AVRS WebJournal Ausgabe 2/2002 Astronomischer Verein Remscheid e.V.

Kurznachrichten aus Astronomie und Raumfahrt

zusammengestellt von Jens Kauffmann

Die hier gelisteten Themen versuchen eine Übersicht über die Geschehnisse in Astronomie und Raumfahrt im vorangehenden Quartal zu geben. Neues zu Vorgängen im AVRS finden Sie nicht in dieser Rubrik! Sehen Sie dazu in der Rubrik "Aus dem Verein" auf der Titelseite nach.

Gute deutschsprachige Artikel mit vertiefenden Informationen finden Sie bei AstroNews (ausführliche Artikel; schauen sie auch in die Monatsübersichten Januar, Februar und März hinein), Telepolis-Weltraum (sehr ausführlich) und ASTROIMAGE.DE (teils knapp, teils ausführlich). Sehr ans Herz sei auch der englischsprachige Cosmic Mirror gelegt (sehr straffe Darstellung; Ausgaben 232, 233, 234 und 235).

Ich habe in den untenstehenden Artikeln Verweise auf die Dienste AstroNews und Telepolis-Weltraum gesetzt. Bei ASTROIMAGE.DE findet man derartig viel Material, daß es mir nicht möglich ist bei vertretbarem Aufwand die Informationen zu ordnen.

Beachten Sie, daß es sich bei diesen Verweisen um externe Links (gekennzeichnet durch ) handelt. Wir distanzieren uns vorsorglich von den dort präsentierten Inhalten.


Vorangegangene Nachrichten: Kurzmeldungsarchiv

Platz

Galileo - Startschuß für ein europäisches GPS

Am 26. Mai beschlossen die EU-Verkehrsminister offiziell den Aufbau des Satelliten-Navigationssystems Galileo. Dies heißt, daß nun erst einmal die Entwicklungsgelder gesichert sind - das ein Projekts später immer noch stranden oder in Probleme geraten kann sah man zuletzt am Airbus-Truppentransporter A400.

Warum ein neues SatNav-System? Warum eine Konkurrenz zu GPS? Zunächst einmal ist GPS ein militärisches System. Die US-Regierung behält es sich vor, ohne Vorwarnung die zivil nutzbaren Signale abzudrehen. Dies macht beispielsweise die offizielle (und praktischerweise ausschließliche) Nutzung von GPS in der Luft und auf See juristisch schwierig. Galileo dagegen ist ein ziviles System. Schließlich ist GPS ein US-System. Europa sollte deshalb eigenes Engagement zeigen, um unabhängiger zu werden. So verwundert es nicht, daß die Vereinigten Staaten sich sehr deutlich gegen ein europäisches SatNav-System ausgesprochen haben.

Durch Galileo ist somit die rasante Entwicklung ziviler SatNav-Anwendungen weiterhin sichergestellt. Dann vermutlich auch mit der vollen möglichen Präzision (GPS ist auf Meter genau; durch künstliche Signalverschmierung sind Positionen über die zivil nutzbaren Signalen aber nur auf einige dutzend Meter genau). Die Verkehrsminister werden - nach der aktuellen Planung - auf finanzielle Beiträge von privater Seite, man denke an die Automobilindustrie, bestehen.

Berichte zum Thema: AstroNews, Telepolis-Weltraum I, Telepolis-Weltraum II


China auf dem Weg zur bemannten Raumfahrt

Seit 1999 führt China Testflüge mit dem Ziel Menschen ins All zu bringen durch. Am 25. März 2002 startete die dritte Shenzhou-Kapsel, die den Sojus-Schiffen ähnlich sind. Bei den vergangenen Flügen führten die Kapseln auch Tiere mit. Es ist unbekannt, ob dies auch nun der Fall ist. In jedem Fall fliegt nun ein "Dummy", eine mit Sensoren versehene Menschen-Attrappe, mit. Am 2. April 2002 landete sie wieder, d.h. den Wiedereintritt - einen der schwierigsten Teile des Fluges - scheint China im Griff zu haben.

besuchen Sie im Internet: China National Space Administration

Berichte zum Thema: AstroNews, Telepolis-Weltraum


Die Hubble-Reparatur

Zwischen dem 3. und dem 9. März 2002 wurde das Hubble-Space-Telescope (HST) wieder einmal von einem Shuttle, nämlich dem Orbiter Columbia, besucht. Ausgetauscht wurden die Sonnensegel, das Strom-Kontrollsystem (welches sich als zunehmend unzuverlässig erwiesen hatte) und das Kreiselsystem mit welchem der Satellit geschwenkt wird (dazu nutzt man generell bei Satelliten keine Düsen).

Weiterhin Erhielt das HST mit ACS (Advanced Camera for Surveys; etwa fortschrittliche Durchmusterungskamera) eine neue Kamera und das bereits vorhandene Instrument NICMOS (Infrarot) wurde mit einem Kühler versehen. ACS sitzt an alten Platz der FOC (Faint Objekt Camera; Kamera für schwache Objekte), die zur Erde zurückgebracht wurde. ACS hat zwar nur 2/3 des Gesichtsfeldes der WFPC2 (Weitfeld Kamera), zeigt dieses aber in etwa 3-facher Auflösung.

Besonders kritisch war die Mission, da für den Austausch des Strom-Kontrollsystems die gesamte Energieversorgung heruntergefahren werden mußte. Es war unsicher, ob danach alle Systeme wieder ansprechen würden. Auch die Herstellung notwendiger Kabelverbindungen war kniffelig; mehrere dutzend kleiner Stecker mußten die Astronauten mit ihren dicken Handschuhen an ihren Platz befördern.

Nun ist das HST wieder für mehrere weitere Jahre einsatzbereit. Und das muß es wohl auch. Das NGST (Next Generation Space Telescope; Raumteleskop der nächsten Generation) ist noch nicht einmal in der Entwicklungsphase. Auch wenn das HST immer ein Spartenteleskop war - es profitiert sehr von guter (amerikanischer) Öffentlichkeitsarbeit -, so wird man immer Teleskope außerhalb der irdischen Lufthülle benötigen.

besuchen Sie im Internet: Space Telescope Science Institute, NASA

Berichte zum Thema: AstroNews I, AstroNews II, AstroNews III, Telepolis-Weltraum I, Telepolis-Weltraum II


Der Umweltsatellit Envisat

Am 1. März 2002 wurde der esa-Satellit Envisat (engl. für "Environmental Satellite", was Umwelt-Satellit bedeutet) von einer Ariane 5 in einen perfekten Orbit geschossen. Groß wie ein Bus und 8.2 Tonnen schwer ist Envisat daß größte von Europa bisher ins All geschossene Objekt.

Die zehn verschiedenen Meßinstrumente an Bord von Envisat gehen diverse Fragestellungen an. Hier eine Auswahl:

Durch die gewählte Bahnform beobachtet Envisat alle 35 Tage die selbe Erdregion. So sind Zeitstudien möglich. Durch das Bündeln von zehn Instrumenten auf einer Plattform können nun auch die Daten der verschiedenen Instrumente untereinander verglichen werden.

Vielleicht sind mit dem Radar sogar Erdbewegungen wahrnehmbar, wie sie Erdbeben vorausgehen, was Erdbebenprognosen verbessern kann. Envisat kann also - wie man auch an den beispielen oben sieht - viel mehr als nur Grundlagenforschung. Die esa sähe es gern, wenn Teile der Daten kommerziell verwertet werden.

besuchen Sie im Internet: esa

Berichte zum Thema: AstroNews I, AstroNews II, AstroNews III, Telepolis-Weltraum


Flüssiges Wasser auf Mars: Verschwindet ein Indiz?

Vor etwa zwei Jahren sorgte eine entdeckung der Mars-Orbiter für Aufsehen. Geologisch junge, erdrutschartige Strukturen (Schätzungen reichten von einigen tausend bis hin zu einer Million Jahren) waren am besten durch hervorbrechende Sturzbäche zu erklären. Sollte es etwa Grundwasser geben, welches hier und da hervorbricht?

Französische Forscher zeigen nun, daß diese als "Gullies" bezeichneten Strukturen teilweise an Hängen freistehender Hügel auftreten. Dann kann es kein Grundwasser geben, da dieses - mangels Wasser nachlieferndem Regen - längst abgelaufen währe. Zudem liegen die Gullies meist an Hängen, die in der zurückliegenden Zeit (die Mars-Achse schwankt sehr stark) von der Sonne stark beschienen wurden.

Zur Erklärung wird nun durch Sonneneinstrahlung auftauendes CO2-Grundeis herangezogen. Auftauendes Wassereis verursacht ganz ähnliche Strukturen auf Grönland.

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Das NASA-Budget 2003 - Streichungen und faszinierende Projekte

Das NASA-Budget für 2003 sieht einige interessante neue Projekte, aber auch Kürzungen, vor. Es ist das erste unter dem neuen NASA-Administrator Sean O'Keef entstandene Budget. Vielleicht sind so Streichungen bedeutender Missionen zu verstehen - O'Keef ist nicht Wissenschaftler, sondern Finanzfachmann...

Zunächst sind die Pluto-Sonde und der Europa-Orbiter gestrichen. Pluto ist der einzige noch von keiner Sonde besuchte Planet des Sonnensystems. Ein rascher Start drängt, denn gegen 2015 werden die Lichtverhältnisse auf Pluto für Jahrzehnte sehr ungünstig. Europa, ein Mond des Jupiter, ist eine Eiswelt die unter der Eisschicht möglicherweise über einen flüssigen Ozean verfügt. Ist dies der Fall, so besteht eine gute Chance hier Leben zu finden.

Dafür möchte man wieder in die Entwicklung von Nuklear-Antrieben und -Batterien einsteigen. Bei Nuklear-Antrieben werden Flüssigkeiten durch einen Reaktor erhitzt, was effektiver als die Erhitzung durch chemische Verbrennung ist, oder produzierter Strom wird genutzt um Gase mit elektromagnetischen Feldern aus dem Raumschiff zu treiben (sog. Ionen-Triebwerke). Damit sind prinzipiell schnellere Reisen möglich. Nuklear-Batterien verwandeln die bei Kernzerfällen freigesetzte Energie in Strom. Solche Aggregate haben Gasflaschenformat. Man benötigt sie um Sonden in großen Entfernungen von der Sonne, und somit wenig Sonnenlicht, mit Strom zu versorgen (man denke an die Voyager- und Pioneer-Sonden am Rande des Sonnensystems, die bereits solche Aggregate besitzen).

Die NASA denkt bei den Nuklear-Antrieben sicherlich auch an den bemannten Marsflug. Mit konventioneller Technik sind die Flüge möglicherweise unzumutbar lang. Insbesondere will man die neue Technik - Antriebe und Batterien - aber im "New Frontiers" Programm einsetzen. Dieses soll das "Discovery-Programm" begleiten, hat aber eine Obergrenze von 650 Millionen  $ pro Mission (300 Millionen $ im Discovery Programm). In beiden Programmen werden alle paar Jahre (3 im New-Frontiers-Programm) Wettbewerbe für neue Missionen ausgeschrieben. Die erste Mission im New-Frontiers-Programm soll 2003 ausgewählt werden. Vielleicht kann man hier die Pluto-Mission wieder unterbringen.

besuchen Sie im Internet: NASA

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v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de