals seit 1911 zwei mit blossem Auge sichtbare Kometen am Himmel, NEAT von Europa aus nach Helligkeitsmaximum beobachtbar, LINEAR nur am Suedhimmel sichtbar: Cosmic Mirror 277

Amateurrakete erreicht 124km Höhe: Cosmic Mirror 277

Perseidensturm um den 11. August?: Cosmic Mirror 277

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Teleskope & Observatorien

VLT-Instrument AMBER in Betrieb

Am 23. März wurden erstmals Beobachtungen mit dem Astronomical Multi Beam Recombiner (AMBER) am VLI-Interferometer (VLTI) durchgeführt. Erfolgreich wurde das Licht von zwei Einzelteleskopen der vier Teleskopen des VLT zusammengeführt. Durch die Überlagerung des Lichtes von bis zu drei getrennten Teleskopen des VLT werden in Zukunft im Infraroten Beobachtungen mit einem bisher unerreichten Auflösungsvermögen möglich sein.

Das das Auflösungsvermögen durch die Zusammenschaltung weit von einander entfernten Teleskopen gesteigert werden kann nutzt die Radioastronomie bereits seit Jahrzehnten. Hierzu müssen die Strahlengänge der unterschiedlichen Teleskope bis auf einen Bruchteil der Wellenlänge genau phasengerecht auf einen Punkt fokussiert werden. In der Radioastronomie wird diese Fokussierung der zuvor digitalisierten Signale mathematisch in einem Computer realisiert. Aufgrund der heutigen Technik müssen bei Teleskopen im optischen und infraroten Bereich die Traflen aber mechanisch vereinigt werden. Da die Wellenlängen dabei im Mikrometerbereich liegen ist dies technisch erst in den letzten Jahren realisierbar geworden.

AMBER arbeitet im Bereich zwischen 0.6 und 2.5 Mikrometern und soll spektrale Auflösungen bis 10000 erreichen. Damit können z.B. Sternoberflächen und die Kerne aktiver Galaxien studiert werden, vielleicht sind einst gar Beobachtungen Extrasolarer Planeten möglich. Auch ein deutsches Institut ist an dem Projekt beteiligt: während die Federfühung bei Instituten in Nizza und Grenoble liegt, lieferte das Max-Planck-Institut für Radioastronomie die Kamera samt Datenerfassung.

weitere Informationen: AstroNews, Cosmic Mirror 276

In Schlagzeilen
Erster Spiegel am LBT, Firstlight später in diesem Jahr: Cosmic Mirror 276

Empfänger mit 7 Pixeln in Arecibo: Cosmic Mirror 276

Roboter-Wartung des HST?: AstroNews Mai, Cosmic Mirror 277

ESA stellt Instrument für HST-Nachfolger JWST: Cosmic Mirror 277

Britisches Interferometer bekommt Glasfaser Verbindungen: Cosmic Mirror 277

First-Light von VLT-Instrument VISIR für Fotografie und Spektroskopie bei 10 bis 20 μm: Cosmic Mirror 277

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Raumfahrt

SpaceShipOne erreicht das Weltall

Am 21. Juni erreichte das privat finanzierte SpaceShipOne das All. Damit ist der erste private Flug ins All Geschichte. Das mittlerweite FAA-zugelassene Raumschiff wurde in 15 km Höhe vom Trägerflugzeug WhiteKnight abgeworfen und erreichte eine Höhe von 100124 Metern. Damit wurde die per Definition in 100 km liegende Grenze zum Weltraum knapp überschritten.

Um den als Ansari X-Prize bekannten Preis für das erste für den regelmäßigen Raumflugverkehr geeignete Raumschiff zu gewinnen müssen allerdings zwei Flüge mit zwei Passagieren (oder entsprechendem Ballast) innerhalb von 14 Tagen durchgeführt werden. Das ist für den späten September geplant. Zuvor müssen allerdings wesentliche Mängel am Schiff beseitigt werden. Dramatische Steuerprobleme hatten während des ersten Fluges fast zum Flugabbruch geführt, der geplante Kurs wurde um 20 km verfehlt.

weitere Informationen: Telepolis-Weltraum, AstroNews, Cosmic Mirror 276, Cosmic Mirror 277, Cosmic Mirror 278

Die ISS verkommt

Es lärmt auf der ISS wie auf einer Hauptstraße, die Raumanzüge sind undicht, manchmal geht ein unheimliches Knacken durch den Rumpf und wann die reguläre Versorgung der Raumstation wieder aufgenommen wird ist unklar. Was als ambitioniertes Projekt zur Sicherung des Fortschritts der Menschheit begann droht nun als orbitaler Schrotthaufen zu enden. Die ISS steckt in einer tiefen Kriese.

Ende Juni sollte bei einem Raumspatziergang die Stromversorung eines Lagekreisels der ISS repariert werden. Die sorgen für die Ausrichtung der Raumstation im All. Ohne die Lagekreisel - zwei von vieren waren defekt - gerät die ISS ins Taumeln. Aufgrund von Mängeln an den amerikanischen Raumanzügen sollten für den Ausstieg russische Modelle genutzt werden. Das erforderte allerdings aufgrund von Bedienungsproblemen der Schleuse auch die Verwendung einer russischen Luftschleuse und somit einen Umweg auf der Strecke vom Ausstieg zur Reparaturstelle. Letztendlich wurden die Anzüge offenbar sogar noch ein wenig zurechtgebastelt und Kommunikation über Handzeichen wurde erforderlich. Soweit sollte es aber garnicht erst kommen: Der Spatziergang wurde nach 14 Minuten wegen eines Lecks in einem Anzug abgebrochen!

In einem zweiten Versuch gelang ein paar Tage später die Reparatur dann schließlich. Dennoch illustriert die Geschichte die dramatischen Umstände an Bord der ISS. Vor allem der Mangel an Nachschub durch die weiterhin ausgesetzten Shuttleflüge macht der Raumstation zu schaffen. Aber gemäß Bushs "Weltraum-Visiönchen" (siehe WebJournal 2/04) ist auch nicht auf Besserung zu hoffen. Die USA haben nun den Erdfernen Raum als Ziel für die bemannte Raumfahrt gewählt. Da dies aber realitätsfern erscheint bedeutet die "Vision" de facto den Ausstieg der USA aus der bemannten Raumfahrt. Gäbe es keine internationalen Verpflichtungen, so würde die US-Beteiligung an der ISS sofort eingestellt.

So müssen wohl Europa und Russland zusammen ihre ISS-Investitionen retten. Jüngst wurde ein potentieller Nachfolger der russischen Sojus-Kapseln vorgestellt. Die USA erscheinen gegenwärtig nicht als denkbarer Partner.

weitere Informationen: SPIEGEL Online I, SPIEGEL Online II, SPIEGEL Online III, SPIEGEL Online IV, Telepolis-Weltraum

Testshuttle Phoenix landet vollautomatisch

Am 8. Mai erfolgte der erste Testflug des Testträgers Phoenix, mit dem Technologien für das europäiasche Shuttle Hopper getestet werden. Nach dem Abwurf durch einen Hubschrauber in 2400 Metern höhe kehrte das Vehikel in einem knapp zweiminütigen Gleitflug vollautomatisch zu einer Landebahn zurück. Der Endhaltepunkt lag nur 10 cm neben der Bahnmitte. Bei den im nordschwedischen Kiruna durchgeführten Tests wurden so die enormen Fähigkeiten der auf (Differential-)GPS basierenden autonomen Steueranlage unter Beweis gestellt.

Hopper soll einst auf einem Raketenschlitten starten und so als voll wiederverwendbares Raumfahrzeug Startkosten senken. Mit dem Betrieb des Gleiters ist aber nicht vor 2015 zu rechnen. Das Projekt wird gegenwärtig nur von Deutschland finanziert. Das DLR ist an dem Projekt maßgeblich beteiligt, während der Gleiter selbst von EADS gebaut wurde.

weitere Informationen: Telepolis-Weltraum, AstroNews, Cosmic Mirror 277

Raumfahrttechnik rettet 6000 Rehkitze

Bisher geraten häufig Rehe und andere Tiere in Mähmaschienen. Ein auf Erfahrungen mit Fernerkundungssensoren besierendes Wild-Warngerät, welches im hohen Gras verborgene Tiere findet, kann dies verhindern. Seit 1999 befindet sich der "Wildretter" im Praxistest. Bisherige Ergebnisse des zunächst privat von einem DLR-Mitarbeiter lancierten Projektes sind vielversprechend (AstroNews).

Mit Hilfe eines Infrarot-Sensors kann die Körperwärme der Tiere erfaßt werden. Dieser Sensor kann allerdings durch Sonneneinstrahlung verwirrt werden. In der kommenden Generation soll deshalb eine Kombination von IR- und Mikrowellensensoren die Zuverlässigkeit des Systems erhöhen.

Galileo-SatNav: Kooperation mit GPS, US-Einfluß unklar

Bereits seit Jahren liegt die EU wegen dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo mit den USA im Clinch. Nun scheint es eine Einigung gegeben zu haben (Telepolis-Weltraum). Galileo und das US-System GPS sollen sich gegenseitig ergänzen, Empfänger sollen beide Signale verarbeiten können. Im Prinzip soll dadurch vor allem die absolute Verläßlichkeit der Satellitennavigation gegeben sein. Im Gegensatz zu Galileo ist GPS ein im wesentlichen militärisches System, dessen zivil nutzbares Signal die US-Streitkräfte auch schon einmal abschalten um den Einsatz feindlicher Kräfte zu stören. Das ist so bei Galileo nicht vorgesehen. Es ist aber fraglich, ob den US-Streitkräften nicht nun doch in Geheimabkommen Sonderrechte eingerämt wurden. Ist dies der Fall, dann ist ein wesentlicher Vorteil von Galileo - eben die Zuverlässigkeit - verloren, das System im Vergleich zu GPS überflüssig.

In Schlagzeilen
Sojuz TMA-4 besucht die ISS: AstroNews April, Cosmic Mirror 276

ESA sucht "Kosmische Vision 2015-25, reorganisiert Struktur: Cosmic Mirror 276

Ionentriebwerk von SMART-1 absolviert 2000 Arbeitsstunden: Cosmic Mirror 276

China startet 2 Kleinsatelliten: Cosmic Mirror 276

X43-A Scramjet arbeitete wirklich: Cosmic Mirror 276

"Staubteufel" auf Mars Gefahr für Astronauten?: AstroNews April

14 Jahre Hubble Space Telescope - Ein Geburtstagsgeschenk: AstroNews April

Sexualität - Ein Problem bei Raummissionen: Telepolis-Weltraum

USA starten Killer-Satelliten: SPIEGEL Online

Auf der Atombombe ins All - Ein US-Projekt der 1960er: SPIEGEL Online

Mexikanische Luftwaffe zeigt UFO-Video, Ölfackeln wahrscheinlichste Erklärung: SPIEGEL Online I, SPIEGEL Online II, SPIEGEL Online III

ESA veröffentlicht falsches Foto der Chinesichen Mauer: AstroNews Mai

Luftschiffe als Satelliten-Ersatz: Telepolis-Weltraum

China - Raumstation statt Mondlandung: SPIEGEL Online

Amateurrakete erreicht 124km Höhe: Cosmic Mirror 277

RapidEye - Jeden Tag ein Bild von jedem Punkt der Erde: AstroNews Juni

Bessere Kontrolle von Weltraumschrott: AstroNews Juni

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Erde & Sonnensystem

Asteroid Sedna hat keinen Mond

Wie in der letzten Ausgabe berichtet wurde kürzlich ein weit hinter der Plutobahn gelegener Asteroid mit einem Durchmesser zwischen 1300 km und 1700 km entdeckt, der aufgrund seiner minimalen Sonnenentfernung von gigantischen 76 AE der Oortschen Wolke zugeschrieben wird. Die Lichtkurve des Asteroiden hat eine Periode von 40 Tagen, woraus eine Rotationsdauer von gleicher Dauer abgeleitet wird. Derartig geringe Rotationsperioden lassen sich nur schwer erklären, wenn man keine Wechselwirkung mit anderen Himmelskörpern annimmt.

Neue Beobachtungen mit dem Hubble Space Telescope zeigen keinen Mond um Sedna, der als Wechselwirkungspartner vermutet wurde. Damit lassen sich Modelle der Entstehung von Sedna einschränken, da diese nun erklären müssen wie Sedna bereits mit einer geringen Rotationsgeschwindigkeit versehen geboren wurde. Die HST-Beobachtungen lösen weiterhin Sedna nicht als Scheibe auf. Somit muß der Durdchmesser Sednas weniger als 1600 km betragen.

weitere Informationen: AstroNews, Cosmic Mirror 276

Neues vom Mars

Die Mars Exploration Rovers haben ihre geplante Lebensdauer bereits überschritten und die Hauptmission vollbracht - und sind weiterhin im Dienst. Spirit hat mittlerweile die Columbia Berge erreicht, während Opportunity nach längerer Erkundung des Randes des Kraters Endurance in sein Inneres hinabfährt. Die Altersprobleme beginnen langsam bei den Rovern: ein Rad von Spirit klemmt, behindert aber (noch nicht) die Fortbewegung ( AstroNews, Cosmic Mirror 276, Cosmic Mirror 277).

Für einigen Wirbel sorgte die mögliche Sichtung eines Flugobjektes durch Spirit ( Telepolis-Weltraum). Auf einem Bild ist ein bewegtes Objekt am Himmel als Strichspur zu sehen. Worum es sich hierbei handelt ist weiterhin unklar. Eine mögliche, wenn auch wenig wahrscheinliche Erklärung, ist das hier die alte Viking 2 gesehen wurde.

Bei MarsExpress sind fast alle Checks zufriedenstellend abgeschlosen. Allerdings machen die Antennen des MARSIS Bodenradars Probleme. Die noch zusammengefalteten Antennen könnten beim Entfalten wild um sich schlagen und die Sone beschädigen, wie sich nun zeigte. Man zögert deshalb das Instrument in Betrieb zu nehmen. Sollte das Bodenradar, welches Wasservorkommen bis in mehrere Kilometer Tiefe kartieren sollte, nicht zum Einsatz kommen käre dies ein Tiefschlag. Unterdessen wurden weitere Mittel für die deutschen Bildauswerten genehmigt ( Cosmic Mirror 276, AstroNews Juni).

Massensterben auf der Erde

Der Krater des Asteroideneinschlags von vor 250 Millionen Jahren ist entdeckt worden vor der Küste Australiens. Bei diesem Einschlag starb der Großteil aller damals existierenden Arten (80% an Land, 90% im Meer) offenbar über einem kurzen Zeitraum hinweg aus. Bruchstücke des Asteroiden wurden bereits zuvor in antarktischen Sedimenten entdeckt. Falls Einschläge wirklich mit Artensterben einhergehen, so ist der bereits bekannte Einschlag von vor 65 Millionen Jahren, zu dem zeitgleich die Dinosaurier ausstarben, somit kein einzelnes Ereignis mehr (AstroNews, Cosmic Mirror 277).

Der Zusammenbruch des Erdmagnetfeldes hingegen, der sich alle paar hunderttausend Jahre während der Umkehr der Pole des Erdmagnetfeldes ereignet, scheint zu keiner das Artensterben erhöhenden Strahlenbelastung zu führen. Bisher nahm man an, daß die hochenergetischen Teilchen des Sonnenwindes bei fehlendem Erdmagnetfeld die Erdoberfläche ungehindert erreichen. In Computersimulationen deutscher Forscher zeigte sich nun jedoch, daß die Wechselwirkung des Sonnenwindes mit der Erdatmosphäre starkes Ersatz-Magnetfeld erzeigen kann. Somit sollte das Zusammenbrechen des Erdmagnetfeldes kein Massensterben bedingen (Telepolis-Weltraum).

Cassini-Huygens: Saturnerkundung beginnt!

Am 1. Juli schwenkte die NASA-Sonde Cassini in eine Umlaufbahn um den Saturn ein (Telepolis-Weltraum). Diese Sonde soll - ähnlich dem Jupiter-Raumschiff Galileo - einen der beiden großen Gasplaneten unseres Sonnensystems samt Monden untersuchen (AstroNews I, AstroNews II). So sind dutzende von nahen Überflüge bei mehreren Saturnmonden geplant. Im Januar soll die von Cassini mitgeführte ESA-Sonde Huygens auf dem Mond Titan landen.

Bereits am 11. Juni passierte Cassini den äußeren Saturnmond Phoebe und funkte die ersten Detail-Aufnahmen des Mondes überhaup zur Erde. Insgesammt erhofft man sich Aufschluß über die Entstehungsgeschichte des Mondes zu erhalten: Handelt es sich um einen eingefangenen Asteroiden oder einen im Saturnorbit entstandenen Mond? Die Bilder mit einer Auflösung von bis zu 13 Metern pro Pixel zeigen helle Strukturen an den Rändern vieler Krater. Entsprechend könnte Phoebe im inneren aus Eis bestehen, welches nur von einer dunklen Schicht an der Oberfläche überlagert wird. Dies wüde Phoebe eher in die Nähe von eingefangenen Kometen und Kuipergürtel-Objekten als in die von Asteroiden und normalen Monden rücken. (Telepolis-Weltraum II, AstroNews III, AstroNews IV, Cosmic Mirror 277).

Am 25. Dezember wird dann die Sonde Huygens abgesprengt, die am 14. Januar 2005 auf dem Saturn-Mond Titan - dem einzigen Mond im Sonnensystem mit einer dichten Atmosphäre - niedergehen. Was den Lander bei seinem mehrstündigen Abstieg und vor allem der Landung erwartet ist unklar. Radarbeobachtungen legten kürzlich Seen, wenn nicht gar Ozeane, auf der Mondoberfläche nahe.

Homepages der Missionen: Cassini, Huygens

Die irdische Klimageschichte der vergangenen 740000 Jahre

Eine am Dome C in der Antarktis auf 3000m hinabgetriebene Eisbohrung enthällt Schneefälle aus mindestens 740000 Jahren. (AstroNews In dieser Periode ereigneten sich 8 Eiszeiten. Aus der Untersuchung der Warmperioden zwischen den Eiszeiten ist zu schließen, daß - auch ohne menschliche Einwirkung auf das Klima - die nächste Eiszeit erst in 15000 Jahren ansteht. Doch die Eiskerne enthalten auch eine Warnung: die gegenwärtige CO2-Konzentration ist die höchste seit 500000 Jahren.

In Schlagzeilen

Sonne

Genesis Sonnenwind-Mission fast beendet, Rückkehr am 8. September: Cosmic Mirror 276

Missionen

Start der japanischen Mond-Sonde Lunar-A wegen Rückrufaktion verzögert: Cosmic Mirror 276

Rosetta getestet, C/2002 T7 (LINEAR) beobachtet: AstroNews Mai, AstroNews Juni

ESA-Mission Swarm soll Erd-Magnetfeld ab 2009 untersuchen: Telepolis-Weltraum, AstroNews Juni, Cosmic Mirror 277

Pluto-Sonden Nachfolger Horizons II für den Flug in den Kuiper-Gürtel?: Cosmic Mirror 277

Kleinkörper

Zielasteroid von Hayabusa (Ankunft Sommer 2005) im Zisier des Arecibo-Radars: Cosmic Mirror 276

Erste Auswertung des Kometenrendevouz von Stardust: AstroNews April, Cosmic Mirror 277

Neuer Asteroid mit kleinsten bekannten Orbit: Cosmic Mirror 277

Farbe von Asteroiden ändert sich mit deren Alter: Cosmic Mirror 277

Kamen DNA-Vorläufer aud dem All?: AstroNews Juni

Planeten

Beagle 2 Verlust - Interview mit dem Vater der Sonde: SPIEGEL Online

Mars-"Gullies" doch durch Staub statt Wasser?: AstroNews Mai

Zweifel an Mikroben in Mars-Meteorit ALH84001: AstroNews Mai

MarsExpress - Valles Marineris in 3D: AstroNews Juni

Ein "Fluß" unter der Lupe: AstroNews Juni

Titan-Oberfläche im Visier des VLT: Telepolis-Weltraum, AstroNews April, Cosmic Mirror 276

Titanatmosphäre bei Transit vor dem Krebsnebel im Röntegenbereich studiert: Cosmic Mirror 276

Titanmeere hätten hohe Wellen: AstroNews April

Jupiter - Modell sagt Temperatursturz und Verschwinden von Stürmen voraus: Cosmic Mirror 276

Verena-Venusbilder reprozessiert: Cosmic Mirror 276

Erde und Mond

Erdrotation - Astronomie für den Alltag: AstroNews Mai

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Exoplaneten

Wird ESA-Planetensucher Eddington doch gebaut?

Wie in der Ausgabe 1/04 berichtet wurde das für die Exoplanetensuche geplante Raumteleskop Eddington im November 2003 gestrichen. Nun aber steht es an erster Stelle unter den Projekten auf der Warteliste (Telepolis-Weltraum). Die Finanzierung des Observatoriums erscheint auch wieder machbar.

In Schlagzeilen
Exoplanet durch Mikrolensing entdeckt?: Cosmic Mirror 276

Zwei neue Transit Planeten, sehr nahe am Mutterstern: AstroNews Mai, Cosmic Mirror 276

Bahnen in der Habitablen Zone zu 2/3 stabil?: AstroNews April. Ähnliche Studie auch für Systeme mit bekannten Planeten durchgeführt: Telepolis-Weltraum

Extrasolarer Komet in Spektrum entdeckt: AstroNews April

Exoplanet von HST fotografiert: Cosmic Mirror 277

"Terrestrial Planet Finder" soll aus zwei gänzlich getrennten Missionen bestehen (Koronograph und Interferometer): Cosmic Mirror 277

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Sterne, Gasnebel & Galaxien

Entstand die Sonne in turbulenter Umbegung?

Die in Meteoriten gefundenen Isotope legen nahe, daß es im jungen Sonnensystem das Isotop Eisen-60 gab. Dieses Isotop wiederum kann nur im Inneren von massereichen Sternen erbrütet werden und wird bei Supernovae - also bei Explosionen massereicher Sterne - freigesetzt. Solche Sterne explodieren aufgrund der enorm kurzen Lebenszeit dieser Sterne (einige Millionen Jahre) in der Nähe ihres Entstehungsortes, in dessen Umgebung sich typischerweise weitere Sterne bilden. Diese Analyse legt nun nahe, das die Sonne selbst in der Umgebung eines massereichen Sternes entstanden ist und der solare Urnebel durch den Wind einer Supernova mit Eisen-60 angereichert wurde.

weitere Informationen: AstroNews

Neuer Spiralarm der Milchstrasse entdeckt

Die Durchmusterung der Milchstraße in der 21-cm-Linie des atomaren Wasserstoffs offenbarte nun einen bisher übersehenen Arm des Milchstraßensystems. Der etwa 65000 Lichtjahre (20 kpc) vom Galaktischen Zentrum Entfernte Arm paßt in das Bild der bereits bekannten Arme und kann auch die Fortsetzung eines der bereits bekannten Arme sein.

weitere Informationen: Telepolis-Weltraum

Größe von Sgr A* gemessen

Mit dem VLBA konnte bei Wellenlängen zwischen 1.3 cm und 7 mm erstmals eine nicht punktförmige Quelle am Ort des Galaktischen Zentrums beobachtet werden. Es handelt sich dabei nicht um das schwarze Loch selbst, sondern um die das Objekt umgebenden hell leuchtenden Gasmassen. Die beobachtete Struktur hat eine Größe von 24 Schwarzschildradien und würde damit knapp in die Erdbahn passen. Neben den Beobachtungen selbst, die technisch an den Grenzen des möglichen liegen, muß die Datenanalyse mit äußerster Vorsicht vorgenommen werden, da die Streuung der Strahlung an Gas zwischen der dem Schwarzen Loch und der Erde die Quelle künstlich vergrößert.

Diese Beobachtungen sind ein wesentlicher Schritt hin zu der Beobachtung des "relativistischen Schattens" um das Schwarze Loch herum, welcher endgültig einen Schluß auf die Natur des zentralen Objektes unserer Galaxie ermöglichen wird. Denn ein endgültiger Beweiß für die Existenz Schwarzer Löcher steht noch aus.

weitere Informationen: AstroNews, Cosmic Mirror 276

In Schlagzeilen

Sternentstehung

Riesenstern mit Akkretionsscheibe beobachtet?: AstroNews Mai

Sterne

Dreidimensionale Bewegungsinformation für 14000 Sterne: Cosmic Mirror 276

Ein Planetarischer Nebel in Detail: AstroNews Mai

Das "Rote Rechteck" im Visier des HST: AstroNews Mai

Röntgen-Aktivitätszyklen von Sternen: AstroNews Mai

Kohlenstoff-Zyklus in Sternen langsamer als bisher geschätzt: SPIEGEL Online

Die Massen der ersten Sterne: AstroNews Juni

HST untermauert Problem mit Hipparcos Paralaxen: Cosmic Mirror 277

Doppelstern mit jeweils 80 Sonnenmassen in beiden Komponenten: Cosmic Mirror 277

Sonnenähnliche Aktivitätszyklen auch bei anderen Sternen, Maunder-Minima unüblich: Cosmic Mirror 277

Ultrajunger Zeißer Zwerg ist "nackter" Sternenkern: AstroNews Juni

Masse von Braunem Zwerg über Doppelsternbewegung gemessen: Telepolis-Weltraum AstroNews Juni

Neutronenstern oder Schwarzes Loch in Überrest von SN 1986J entdeckt?: Telepolis-Weltraum

Interstellare Materie

Galaxien

Der Kanibalismus des Andromeda Nebels: Cosmic Mirror 276

Mini-Galaxien im Fornax Haufen: AstroNews April

Staubtorus in aktiver Galaxie nachgewiesen: Telepolis-Weltraum

Andromeda IX - Eine übersehene Zwerggalaxie: AstroNews Juni, Cosmic Mirror 277

Quasare sitzen in ansonsten unauffälligen Galaxien: Cosmic Mirror 277

Diffuses heißes Gas im Galaktischen Zentrum unverstanden: AstroNews Juni

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Kosmologie

Maximum der Sternentstehungsrate erst vor 5 Milliarden Jahren

Die Analyse uns eher nahestehender Galaxien erbrachte jüngst ein eher unerwartetes Resultat: Offenbar liegt das Maximum der Sternentstehungsrate im Universum erst 5 Milliarden Jahre zurück (also etwa bei z = 0.5).. Bisherige Studien, die aus Beobachtungen von entstehenden, weit von uns entfernten Galaxien im jungen Universum die Sternentstehungsrate gemessen hatten, legten ein Maximum der Sternentstehungsrate vor 8 Milliarden Jahren nahe, also jenseits z = 1 ( Telepolis-Weltraum, Cosmic Mirror 276).

Die neue Studie Verwandte Daten aus dem Sloan Digital Sky Survey. Die Sternentstehungsgeschichte der Galaxien wurde aus deren Farbe abgelesen. Man variiert Modelle der Sternentstehungsrate bis man junge und alte Sterne in einer Mixtur erhält welche genau zu den in einer Galaxie beobachteten Farben paßt.

In Schlagzeilen
Das Universum als Trichter: Telepolis-Weltraum

Rotverschobene Wasserstoffabsorbtion im Meterwellenbereich als mögliche Sonde für das junge Universum: AstroNews Mai

Ein vollständiger Galaxienhaufen-Katalog für kosmologische Zwecke: AstroNews Mai, Cosmic Mirror 277

Röntgen-Studie von Galaxienhaufen untermauert existenz Dunkler Energie: AstroNews Mai, Cosmic Mirror 277

Kohlenstoff-Zyklus in Sternen langsamer als bisher geschätzt, Sterne in Kugelhaufen somit um 14 Milliarden Jahre alt: SPIEGEL Online

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Fundamentale Physik

Gravitation auf dem Prüfstand

Am 20. April startete die seit Jahrzehnten geplante Sonde Gravity Probe B ins All. An Bord befinden sich vier ultrapräzise Kreisel. eine der Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie ist, daß die Drehachsen der Kreisel durch die Präsenz der Erde in einer voraussagbaren Weise beeinflußt werden sollen. Gravity Probe B hat das ambitionierte Ziel der präziseste Test von Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie zu sein ( AstroNews April, Cosmic Mirror 276, Cosmic Mirror 277).

Auch die Monddistanzmessung mit Millimeter-Genauigkeit testet Gravitationstheorien ( AstroNews Mai). . Hierzu werden bei den Mondflügen zurückgelassene Reflektoren angepeilt und die Distanz über die Lichtlaufzeit gemessen.

In Schlagzeilen
Die Feinstrukturkonstante ist konstant: Cosmic Mirror 276

Der Urknall aus Sicht der Schleifen-Quantengravitation: Telepolis-Weltraum


v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de