AVRS WebJournal Ausgabe 2/2002 Astronomischer Verein Remscheid e.V.

Investitionen im Jahr 2002

von Jens Kauffmann

Auf der Jahreshauptversammlung am 3. März 2002 beschloß der Verein zwei größere Investitionen. Neben der Anschaffung eines Beamers für die Projektion von Computer-Graphiken soll die Remscheider Außensternwarte ein neues Hauptinstrument erhalten.

Ein Beamer für Vorträge

Still, aber stetig geht eine Revolution in der Projektionstechnik von Statten. Immer öfter werden Vorträge mit Hilfe von Beamern, welche das auf einem Computer-Monitor sichtbare Bild ähnlich einem Dia-Projektor auf eine Projektionsfläche werfen, gehalten. Auch unsere Gastreferenten, welche wir zu der Vortragsserie im Remscheider Röntegenmuseum einladen, fragen immer öfter nach solchen Geräten nach. Da die Leihgebühren für solche Geräte recht hoch sind, für die berufstätigen Vereinsmitglieder das regelmäßige Beschaffen der Beamer eine Belastung ist und zudem regelmäßig Einsatzmöglichkeiten im Verein bestehen, wird nun ein vereinseigener Beamer beschaft.

Beamer eröffnen ganz neue Möglichkeiten bei Präsentationen. Viele Referenten nutzen vor allem die Möglichkeit Filme in ihren Vorträgen abzuspielen. Viele Vorgänge im All werden dadurch viel anschaulicher. In der Sternwarte können wir nun rasch neues Bildmaterial aus dem Internet in die Vorträge für Besuchergruppen einflechten und während der normalen Öffnungszeiten der Sternwarte Filme zeigen.

Diese Punkte rechtfertigen die nicht unerheblichen Kosten für diese Investition. Der Beamer soll im zweiten Quartal 2002 beschafft werden.

Ein neues Teleskop für die RAST

Die Remscheider Außensternwarte (RAST) befindet sich in der Nähe von Wipperführt. Sie steht jenen AVRS-Mitgliedern zur Verfügung, welche einen zusätzlichen Nutzungsbetrag entrichtet haben. Die Öffentlichlkeit profitiert durch die dort gewonnenen Aufnahmen von ihr.

Schon in den 1980er Jahren wurde das gegenwärtige Hauptinstrument - ein MPT 300 der Firma Lichtenknecker - beschaft. Das Gerät weist eine Öffnung von 30 cm und eine Brennweite von 4 m auf. Das Öffnungsverhältnis (entspricht in der "normalen" Fotografie 1/"Blende") liegt damit etwa bei einem ungünstigen Wert von 1:13 (d.h. der Teleskopdurchmesser ist um einen Faktor 13 kleiner als die Brennweite). Dies hat zwei ungünstige Konsequenzen.

Das aktuelle MPT auf der RAST ist also relativ lichtschwach und verbietet die Fotografie ausgedehnter Objekte, wie etwa Galaxien und Gasnebel.

Warum besitzt der AVRS überhaupt ein teures, für seine Zwecke ungeeignetes Teleskop? In den 1980er Jahren war die Firma Lichtenknecker berühmt für innovative, astronomische Präzisionsarbeit. Eines der Glanzlicher des Programms war das "Multi Purpose Telescope" (Vielzweckteleskop), jenes MPT welches der AVRS damals beschaffte. Es handelt sich dabei um ein Spiegelteleskop in Cassegrain-Bauart. In der Eintrittsöffnung ist eine zusätzliche Linse angebracht (sog. Korrekturplatte). Damit gleicht das MPT dem Großteil der Amateurteleskope weltweit. Was ist nun das Besondere am MPT? Bei dem MPT lassen sich die Korrekturplatten austauschen. Damit kann man die Brennweite des Teleskops variieren. Verschiedene Korrekturplatten ergeben nämlich verschiedene Brennweiten und damit auch - wegen gleichbleibender Öffnung - verschiedene Öffnungsverhältnisse.

Damit ist das MPT ein Vielzwechteleskop wie es kein zweites gibt - wenn man über die verschiedenen Korrekturplatten verfügt. Leider war der Verein zum Beschaffungszeitpunkt finanziell nicht dazu in der Lage zusätzlichte Korrekturplatten zu erwerben. Heute sind wir dazu in der Lage - aber die Firma Lichtenknecker verbietet nun den Erwerb. Heute sind nur spärliche Informationen über die Lage der Firma zu bekommen. Anfragen werden langsam oder garnicht beantwortet. Und nun ist die Anfertigung der Korrekturplatte eine Kunst für sich. Dafür muß das Teleskop für welches die Platte bestimmt ist präzise vermessen und die Platte entsprechend individuell geschliffen werden. Platten passen nur auf jeweils ein Teleskop. Lichtenknecker scheint hierfür nicht der richtige Partner zu sein, zumal Korrekturplatten-Rohlinge nicht mehr vorhanden sind. Anderen Firmen, die in der Herstellung solcher Korrekturplatten nicht geübt sind, trauen wir die Anfertigung ebenfalls nicht zu.

Bereits vor zwei Jahren beschafften wir deshalb ein f/4-Newton-Teleskop mit 20 cm Öffnung, um mit der elektronischen CCD-Kamera des AVRS besser arbeiten zu können. Für die chemische Fotografie sind 20 cm Öffnung allerdings nicht besonders viel. Deshalb wurde auf der Hauptversammlung, vor allem von Michael Schmitz, die Beschaffung eines neuen Hauptinstruments vorgeschlagen. Gemäß obigem Argument wurde die Beschaffung einer neuen MPT-Korrekturplatte verworfen. Schließlich beschloß die Versammlung - mit knapper Mehrheit - die Beschaffung eines neuen Instruments mit einem Preis von bis zu 10000 EUR.

Ansprechpartner für die Auswahl des neuen Instruments dürfte insbesondere Michael Schmitz, als treibende Kraft hinter der Neuinvestition, sein. Genaue Spezifikationen für das neue Teleskop existieren noch nicht. Auch der Zeitplan is ungeklärt. Der Vorstand ist allerdings von der Versammlung ermächtigt worden Gelder in dem oben genannten Umfang nach Vorlage eines passenden Angebots unverzüglich freizugeben.


v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de