AVRS WebJournal
Ausgabe 3/2003
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Astronomischer Verein Remscheid e.V. |
Also - der Mai 2003 war nun wirklich astronomisch gesehen ein echter Brummer. Zuerst lief beim Merkurtransit am 7. alles wie am Schnürchen und wir konnten - unter reger Beteiligung interessierter Passanten - diese Minisonnenfinsternis genießen.
Dann verdunkelte sich der Mond am 16. planmäßig, wenn auch in Dämmerung und Horizontdunst ertrinkend - und bescherte uns eben solchen optischen Genuss.
Und nun noch die partielle Sonnenfinsternis am Monatsletzten! Wer hätte das gedacht? Der Freitag brachte schönes und heißes Wetter - und damit das, was nun mal oft darauf folgt, nämlich eine kräftige Gewitterfront. Abends zogen die Gewitterwolken schnell auf und dann blitzte und krachte es über mehrere Stunden. Ich hatte mein astronomisches bzw. fotografisches Equipment vorbereitet, damit am nächsten Morgen im Fall der Fälle alles schnell parat liegen würde. Doch noch gegen 2 Uhr nachts gab es vereinzelte Gewitter und es sah wahrhaftig nicht danach aus, als könnten wir die Sofi live erleben.
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Abbildung 1:
Kurz vor Sonnenaufgang - nur wenige, niedrige Wolken (Foto: Medion Digitalcamera
MD6000) © P. Kalbitz |
Nach der wieder mal zu kurzen Nacht gebot der Wecker um 4 Uhr barsch "Aufstehen!". Meine erste Handlung war natürlich der Blick aus dem Fenster. Ehrlich gesagt hatte ich keine große Erwartung und der Blick durchs Fensterglas verhieß zunächst nichts wirklich Positives. Dennoch war es schon merkwürdig dämmrig. Nachdem ich mich angezogen hatte, ging ich vor die Tür und - "Überraschung!!!" - es zeigten sich Sterne auf einem nur leicht diesigen bzw. angenebelten Himmel. Das Verstauen von Fernrohr und Fotoausrüstung war dann ein Klacks und für meine Begriffe überpünktlich startete ich Richtung Sternwarte im Bismarckturm. Ich hatte gute Laune, denn ganz gegen meine Gewohnheit würde ich wirklich mal rechtzeitig an der Sternwarte aufkreuzen. Einige hundert Meter vor meinem Ziel erhielt meine Euphorie aber dann einen Dämpfer - an alles Mögliche hatte ich gedacht: Filme, mehrere Fotokameras, Digitalkamera, Camcorder, Fernrohr samt Montierung, Stativ ..., doch eines schlummerte bei mir zu Hause - und ohne das konnte ich nun mal nicht in die Sternwarte - der Schlüssel.
Ich war um 4:40 Uhr tatsächlich der erste Remscheider am Bismarckturm, lediglich zwei Solinger Sternfreunde waren mir zuvor gekommen. Da meine beiden Remscheider Astro-Kollegen Otto Welke und Carsten Drawe keinen Schlüssel zur Sternwarte haben, musste ich wohl oder übel zurück nach Lennep, den Schlüssel einkassieren und wieder zur Sternwarte zurück sprinten. 20 Minuten später, nämlich um 5 Uhr, bog ich dann in die Zielkurve zur Sternwarte ein und sah zu meiner Überraschung nicht nur das angekündigte Filmteam des WDR, sondern auch noch rund 10 weitere Sofifreaks. Während die WDR-Leute einige Einstellungen abdrehten, schleppte ich mit freundlicher Unterstützung meiner Kollegen das ganze Astrogeräppel die 113 Stufen zur Kuppel hoch. Nur meine ganze Planung wegen Aufbau von Fernrohr und Videokamera sowie Installation der Spiegelreflexkameras war natürlich durch die Verzögerung über den Haufen geworfen - und der Sonnenaufgang dräute schon um 5:23 Uhr!
Während die Dämmerung immer heller wurde und sich bereits Rötungen an den wenigen Wolken oberhalb des Aufgangspunktes der Sonne zeigten, öffneten wir die Sternwartenkuppel und bereiteten den großen Reinfelder&Hertel-Refraktor sowie seinen kleineren Bruder, den Merz-Refraktor, zur Sonnenbeobachtung im roten H-Alpha-Licht und im Weißlicht vor. Auf dem schmalen Kuppelumgang herrschte bereits reger Andrang, der WDR-Kameramann baute sein Kamerastativ auf, während ich mein Celestron 8 und das Stativ für die Videokamera einrichtete.
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Abbildung 2:
Besucher drängeln sich auf dem Kuppelumgang (Foto: Medion
Digitalcamera MD6000) © P. Kalbitz |
Öffentlichkeitsarbeit ist - wenigstens für mich - eine schöne Sache, die ich schon sehr lange betreibe; aber manchmal hat sie auch ihre Nachteile. Denn sie verpflichtet mich, auf neugierige Fragen zu antworten. Und wenn das Fernsehen mit von der Partie ist, so muss sich einer opfern und Interviews geben. Was half's - während die Sonne dem Horizont unaufhaltsam entgegen kroch, harrte mein im Schweiße hoch geschlepptes Equipment der Vollendung seines Aufbaus. Dicht an dicht starrten die mittlerweile fast 20 Besucher in Richtung Nordosten, jemand fragte, wo die Sonne denn nun genau aufgehen würde. Um 5:23 Uhr ging die Sonne dann auf - verbarg ihr Antlitz jedoch noch im Horizontdunst, der einige Grad über dem Erdboden waberte. So konnte ich den Besuchern den Punkt, an dem die Sonne zu erwarten war, näher beschreiben. Das WDR-Team fing die Stimmung dieser Erwartung ein, da der Filmbeitrag nicht einfach nur ein Naturphänomen wiedergeben, sondern den Bezug zu den erwartungsvollen Beobachtern und ihren Regungen herstellen sollte.
Und dann, es war fast 5:30 Uhr und damit Höhepunkt der Verfinsterung, also maximale Bedeckung der Sonne durch den Mond (rund 82% in Remscheid), tauchten die beiden "Hörnerspitzen" der Sonne aus dem Nebel auf: glutorange und einfach wunderschön. Ich habe ja schon viele Sonnenauf- und untergänge erlebt, aber das war der bisher Schönste! Langsam schob sich die Sonnensichel weiter hoch, teils dramatisch von einigen dünnen Wolken durchbrochen. Mit bloßem Auge ließ sich das Schauspiel zu diesem Zeitpunkt noch ohne Filter bzw. Finsternisbrille betrachten, da der Nebel die Sonnenstrahlen noch ausreichend dämpfte. Die Fernrohre hatten wir natürlich mit Spezialfiltern bestückt, so dass ihre bündelnde und verstärkende Wirkung das Beobachterauge nicht schädigen konnte.
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Abbildung 3:
Der Mond verdeckt die Sonne (Foto: SLR-Kamera fokal an C8 auf Kodak Elite 100 Diafilm - leider schwach belichtet) © P. Kalbitz |
Im Fernrohre zeichnete sich der (Neu)Mond als schwarze kreisförmige Silhouette vor der Sonne ab, so dass nur eine helle Sichel von ihr übrig blieb. Gleichzeitig konnten Beobachter in Grönland, Island und Schottland den Mond als kompletten schwarzen Kreis in der Mitte der Sonnenscheibe sehen. Hier erschien die Finsternis wegen des "zentraleren" Blickwinkels ringförmig. Rund um den dunklen Mond blieb also noch ein schmaler Ring der Sonne stehen. Auch zwei Remscheider Amateurastronomen - Dr. Norbert Tellmann und Dr. Frank Zobel - waren dort mit von der Partie und hatten wenigstens für einige Minuten das Glück, diesen Anblick zu erhaschen.
Tja, von all dem habe ich - der medialen Aufarbeitung des Ereignisses wegen - nicht alles so mitbekommen, wie ich es mir ausgedacht hatte. Wenigstens habe ich den Anblick der aufgehenden Sonnensichel genossen, aber Fotos bzw. Videofilm habe ich erst etwa eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang machen können - da zog sich der Mond schon allmählich von der Sonne zurück. Aber immerhin einige Eindrücke konnte ich auf Film bannen.
Na ja - beim nächsten Mal wird alles anders! Da werde ich alles ein Bisschen großzügiger planen - zumindest, was den Zeitplan anbelangt.
Neben dem schönen visuellen Eindruck hat mich auch etwas anderes begeistert - nämlich dass trotz der unchristlich frühen Zeit so viele Interessierte den Weg zur Dr.-Hans-Schäfer-Sternwarte im Bismarckturm gefunden und dass über das WDR-Lokalfernsehen Bergisches Land noch viel mehr Menschen einen lebendigen Eindruck von einem überwältigenden Ereignis gewonnen haben!
Übrigens ist die Dr.-Hans-Schäfer-Sternwarte im Bismarckturm nicht nur wegen der Fernrohre ein erstklassiger Standpunkt, sondern auch wegen seiner exponierten Lage, von der aus wir nahezu ungestört von Bäumen und Gebäuden beobachten können. Dies bewährte sich auch am Sonnenfinsternistag, denn an tiefer gelegenen Orten herrschte dicker Nebel, der - von uns aus prima anzusehen - wie Watte in den Tälern lag. Vorstandskollege Harald Bohnenkamp legte sich zu Hause jedenfalls wieder aufs Ohr, denn an seinem tiefer gelegenen Standort herrschte eben diese dicke Nebelsuppe!
v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de