AVRS WebJournal Ausgabe 2/2002 Astronomischer Verein Remscheid e.V.

Ein Verein geht auf Reisen - Freizeit des Astronomischen Vereines Remscheid

von Reiner Ebel

Schon im Frühjahr - März 2000 - mietete der Astronomische Verein Remscheid das Freizeitheim der Freien Evangelischen Kirchengemeinde Meinerzhagen an. Die Lage des Freizeitheimes erschien uns für astronomische Beobachtungen und Fotographie sehr günstig. Das zwischen Kierspe und Meinerzhagen gelegene Gelände liegt auf 500 m ü.N.N.. Zu allen Himmelsrichtungen hatten wir einen freien Blick, selbst die Autobahn die nur 30 m hinter dem Haus, verdeckt durch einen großen Wall, verläuft, störte uns nicht. Treffpunkt und Start für die astronomische Exkursion war der Bismarkturm in Remscheid.

Am Freitag den 29.09.2000 um 17 Uhr trafen sich die Teilnehmer mit ihren Beobachtungsinstrumenten:

Nachdem wir versucht haben die eine oder andere Fahrgemeinschaft zu bilden, war fast unmöglich, da alle Teilnehmer den Kofferraum ihres Fahrzeuges mit Beobachtungsinstrumenten und Lebensmitteln beladen hatten, starteten wir mit einem Autokorso durch den remscheider Feierabendverkehr. Schon nach den ersten zwei Kilometern verloren wir uns aus den Augen, aber kurz vor Radevormwald traf man sich am vereinbarten Sammelplatz wieder. Die restliche Fahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle.

In Drögenpütt angekommen begrüßte uns die Hausmeisterin, Frau Grothe, recht herzlich. Mit ihr unternahmen wir eine Besichtigungstour durch das Haus. Im Erdgeschoss zeigte uns Frau Grothe die gut ausgestatteten Sanitärräume und die großzügig angelegte Selbstversorgerküche mit Aufzug für Geschirr und Lebensmittel. Eine Etage höher fanden wir einen großen Aufenthaltsraum vor. Normalerweise bietet der Raum Platz für bis zu 40 Personen, also konnten wir uns hier richtig breit machen. Unter dem Dach lagen die Schlafzimmer, natürlich mit je 10 Betten, das war ein Geschnarche!

Da der Himmel superblau war hatten wir es nun eilig die Betten zu beziehen und die Lebensmittel auszupacken. In einer gemütlichen Runde wurde erst einmal zu Abend gegessen. Für jeden Geschmack war etwas dabei, selbst Nutella stand mit auf dem Tisch.

Mit vollen Bäuchen ging es auf den Parkplatz hinter dem Haus. Die Außentemperaturen lagen um 20 Uhr noch bei angenehmen 15°C, ein leichtes Lüftchen wehte uns um die Ohren. Nachdem die verschiedenen Beobachtungsinstrumente aufgebaut waren schien uns der Himmel für Beobachtung und Fotografie dunkel genug. Sterne mit Magnitudo 5 ließen sich mit bloßem Auge ausmachen, für uns Großstädter eine wahre Freude. Das Band der Milchstraße hob sich vom Himmelshintergrund deutlich und voller Struktur ab.

Um 21 Uhr postierte ich eine Kamera, mit einem 28 mm Weitwinkelobjektiv abgeblendet auf Blende 16, ca. 300 m entfernt nahe einem Waldstück. Aus dem sehr dunklen Wald hörte ich das Gegrunze einiger Wildschweine. Vier Stunden wollte ich das Foto belichten um Strichspuren rund um den Polarstern festzuhalten. Natürlich bin ich um 1 Uhr nicht alleine gegangen den Fotoapparat wieder zu holen. Mal schauen ob das Foto etwas geworden ist.

Zurück zu den anderen: Harald Bohnekamp war mit dem Ausrichten der Lx 200 fertig und gerade dabei eine "Sightseeing-Tour" durch unser Himmelsgewölbe durch zu führen. Er hatte es mit dem Auffinden der Objekte recht einfach, NGC oder Messiernummer in die Tastatur eingeben, Enter und das Teleskop positioniert sich von alleine. Ilse-Dore Brodtmann und Norbert Tellmann grasten den Himmel mit ihren Feldstechern ab. Selbst M 81 und M 82, ein Galaxienduett am "Großen Wagen" waren zu erkennen. Detlef Lind mit seinem SC auf Losmandi versuchte M 33, eine „Touchdown-Galaxie „ in sein Blickfeld zu bekommen. Michael Schmitz und Marc Dümpelmann richteten ihre Montierungen besonders sorgfältig aus, da sie in dieser Nacht einige Astrofotos schießen wollten. Jens Kaufmann bereitete die CCD-Kamera, die erst später zum Einsatz kommen sollte vor. Da Thorsten Prahl noch nicht so oft mit seinem neuen Newtonteleskop gearbeitet hatte versuchten wir die Montierung so einzustellen, dass wir anhand von Teilkreisen Himmelsobjekte im Okular zu sehen bekamen. Ein nicht so leichtes Unterfangen. Anschließend tasteten wir uns anhand von Sternkarten zu den einzelnen Objekten vor. Hilfsbereitschaft wurde in dieser Nacht groß geschrieben. Eigentlich selbstverständlich, wenn man zusammen wegfährt.

Nach Mitternacht ging das "Goldene Tor" der Ekliptik auf, das im Norden aus dem offenen Sternenhaufen Plejaden und etwas weiter südlich aus dem Stier besteht. Links und rechts vom "Goldenen Tor" standen die Riesenplaneten Jupiter und Saturn. Ein wahrhaft schöner Anblick. Jupiter und Saturn wurden in jedem Instrument eingestellt, so konnte man direkt die einzelnen Optiken vergleichen. In den Morgenstunden des 30.09.00 erblickten wir hier und da eine schöne Sternschnuppe.

Ilse-Dore Brodtmann versorgte uns zwischenzeitlich mit einem warmen Getränk. Marc Dümpelmann hatte sich für die Zeit nach Mitternacht mit einigen "Six-Packs" eingedeckt. Nein, kein Bier! Snickers, Mars, Twixt, ... alles was das Herz begehrt wurde verteilt. Für unsere Naturkostfreunde stand natürlich eine Obstschale mit Äpfeln und Bananen unter dem Sternenhimmel bereit.

Nach 7 1/2 wie im Flug vergangenen Stunden vielen uns die Augen zu. Immer häufiger hörte man hier und da ein lautes gäähhn. Um 3.30 Uhr lagen wir alle in unseren Kojen und schlummerten dem Morgen entgegen. Samstag, es war so gegen 8.30 Uhr regten sich die ersten Hobbyastronomen in ihren Betten. Nach einem ausführlichen Gang unter die Dusche, zum Schluss ganz kalt damit der Kreislauf wieder in Schwung kam, bereiteten wir gemeinsam das Frühstück vor. Während des Essens wurden verschiedene Themen, nicht nur astronomischen Ursprungs, diskutiert.

Alle Teilnehmer schlossen sich der anschließenden Wanderung um die Fürwiggetalsperre an.

Zwei Stunden gingen wir durch einen bunten Laubwald, hier und da wurde ein Pilz entdeckt. Jede Biegung um einen der Seitenarme eröffnete uns einen neuen Blick auf das zum Teil tiefblaue Wasser. An der Sperrmauer wurde eine kurze Rast eingelegt. Gegen 13 Uhr kamen wir gut durchgelüftet in dem Freizeitheim an.

Nach einem reichhaltigen Essen in einem gutbürgerlichen Lokal legte sich der ein oder andere erst einmal auf das Ohr. Am Nachmittag wurde Dart gespielt und bei trockenem Wetter bis in die Dunkelheit gebowlt. Natürlich wurde auch gefachsimpelt, Montierungen begutachtet und Schneckenspiel eingestellt. Zur Unterhaltung brachte Dorle Brodtmann uns zwei astronomische Spiele mit. Zum einen ein Quartett mit unterschiedlichen Sternbildern, zum andern, Stadt, Land, Name, Fluss mit astronomischen Begriffen. Bei dem astronomischen Ratespiel kamen auch erfahrene Sternkundler ins Schwitzen.

Am späten Nachmittag erhielten wir Besuch von der Familie Kalbitz. Die Kinder, Jens und Sabrina, fühlten sich direkt in unserem Kreise Wohl.

Da an diesem Abend die Wolkendecke kein Blick auf die Sterne freigab starteten wir das Abendprogramm. Ein mitgebrachter 16 mm Filmprojektor wurde sachgerecht, erst Tisch dann Stuhl, aufgebaut. Zu sehen gab es an diesem Abend Filme mit folgenden Themen:

In gemütlicher Runde mit Bier und Sekt in maßen, gestiftet von T. Prahl, ließen wir den Abend ausklingen.

Nach dem Frühstück am Sonntagmorgen teilten wir die restlichen Lebensmittel untereinander auf, die Küche und der Aufenthaltsraum mussten sauber hinterlassen werden. Bei strömenden Regen wurden die Autos beladen, anschließend ging es heimwärts.

Da alle Teilnehmer unserer Exkursion begeistert waren entschieden wir in nicht zu ferner Zukunft so ein Wochenende zu wiederholen.


v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de