AVRS WebJournal
Ausgabe 2/2004
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Astronomischer Verein Remscheid e.V. |
Am Vormittag des 8. Juni 2004 wir sich ein Himmelsschauspiel wiederholen welches noch kein lebender Mensch miterleben durfte: die Venus wird erstmals seit 1882 vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen und dabei als dunkler Punkt vor dem Hintergrund der Sonne sichtbar sein. Das Ereignis kann mit einfachen Mitteln beobachtet werden, es sind jedoch jene Sicherheitsmaßnahmen notwendig die von Sonnenfinsternissen bekannt sind um die Augen nicht durch das grelle Sonnenlicht zu schädigen.
Bei einem Transit schiebt sich ein Himmelsobjekt vor ein anderes. Im Falle des diesjährigen Venustransits ist es der Planet Venus, welcher sich vor die Sonne schiebt. Es gibt auch Merkurtransits - zuletzt am 7. Mai 2003 -, wobei nun eben Merkur die Sonne bedeckt. Von den Planeten können nur Merkur und Venus von der Erde aus gesehen vor der Sonne vorüberziehen, da ihre Umlaufbahn zwischen Erde und Sonne liegt.
Venustransits sind extrem selten. Ein voller Transit-Zyklus dauert etwa 243. Er beginnt mit zwei um 8 Jahre auseinander liegenden Transits im Juni. So folgt auf den Transit vom 8. Juni 2004 ein Transit am 5. Juni 2012. Dann dauert es 105.5 Jahre, bis zwei um 8 Jahre auseinander liegenden Transits im Dezember erfolgen. Deren erster ist im Beispiel-Zyklus der Transit am 11. Dezember 2117. Dann vergehen weitere 121.5 Jahre, bis ein neuer Zyklus mit zwei Juni-Transits beginnt.
Die obige Zyklus-Regel gilt allerdings nicht streng. So zieht die Venus manchmal knapp an der Sonne vorbei, ohne sie zu bedecken. Zudem ist nicht jeder Transit von jedem Punkt der Erde aus zu beobachten. Vom Transit am 5. Juni 2012 ist in Deutschland beispielsweise nur gerade eben so das Ende zu beobachten.
| Tabelle 1.: Zusammenfassung des Venustransits an Dienstag, dem 8. Juni 2004. | ||||||||||||
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| Der Durchgang erfolgt im Süden der Sonnenscheibe. Der Durchmesser der Venus beträgt 58 Bogensekunden. |
Dienstag, den 8. Juni 2004, wird sich erstmals seit 122 Jahren um 07:20 MESZ die Venus vor die Sonnenscheibe schieben. In der Astronomie bezeichnet man eine solche Berührung des Randes zweier Himmelskörper als Kontakt. Der erste Kontakt findet im Südosten der Sonnenscheibe - also "links unten" - statt. Erst um 07:40 MESZ ist die gesammte Venusscheibe vor der Sonne sichtbar. Gegen 10:22 MESZ ist die Mitte des Transits erreicht. Nach 13:04 MESZ verläßt die Venus die Sonnenscheibe, um 13:23 MESZ ist der Transit beendet. Der letzte Kontakt ereignet sich im Südwesten der Sonnenscheibe - also "rechts unten". Die Venus hat während des Transits einen Winkeldurchmesser von 58 Bogensekunden.
Rein unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet ist ein Venustransit in der Tat langweilig. Man bekommt ntürlich nicht mehr als einen dunklen Punkt vor der hellen Sonne geboten. Die lange Periode des Venustransit-Zyklus ermöglicht es allerdings ein Gefühl für die kosmischen Zeitskalen zu bekommen. Und man kann ein Stück Wissenschaftsgeschichte am Venustransit nachvollziehen.
Im Jahr 1716 schlug der britische Astronom Halley vor die Distanz Sonne-Erde durch die Beobachtung von Venustransits zu messen. Für jeden Beobachter auf der Erde ist die Dauer des Transits nämlich verschieden. Die Venus läft mal etwas weiter nördlich, mal etwas weiter südlich über die Sonnenscheibe, je nachdem wie weit nach Süden oder Nörden sich ein irdischer Beobachter begibt. Kennt man die Nord-Süd Distanz zwischen zwei Beobachtern, so kann aus den unterschiedlichen Durchgangsdauern die Sonnenentfernung erschlossen werden. Da es recht einfach ist alle Distanzen im Sonnensystem relativ zur Distanz Sonne-Erde zu messen, so sind nach einer Messung der Sonnenentfernung alle weiteren Distanzen im Sonnensystem bekannt.
Derartige Messungen sind allerdings recht schwierig - aus beobachtungstechnischen, aber auch politisch-logistischen Gründen. Zunächst muß eine möglichst große Gruppe von möglichst weit über den Erdball verstreuten Beobachtern was Ereigniss sehen. Dieses Unterfangen scheiterte beim Transit von 1761 an Wetter und Kriegswirren. Im Jahr 1769 dagegen gelang die Beobachtungskampagne. Bei den Transits von 1874 und 1882 wurde der Wert der Sonnenentfernung weiter verbessert. Heute werden Distanzen im Sonnensystem z.B. durch Radar bestimmt und der Venustransit spielt keine Rolle mehr bei der Vermessung des Sonnensystems.
Messungen der Durchgangsdauer sind sehr schwierig. Es ist kaum genau auszumachen, wann die Venus die Sonnenscheibe exakt berührt oder verläßt. Berüchtigt ist der "Schwarze Tropfen", die optische Täuschung das der Sonnenrand sich auf das dunkle Venusscheibchen zubewegt und sich sprunghaft mit ihm verbindet. Dies macht die Zeitmessung des 2. und 3. Kontakts enorm schwierig.
Auch die Venusatmosphäre kann beobachtet werden. Wie man bereits 1769 bemerkte ist streut die Atmosphäre der Venus ein wenig Licht auf die von der Sonne nicht beschienene Nachtseite des Planeten. Dieses Licht kann als schwacher Kranz innerhalb des dunklen Venusscheibchens gesehen werden.
Bei der beobachtung des Venustransits gelten die gleichen Sicherheitsregeln wie bei der beobachtung von Sonnenfinsternissen. Die Beobachtung mit ungeeigneten Mitteln kann innerhalb von Sekundenbruchteilen zur Erblindung führen! Jedoch ist es gar nicht so schwer sicher zu beobachten. Wir geben im Folgenden ein paar Hinweise für astronomische Laien. Professionellere Beobachtungsmethoden mit dem Teleskop werden nicht diskutiert.
Am einfachtsten und sichersten ist der Besuch einer Volkssternwarte. Die Sternwarte Remscheid beispielsweise wird (bei gutem Wetter) während des Transits geöffnet sein und sich auf ihren Besuch freuen. Neben sicheren Beobachtungsmitteln bietet ihnen Ihre Volkssternwarte auch Informationen rund um den Transit.
Mit Finsternisbrillen aus Folie sollte der Transit gerade eben so beobachtbar sein. Das Auflösungsvermögen des Auges entspricht grob dem Venusdurchmesser. Mit gesunden Augen sollte man knapp die Venus als Punkt vor der Sonnenscheibe ausmachen können. Falls Sie ihre Finsternisbrille von 1999 verwenden möchten stellen Sie bitte sicher, daß die Brille nicht unter der Lagerung gelitten hat (Risse, Kratzer). Bitte kombinieren sie die Finsternisbrille nicht mit einem Fernglas.
Bei der Projektionsmethode läßt man das Sonnenlicht durch ein Fernglas oder ein kleines Teleskop auf eine Projektionsfläche fallen. Ist der Abstand Fernglas-Projektionsfläche richtig gewählt wird ein scharfes Sonnenbild sichtbar. Doch Vorsicht ist geboten. Das Fernglas oder Teleskop kann überhitzen, was zu Schäden an der Optik führt. Also immer wieder die Optik aus dem Sonnenlicht schwenken. Und es ist sicherzustellen, daß kein unbedarfter Gastbeobachter (Kinder!) durch die Optik direkt in die Sonne sieht.
v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de