AVRS WebJournal
Ausgabe 2/2002
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Astronomischer Verein Remscheid e.V. |
Zwischen Mitte Februar und Anfang April 2000 hatten die Hobbyastronomen in unseren Breitengraden Zeit sich um alles andere zu kümmern, als um die Astronomie, denn ein Blick in den Himmel wurde Ihnen durch dicke Wolken verwehrt. Nach langer Zeit des Wartens sagten die Wetterfrösche für die Nacht vom 5.4 auf den 6.4.2000 einen klaren Himmel voraus. Konnte man sich auf diese Aussage verlassen? Um 22 Uhr war der Himmel noch bedeckt. So stellte ich mir den Wecker auf 2 Uhr morgens.
Nachdem ich mich mitten in der Nacht aus dem Bett gequält hatte, wurde ich mit sehr guten Sichtbarkeitsbedingungen belohnt. Der kleine Wagen, ein Sternbild am Himmelspol, zeigte sich klar und deutlich. Da er das ganze Jahr hindurch sichtbar ist benutze ich ihn immer als Testobjekt. Es ließen sich mit bloßem Auge Sterne der 5. Größe ausmachen, also für unsere Gegend gute Sichtbarkeitsbedingungen.
Das Galaxienduett M 65 und M 66 im Sternbild des Löwen zeigte sich bei 100 facher Vergrößerung im C 8 sehr deutlich. Es wurde der Versuch gestartet die Galaxien zu fotografieren. Die Aufnahme wurde 50 Minuten auf Kodak Gold 1000 belichtet. Einige weitere Himmelsobjekte wurden in dieser Nacht noch beobachtet und auf Film gebannt. Um 6 Uhr morgens machte ich mich nach einer Tasse Kaffee auf den Weg zur Arbeit.
Auch am nächsten Abend zeigten sich keine Wolken am Himmel. Aus einem kleinen Himmelsatlas suchte ich mir die Positionen für weitere Galaxien heraus, um sie zu beobachten und wenn möglich auch zu fotografieren. Beim Fokussieren von M 101, einer großen Spiralgalaxie mit ausgeprägten Armen im Sternbild großer Wagen, bemerkte ich auf einmal einen leicht rötlichen Himmel. Brannte es irgendwo in der Nähe? Handelte es sich vielleicht um eine Lasershow, die den Himmel färbte?
Der Sache musste ich auf den Grund gehen. Raus aus der Sternwarte, ein paar Schritte und ich stand auf der Wiese. Dort zeigte sich für unsere Breitengrade ein unglaublich schönes Naturschauspiel. Polarlicht über Wuppertal-Beyenburg. Ich konnte es gar nicht fassen. Da ich meiner Frau und meinen drei Kindern dieses Ereignis nicht vorenthalten wollte, weckte ich sie um 22.40 Uhr. Mit großen Augen standen wir bei uns im Garten und beobachteten einen großen orange- roten Bogen.
Tief im Westen, im Sternbild Perseus schien der Bogen verankert. Er zog sich über den Himmelsnordpol bis weit in den Osten, wo er gerade der Herkules über den Horizont gewandert kam. Senkrechte gelblich scheinende Lichtsäulen entstanden und wanderten langsam hin und her, verschwanden ganz und erschienen an einer ganz anderen Stelle wieder. Nach zwanzig Minuten war erst einmal alles vorbei. Zeit genug um einen Fotoapparat zu holen.
Etwa 15 Minuten später begann das Naturschauspiel von Neuem. Da ich noch keine Erfahrung mit der Fotografie des Polarlichtes hatte überließ ich die Steuerung der Belichtungszeiten meiner Canon. Sie belichtete einen 200 ASA Film, den ich durch Zufall noch im Schrank fand, zwischen 15 und 30 Sekunden lang. Nachdem der Film belichtet war wurde erst einmal die Stromzufuhr vom Teleskop unterbrochen, denn die Beobachtung und Fotografie von Deep-Sky Objekten war nicht mehr so wichtig. Mit einer Kanne Tee setzte ich mich auf unsere Wiese und beobachtete das immer wieder anders erscheinende Polarlicht.
Wissenswertes vom Polarlicht: In den Regionen rund um die Polkappen der Erde lenken geomagnetische Feldlinien geladene Teilchen in die Ionosphäre. Es sind hauptsächlich Elektronen und Protonen magnetosphärischen Ursprungs. Je stärker die Sonnenaktivitäten sind desto mehr geladene Teilchen dringen in das Magnetfeld der Erde. Bei dem Zusammenstoß mit den Neutralteilchen der Erdeatmosphäre verlieren die Elektronen und Protonen Energie und Impuls durch Stöße in der neutralen Atmosphäre (z.B. mit Sauerstoff und Stickstoff). In Höhen zwischen 80 und 300 km können einige der atmosphärische Neutralteilchen auf höhere Energieniveaus angeregt werden. Die dann emittierte Strahlung kann als Polarlicht beobachtet werden. Polarlichter während magnetischer Stürme können sehr eindrucksvolle Erlebnisse sein. In unseren Breitengraden können Polarlichter nur selten beobachtet werden.
v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de