AVRS WebJournal
Ausgabe 2/2002
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Astronomischer Verein Remscheid e.V. |
Abenteuer in Spanien - Beobachtungen am IRAM-30m-Teleskop bei GranadaBei Granada in Süd-Spanien - bekannt durch die von den Mauren erbaute Alhambra - befindet sich das 30-Meter-Radioteleskop des Instituts für Millimeter-Radioastronomie (IRAM). Da gerade im Millimeter-Wellenlängen-Bereich exzellentes Wetter mit wenig Wasserdampf in der Atmosphäre für die erfolgreiche Durchführung von Beobachtungen vonnöten ist, wurde das Teleskop in der Sierra Nevada auf etwa 3000 Metern Höhe errichtet. Der Autor berichtet von einem zehntägigen Beobachtungsaufenthalt an diesem Instrument. |
Inhalt |
"Non, Señor. Non Leve." Der Parkwächter schaute mich nun doch etwas genervt an. "Sehr schön" dachte ich bei mir. Nach einer mehrstündigen Flugreise mit langem Aufenthalt in dem heruntergekommenen Kaff nahe dem Madrider Flughafen und dem langen Fußmarsch von der Bushaltestelle zu meiner Unterkunft (der Busfahrer hatte irgendwo in der Stadt gehalten; wie die Verkehrsregeln - einschließlich roter Ampeln - schienen auch die Bushaltestellen nur Empfehlungscharakter zu haben) hatte ich mich nun, am Mittwoch den 5. Dezember 2001 gegen 19:00 Uhr, doch auf mein Zimmer in der Residençia, dem Hoteltrakt des IRAM-Hauptquartiers in Granada, gefreut. Doch nun wußte der Wächter des Parkhauses nahe der Residençia nichts von der mit IRAM getroffenen Vereinbarung einen Schlüssel bei ihm für mich zu deponieren - ein Standardverfahren, welches seit Jahren bei IRAM außerhalb der Bürozeiten so praktiziert wird.
Nun versuchte ich bereits seit mehreren Minuten ihm, als des Spanischen nicht Mächtiger, "mit Händen und Füßen" mein Begehren zu erklären. Nach einiger Zeit erklärte er sich zumindest bereit, mich in einer Stunde auf einen Kontrollgang durch die Anlage (das IRAM-Hauptquartier liegt in einer bewachten, mit einem Zaun umgebenden, Geschäfts- und Wohnanlage) mitzunehmen. Trotzdem hatte ich mich nun entschlossen einen letzten Versuch zu starten, nach dessen Scheitern ich in das nächstgelegene Hotel marschiert währe. Just in diesem Augenblick kam ein anderer Angestellter des Wachdienstes des Weges, wurde von "meinem" Wächter kurz auf das Schlüsselproblem angesprochen, ging daraufhin kurz in die Wachbude und zauberte ruck-zuck einen mit meinem Namen versehenen Umschlag hervor. Dies war "meinem" Wächter peinlich. Die Erleichterung war auch dem Wächter - er war die ganze Zeit höflich und hilfsbereit geblieben - anzumerken. Ich verabschiedete mich und fand wenige Minuten später die IRAM-Residençia.
Das IRAM-Hauptquartier besteht aus Büro- und Hoteltrakt. In letzterem sind 5 Zimmer für besuchende Astronomen untergebracht. Dort wartet man auf den Transport zu dem Teleskop. Der gesamte Komplex ist weder besonders groß noch in irgendeiner Weise auffällig. Die Räume könnten zu einem x-beliebigen Betrieb gehören. Da ich wußte, daß ein weiterer Gast erwartet wurde, wartete ich noch bis 20:00 Uhr auf dessen Ankunft, um dann vielleicht gemeinsam ein Restaurant zu besuchen. Es kam aber kein weiterer Besucher und ich zog allein los.
Granada war auch an einem düsteren Dezember-Abend eine pulsierende Stadt. Viele Geschäfte schließen in Spanien erst gegen 20:30 Uhr. Ich schlenderte bei etwa 10 Grad Lufttemperatur die Avenida de la Constitucion entlang auf der Suche nach einem Restaurant. Ich schaute hier und da auf die Karten, konnte mich aber anhand der Kryptischen Namen für die feilgebotenen Speisen nicht so recht für ein Geschäft entscheiden. Schließlich entschied ich mich für das Bewährte - ich wählte im maurisch geprägten Teil Spaniens eine italienische Pizzaria. Gut gesättigt fiel ich in der Nacht ins Bett.
Der Transport war für 08:15 Uhr geplant. Ich stand also früh auf, suchte mir in der Nähe ein Café und frühstückte dort. Als ich mich schließlich am Sammelpunkt im noch gänzlich verwaisten IRAM-Hauptquartier einfand traf ich dort auf Alexandre Beelen, jenen anderen Astronomen der mit mir auf den Berg fuhr. Alexandre ist Ende Zwanzig und arbeitet in Paris an seiner Doktorarbeit. Wir machten gerade einander bekannt, als ein weiterer Mann wortkarg in den Raum stürzte und uns mit Gesten zu Verstehen gab, daß wir ihm folgen sollten. Schweigend fuhren wir mit dem Privataufzug aus den Büros in die Tiefgarage, verluden unser Gepäck im bereitstehenden VW-Bus und fuhren los. Als wir nun durch die in goldenes Morgenlicht getauchten Straßen fuhren, taute unser um die 60 Jahre alter Fahrer langsam auf. Wie sich zeigte, hatte er vor 30 Jahren in Köln gelebt und sprach noch ein paar Brocken Deutsch. So plauderten wir die Fahrt über - bis wir nach etwa eineinhalb Stunden einen ersten Blick auf das Teleskop werfen konnten.
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| Abbildung 1: Blick von der Anfahrtsstraße auf das Teleskop. Im Vordergrund sieht man den IRAM-VW-Bus und ein Baustellenfahrzeug. Am rechten Bildrand ist eine Ski-Station zu erkennen. |
Nur im Profil zeichnete es sich vor dem tiefblauen Himmel ab. Wir hatten schon einen großen Teil der ohnehin spärlichen Vegetation hinter uns gelassen und schlängelten uns nun auf den sehr gut ausgebauten Verbindungsstraßen zu den diversen Ski-Hotels durch das Geröll hinauf. Nur hier und da hatte ein Schneefleck im Schatten überstanden. Bald passierten wir eine bewachte Schranke, woraufhin wir eine weniger gut ausgebaute Straße erreichten. Sie führte einige Kilometer weiter durch dieses steinerne Chaos zu einer Ski-Station (siehe Abbildung 1). Diese Basis weist Restaurants, einen Lift, eine Bergstation der Kabinen-Seilbahn zu den Hotels und eine sehr große Schneemobil-Garage auf. Und eines dieser Fahrzeuge kam nun nach kurzem Warten auf uns zugerollt.
Die Fahrt im Schneemobil - im englischen Hausjargon als "Ratrac" bezeichnet, auch wenn die Beschriftung das Fahrzeug als "Kässbohrer Pistenbulli" ausweist - ist eine der großen Attraktionen am IRAM-30m-Teleskop. Ich hatte schon die Befürchtung gehabt hierauf verzichten zu müssen, da nur vereinzelt Schnee lag. Aber dieses Bischen genügte um die Straße unpassierbar für das Auto zu machen. Im Sommer ist es trotz der Abgelegenheit möglich selbst mit dem Taxi zum Observatorium vorzudringen.
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| Abbildung 2: Der Ratrac-Kofferraum. Neben Brot, Wurst, Knabberreien und Salat werden auch Stickstoff und Helium in den großen Flaschen im Vordergrund geliefert. Hinter der Fahrerkabine ist ein Fahrgastraum montiert. Rechts erkennt man den Anhänger des VW-Transporters. |
Gemeinsam beluden wir den an der Schaufel montierten Transportkäfig des Ratrac (siehe Abbildung 2). Diverses Verbrauchsmaterial hatten wir im Anhänger des VW-Busses hergefahren. Neben Nahrungsmitteln aller Art werden auch flüssiges Helium und Stickstoff zum kühlen am Teleskop gebraucht. Dieses Sammelsurium mit fettigen Helium- und Stickstoffkannen an der einen Seite und frei darliegendem Salat auf der anderen Seite sah schon drollig aus. Es folgte die Fahrt zum eigentlichen Teleskop. Alexandre und ich stiegen in den spartanischen Fahrgastkontainer hinter der Fahrerkabine. Mal glitten wir über den Schnee, mal mahlten die Ketten über Geröll; auf der Fahrt von etwa 15 Minuten wurden wir ziemlich durchgeschüttelt. Dann erreichten wir das Teleskop
Wir schmissen unser Gepäck irgendwo in den Flur und marschierten in den Kontrollraum. Neben ein Paar
anderen IRAM-Mitarbeitern trafen wir dort den Koordinator des gegenwärtigen Beobachtungsprogrammes, Frank
Bertoldi vom
Max-Planck-Institut für Radioastronomie
in Bonn (hiernach MPIfR). Er war neben IRAM für den Ablauf der koordinierten Bolometer-Beobachtungen
zuständig.
Bolometer sind spezielle Empfangssysteme für Radioteleskope. Kernstück ist ein Absorber mit temperaturempfindlichem elektrischen Widerstand. Die aus dem All kommende Radio-Strahlung wird von dem Teleskop gesammelt und auf den Absorber geworfen. Der ändert nun seine Temperatur, je nachdem wieviel Strahlung auf ihn fällt. Die Stärke der empfangenen Strahlung ist natürlich abhängig davon, worauf das Teleskop ausgerichtet ist. Helle Quellen am Himmel erhitzen den Absorber stark, schwache weniger. Mißt man nun die Absorbertemperatur, was in der Praxis durch die Messung des elektrischen Widerstands des Absorbers erfolgt, so kann man aber auch umgekehrt auf die Helligkeitsverteilung am Himmel schließen.
Nun klingt das oben skizzierte Verfahren sehr einfach. In der Praxis jedoch ist die Analyse von Bolometer-Daten ein kniffliges Geschäft. So ist die Erdatmosphäre beispielsweise bei der Wellenlänge um 1.2 mm, bei der in unserer Kampagne beobachtet wurde, viel heller als die stärksten astronomischen Quellen. Zudem absorbiert die Atmosphäre auch einen Teil der Strahlung, so daß diese abgeschwächt bei uns ankommt. Insgesamt sind optimale Wetterbedingungen mit wenig Wasserdampf in der Luft erforderlich - Bedingungen die man nur in einem kurzen Zeitraum im Winter antrifft. Um diese Zeit bestmöglich auszunutzen legt man deshalb alle geplanten Bolometer-Beobachtungen zusammen in einen Pool und wählt dann laufend am Teleskop die für die aktuellen Witterungsbedingungen am besten geeigneten Beobachtungsprogramme aus. Bei diesem Verfahren, bei dem anreisende Astronomen nicht nur eigene, sondern auch Projekte anderer Wissenschaftler durchführen, spricht man von Koordinierten Beobachtungen.
Unter den Projekten im Pool waren alle denkbaren Objektklassen vertreten. Planeten nutzten wir regelmäßig zu Kalibrationszwecken. An den äußersten Grenzen des Sonnensystems beobachteten wir Kuiper-Belt-Objekte. Sterne und Gaswolken in unserer Milchstraße und dem Andromedanebel waren vertreten. Hinzu kamen nahe und ferne Galaxien - und ganz ganz ferne, bei denen teilweise noch nicht einmal Entfernungen bestimmt sind. Da es die Gelegenheit gab nahmen wir zwischenzeitlich auch einen Gamma-Ray-Burst - Objekte noch völlig unbekannter Art, die explosionsartig aufleuchten und dann über einige wenige Tage hinweg sichtbar sind - aufs Korn.
Das MPIfR ist für den Bau der Bolometer am IRAM-30m-Teleskop zuständig. So lag es nahe einen MPIfR-Mitarbeiter, eben Frank Bertoldi, mit den notwendigen Planungen zu betrauen. Zudem sollte in diesem Winter das neue Bolometer MAMBO-117 getestet werden, was ebenfalls erfahrenes Personal erfordert. Zufälligerweise ist Frank Betreuer meiner Diplomarbeit am MPIfR. Da es immer Mangel an willigen Beobachtern gibt, lud er mich ein erste Beobachtungserfahrungen an IRAM-30m-Teleskop zu sammeln, auch wenn ich kein eigenes Projekt im Pool hatte.
Frank sah nicht gut aus. Er hatte in der vergangenen Nacht und auch in der Zeit davor Tests am neuen Bolometer durchgeführt. Aus verquollenen Augen sah er uns an und erzählte uns von Rauschen in der Empfangsanlage und anderen Problemen mit den Signal-Verstärkern des Bolometers, während er seinen Drei-Tage-Bart kratzte. Es schwante mir bald, daß diese Kampagne anstrengend sein würde. Ich sollte recht behalten.
Zunächst jedoch nutzte ich die Gelegenheit mir die Anlage einmal genauer anzusehen (siehe Abbildung 3). Die Achse des Hauptgebäudes ist in Nord-Süd-Richtung orientiert. Das eigentliche Teleskop befindet sich an dessen Nordseite. Zwischen dem Teleskop und dem Haupgebäude verläuft ein Tunnel, an dessen Ostseite sich eine halb in den Boden eingegrabene Garage befindet.
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| Abbildung 3: Das IRAM-30m-Teleskop in der Abendsonne. In der Mitte des Hauptspiegels sind die Verschlußklappen des Vertex gut sichtbar. Die Rückseite der Schüssel ist mit Panelen verkleidet. |
Die Südseite des Hauptgebäudes beherbergt 12 Einbett-Zimmer für Gastastronomen und die Stammbesatzung. In seinem oberen Stockwerk sind der Kontrollraum, Computer, eine Werkstatt und eine Bibliothek untergebracht. Darunter liegt der Aufenthalts- und Eßraum (inklusive Billard-Tisch) mit der Küche sowie weitere Serviceräume. Auch der Tunnel zum Teleskopfundament beginnt hier. Im untersten Stockwerk befinden sich nur 4 Schlafräume.
Der achteckige, konisch nach oben zulaufende Teleskopsockel ist ebenfalls begehbar. Hier ist auch der skurrile Fitnessraum untergebracht. Wer mag kann Dart werfen, an der Sprossenwand arbeiten (wenn er zuvor den Elektro-Schrott beiseite schiebt) oder Gewichte stemmen sowie Ping-Pong auf der zentimeterdick verstaubten Platte spielen (wobei man nun um den Elektro-Schrott herumlaufen muß). Darüber liegt der Kabelraum mit Abstellplätzen. Dort werden die aus dem drehbaren Teil des Teleskops herabführenden Kabel in eine mehrere Meter messende Spirale aus Metallstangen geführt, die sich - je nach Drehrichtung des Teleskops - weitet oder verengt. So kann das Teleskop insgesamt um 400° geschwenkt werden. An einer Stelle ist natürlich Schluß und das Teleskop kann nicht weiter drehen, da sonst die Kabel reißen würden. Für einen Schwenk um 360° benötigt das Teleskop einige Minuten. In der Aufbauphase fungierte der Teleskopsockel sogar als Unterkunft für die Ingenieure.
Steigt man noch weiter hinauf, so gelangt man schließlich in den drehbaren Teil des Teleskops. Um diesen drehbaren Teil des Sockels "nickt" die im Durchmesser 30 Meter messende Teleskopschüssel. Ihre Rückseite ist mit Panelen verkleidet. Über dem Hauptspiegel ist der Sekundärspiegel von 2 Metern Durchmesser an Streben befestigt.
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| Abbildung 4: Die Empfängerkabine. An der Rückwand ist der hier geschlossene Vertex, durch den die Strahlung in die Empfängerkabine fällt, als silberne Scheibe sichtbar. In Bildmitte befinden sich die Heterodyn-Empfänger. |
Der untere Teil des drehbaren Teleskopsockels beherbergt die Antriebe zum Schwenken des Teleskops. Darüber liegt die Empfängerkabine (Abbildung 4). In diesen Raum wird die von der Teleskopschüssel gesammelte Strahlung über den Sekundärspiegel hineingeworfen. Die Öffnung zum Einlaß der Strahlung nennt sich Vertex. Er kann bei schlechter Witterung mit Klappen geschlossen werden (erkennbar in Abb. 3 in der Mitte das Hauptspiegels). Man nutzt weitere Umlenkspiegel (im Radiobereich nutzt man dazu polierte Metallplatten) um die Strahlung in der Empfängerkabine zu den Empfängern zu leiten. Die Kabine selbst dreht sich nur in der Horizontalen und kann in allen Teleskopstellungen betreten werden; Nickbewegungen führt nur die Schüssel aus.
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| Abbildung 5: Das 117-Kanal-MAMBO Bolometer des MPIfR - mit vielleicht einem Meter Länge ein Zwerg gegenüber den Heterodyn-Empfängern. Der Zylinder dient hauptsächlich als "Thermoskanne", deren Innerstes bis auf 0.3° über dem absoluten Nullpunkt gekühlt wird. Unterhalb des Bolometers erkennt man eine Linse vor der Eintrittsöffnung (im weißen Rahmen) und eine als Spiegel dienende Metallplatte. Die Strahlung tritt von unten in das Bolometer ein. |
Die Empfänger können - wie in Abbildung 4 sichtbar - groß wie ein PKW sein. Dies gilt für
die Heterodyn-Empfänger die messen, wieviel Strahlung bei welcher Radiofrequenz ankommt. Die
eigentlichen Detektoren sind tief in diesen Geräten vergraben; ein Großteil der Apparate dient nur als
Kühlschrank. Wie ein Zwerg nimmt sich das vielleicht einen Meter lange, zylindrische Bolometer gegen
diese Giganten aus! (Betrachten sie
Nahaufnahmen
von MAMBO.) Es ist direkt unter dem Vertex montiert. Bolometer unterscheiden nicht zwischen verschiedenen
Radiofrequenzen. Ein anschaulicher Vergleich: Bolometer machen Schwarz-Weiß-Fotografie, während
Heterodyn-Empfänger Farbbilder aufnehmen.
Die Rückseite des Hauptreflecktors ist mit Panelen verkleidet, so daß ein geschlossener Raum entsteht. Dieser ist Vollklimatisiert! Dadurch werden temperaturbedingte Verspannungen der Stützstruktur, welche die Schüssel aus ihrer optimalen Form bringen würden, verhindert. Die Schüsseloberfläche kann geheizt werden, um Eisbildung zu verhindern oder dieses abzuschmelzen.
Das Observatorium ist ständig von einer etwa vierköpfigen Mannschaft besetzt. Oft kommen in der Woche auch ein paar Ingenieure auf den Berg. Es gibt zwei Operateure, die für den technischen Betrieb zuständig sind. Beide arbeiten in 12-Stunden-Schichten, so daß ein Operateur ständig verfügbar ist. Hinzu kommt ein "Astronom vom Dienst", der Gastbeobachtern helfen soll. Eine Köchin vervollständigt die Truppe. Typischerweise bleibt man für vielleicht fünf Tage auf dem Berg, bevor die Ablösung erfolgt.
Das IRAM-30-Meter-Teleskop (es heißt wirklich so; weder ein Akronym, noch eine Abkürzung hat man sich einfallen lassen) befindet sich auf der westlichen Flanke des Pico Veleta (3394 m) in 2920 Metern Höhe. Konstruiert wurde es in den 70'er Jahren von Krupp-MAN und dem MPIfR in Bonn. Der Aufbau begann 1980, erste Beobachtungen fanden 1984 statt.
Das Instrument ist für Wellenlängen von 3 bis 1 Millimeter ausgelegt. Bei diesen Wellenlängen können Teleskope wie das Effelsberg-100m-Teleskop nicht beobachten, da die Reflektor-Oberflächen zu grob sind. Zudem stehen "normale" Radioteleskope nahe dem Meeresspiegel, haben also viel Erdatmosphäre über sich - was bei dem IRAM-30m-Teleskop eben nicht der Fall ist.
In unmittelbarer Nähe befindet sich eine große Seilbahn-Station (siehe Abbildung 1) und Hotels sind wenige Kilometer entfernt. Strom war deshalb rasch verfügbar; ein Bodenkabel stellt heute die Versorgung sicher. Für Notfälle (man denke an Tagelange Schneestürme) existiert ein Stromaggregat. Die Hotels beziehen Wasser aus Bergseen, die teilweise noch oberhalb des Observatoriums liegen. Diese Ressourcen zapft auch das Observatorium an. Das Wasser wird gefiltert - ist aber nicht trinkbar! Alle Waschbecken im Hause sind mit Warnaufklebern versehen. Man muß auf Getränkeflaschen zurückgreifen um den Durst zu stillen. Telefon- und Internetanbindung erfolgen per Richtfunk.
IRAM
betreibt das 30m-Teleskop und das Plateau-de-Bure-Interferometer (PdBI) in den französischen
Alpen. Das IRAM-Hauptquartier ist in Grenoble zu finden. IRAM wurde 1979 von der deutschen Max-Planck-Gesellschaft
und der französischen CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique; etwa nationales
Naturwissenschaft-Forschungszentrum) gemeinsam gegründet. Beide Partner sind gleichberechtigt. Später
beteiligte sich die spanische IGN (Instituto Geografico Nacional) mit 6% an IRAM.
Natürlich waren Alexandre und ich sehr darauf gespannt nun selbst das Teleskop zu steuern. Dies erfolgt über einen Linux-PC, von welchen wiederrum der Teleskop-Kontrollrechner angesteuert wird. Die Bedienung erfolgt über getippte Kommandos und erinnert an Kommandozeilen-Modi von Betriebssystemen. Tippt man den passenden Befehl ein, so fährt das Teleskop zu einer Position und führt dort Messungen durch. Dieser Vorgang wird als Scan bezeichnet.
Bei Bolometer-Beobachtungen gibt es prinzipiell fünf Scan-Typen. Zunächst sind da die Fokus-Scans. Man beobachtet eine helle Quelle (Astronomen sprechen immer von "Quellen" wenn sie Himmelsobjekte meinen) und stellt an ihr das Teleskop scharf. Man kann bei der Gelegenheit auch prüfen, ob das angefahrene Objekt in der Bildmitte liegt. Ist dies nicht der Fall, so kann man die Teleskopausrichtung korrigieren. Man spricht hierbei von Pointing-Scans. Dann muß man wissen, wieviel Strahlung die Atmosphäre von den Quellen am Himmel zum Boden durchläßt. Dies leitet man aus Skydips ab. Dabei mißt man das Eigenleuchten der Atmosphäre bei mehreren Zenitdistanzen.
Und dann sind da noch die eigentlichen Beobachtungen. Manchmal möchte man nur die Helligkeit einer kleinen Quelle bestimmen. Dann macht man On-Off-Beobachtungen. Man blickt im raschen Wechsel auf ("on") und neben ("off") die Quelle und bildet die Differenz zwischen dem On-Signal und dem Off-Signal, das der Quellenhelligkeit entspricht. So kann die störende Eigenstrahlung der Erdatmosphäre abgezogen werden. Übrigens schwenkt man nicht das Teleskop selbst zwischen On- und Off-Position - dies ist zu langsam -, sondern verkippt dazu den Sekundärspiegel, der auch Wobbler genannt wird, zweimal pro Sekunde.
Schließlich gibt es Kartierungs-Scans. Man nutzt diese Methode um ausgedehnte Regionen aufzunehmen. Das Teleskop schwenkt dabei parallel zum Horizont, nickt dann z.B. geringfügig "nach oben" und fährt dann in die umgekehrte Richtung parallel zum Horizont. Dieser Vorgang wiederholt sich bis schließlich die zu kartierende Region überdeckt ist. Besonders hierbei nutzt es, daß das Bolometer nicht einen Empfänger enthält, sondern mehrere Dutzend. Man spricht auch von Bolometer-Kameras. MAMBO-117 hat beispielsweise sozusagen 117 Pixel.
Aber das ist alles Theorie. Man gibt beispielsweise source Mars ein, tippt dann p40,
und schon steuert das Teleskop den Planeten Mars für einen Pointing-Scan an. OnOff-Scans sind ebenso
einfach. Nur bei Karten muß man ein paar mehr Angaben machen, die aber alle in eine Zeile passen.
Rasch hatten Alexandre und ich uns eingelebt; wir schliefen zu den beklopptesten Tageszeiten für insgesamt 5 Stunden täglich. Etwas apathisch hockten wir an den diversen Rechnern. Es zeigte sich rasch, daß Alexandre geschickt in der Erstellung von HTML-Seiten ist. Frank beauftragte ihn mit der Erstellung eines elektronischen Logbuches, welches über PHP-Skripte automatisch Buch über die diversen Beobachtungsprojekte führt. Frank brütete entweder über einer neuen Software zur Auswertung von Bolometer-Beobachtungen oder rätselte warum das Bolometer manchmal verrauschte Daten ausspie. Ich befaßte mich mit der Teleskopsteuerung.
Bei den Bolometer-Beobachtungen hatte ich "den Bogen schnell raus". Während eine Beobachtung lief
wählte man mit dem Sternkartenprogramm (wir nutzten
XEphem,
ein kostenloses UNIX-Programm das für Amateurastronomen gedacht ist; man kann dort eigene Objektkataloge
laden) das nächste Ziel aus und lies das Teleskop dann dorthin fahren. Ab und zu ein Pointing dazu, hier und
da Focus-Scans sowie etwa alle zwei Stunden ein Skydip und die Sache lief. Manchmal kam man mit dem Schreiben des
Logbuches zwar kaum nach, aber insgesamt eine lösbare Aufgabe.
Aber da gab es noch die Heterodyn-Beobachtungen. Und da hatte ich den Bogen weit weniger 'raus. Alle zwei Tage unterbrachen wir die Bolometer-Beobachtungen für einige Stunden um das Helium nachzufüllen. Die Zeit wurde mit Heterodyn-Projekten gefüllt. Hierbei müssen die Empfänger speziell abgestimmt werden. Dies sollte eigentlich anhand der den Beobachtungsanträgen beiliegenden Instruktionen zu schaffen sein. Aber ich hatte direkt bei meinem ersten Versuch Pech.
Ich hatte Gabriel, den Astronomen vom Dienst, gebeten, mir bei der Ausführung des Projektes zu helfen. Doch bald gerieten die Vorbereitungen ins Stocken: die Steuersoftware spie reichlich Fehlermeldungen aus. Dies geschah, als wir die vom Antragsteller geschriebenen Skripte aufriefen, die die nötigen Voreinstellungen übernehmen sollten. Aber die setzten Parameter auf Werte, die die Instrumente nicht ausführen konnten. Genervt korrigierte Gabriel die für mich kryptischen Skripte.
Endlich konnten wir das Teleskop auf eine Kalibrationsquelle ausrichten - doch die sahen wir nicht. Mit immer höherer Stimmlage stieß Gabriel sein "Completely Stupid!" hervor. Es zeigte sich, daß die Quellen im Katalog vom Antragsteller im falschen Koordinatensystem angegeben waren. Das Teleskop schaute dadurch an den Quellen vorbei. Auch der Operateur schüttelte nur noch den Kopf. Schließlich lief die Sache endlich. Dieses Erlebnis, mit den wütenden IRAM-Angestellten um mich herum, führte zu einer Aversion gegen Heterodyn-Beobachtungen bei mir.
Mit anderen Skripten dieses Projektes hatten wir in den folgenden Tagen ähnliche Probleme. Das Ganze wurde fast zum "running gag", der sich über einen Großteil meines Aufenthaltes hinzog. Wir kontaktierten den Antragsteller auch in dieser Zeit, um abzuklären, ob die von uns vorgenommenen Korrekturen in Ordnung waren. Dabei entschuldigte sich der Antragsteller dann auch vielmals. Er hatte mit diesem Teleskop bisher noch nicht zuvor beobachtet.
An Skydips hatte ich meine besondere Freude. Wie oben gesagt mißt das Teleskop dann
bei verschiedenen Zenitdistanzen die Eigenhelligkeit der Atmosphäre. Man gab also bt für
"Bolotip" ein, und lief dann schnell an ein Fenster oder stellte sich nach draußen. Durch den
Befehl schwenkte die Schüssel nun zunächst nach oben, in Richtung Zenit, verblieb dort um einige Sekunden
zu messen, und schwenkte dann zu sechs weiteren, tieferliegenden Positionen, um ebenfalls zu messen.
Es war immer sehr beeindruckend, wenn die gigantische Schüssel sich bewegte. Und bei Skydips hatte man die Zeit ihr dabei zuzusehen. Nach jeder Messung heulten die Motoren auf um die Schüssel neu auszurichten. Und wenn in der untersten Meßposition der unterste Schüsselrand zum greifen nahe über dem Erdboden hing, so strebte danach das Teleskop mit wieder aufkreischenden Motoren nun der nächsten Quelle entgegen.
Die angefahrenen Objekte wurden nach den Wetterbedingungen ausgewählt. Durch die Skydips kannten wir die Durchlässigkeit der Atmosphäre. Unter sehr guten Bedingungen lies die Atmosphäre im Zenit 95% der Strahlung durch. Unter schlechteren Bedingungen können es 70% und weniger sein. Und blickt man nicht senkrecht nach oben sondern "schräg" durch die Atmosphäre, so ist der Weg der Strahlung durch die Erdatmosphäre länger und noch weniger Strahlung erreicht das Teleskop.
Wolken stören ebenfalls, da dann der Himmel nicht homogen ist, sondern lokal durch die Eigenschaften der Wolken beeinflußt wird. Besonders kritisch ist dies bei Kartierungen. Dann bildet man nicht nur die Strukturen der astronomischen Objekte, sondern ebenfalls den Aufbau der Wolke ab die gerade durch das Blickfeld zieht.
Bei schlechterem Wetter betrieben wir entweder Heterodyn-Projekte, die unempfindlicher gegenüber dem Wetter sind, oder wir machten Testmessungen am Bolometer. Dies kann auch bei geschlossenem Vertex getan werden. Man läßt das Bolometer auf eine Absorbermatte aus Kunststoffschaum blicken. Für viele Tests genügte dieser Aufbau.
Zu einem dieser Tests begab ich mich in die Empfängerkabine und stöpselte Franks Angaben folgend paar Kabel ein und aus, während vom Kontrollraum aus Befehle an das Bolometer gesandt wurden. Eigentlich eine angenehme Aufgabe: Ich stand in der warmen Kabine deren Luft von leichtem Industriefett-Dunst durchsetzt (was einem wahren Remscheider des Herz weitet) und vom zyklischen Pfeifen der Kühlpumpen erfüllt war; die stählernen Bodenplatten zitterten unter den Vibrationen der diversen Aggregate im Teleskop. Eine beeindruckende Szenerie. Aber als wir anfingen war es bereits 22:00 Uhr und die Lider wurden langsam schwer, was dieser Maschinen-Romantik leicht abträglich war.
Teilweise rauschten die Verstärker der Bolometer-Signale, teilweise harmonierte die Kommunikation zwischen dem Teleskop und dem Bolometer-Steuerrechner nicht. Es gab mehrere Probleme, die teilweise nicht zu lösen waren. Nachdem ich das Observatorium verlassen hatte wechselte man dann auch von MAMBO-117 zu dem alten MAMBO-37, welches sozusagen 37 Pixel besitzt.
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| Abbildung 6: Der Kontrollraum. Rechts im Bild der Arbeitsplatz der Astronomen. Links ist das Kontrollpult der Operateure zu sehen. Vom Arbeitsplatz aus hat man keinen Blick auf das Teleskop. Am Astronomen-Arbeitsplatz sitzt F. Bertoldi, links der Operateur Manolo Ruiz. |
Auf diese Weise vergingen viele Tage. Den größten Teil der Zeit verbrachte ich im Kontrollraum, manchmal beobachtend, manchmal mit anderen Aufgaben befaßt. Selten verbot das Wetter alle Beobachtungsprojekte.
Und so saß man dann am Kontrollpult, die diversen - faszinierenderweise sogar alle nötigen - Monitore im Blick. Manche geben Auskunft über den technischen Status des Teleskops, andere informieren über die Qualität der aufgenommenen Daten, und dann läuft noch das Sternkartenprogramm und auch das Eingabefenster für die Teleskopsteuerung.
Leider gab es eine ständig offene Gegensprechanlage zur Empfängerkabine. Die war nötig damit man merkte, ob ein Gerät zu klappern anfing oder andere Fehlfunktionen sich akustisch äußerten. Dadurch hörte man ständig das nervende Pfeifen der Kühlpumpen. Doch der Experimentalphysiker schafft sich Abhilfe: Immer legten wir irgendwelche Papiere oder anderen Kleinkram auf den Kasten, um die Geräuschkulisse zumindest etwas zu dämpfen.
Oft gab es Computer-Probleme. Der Steuerrechner IRAMEA ist eine uralte VAX-Maschine, die noch an C64-Zeiten erinnert. Dieser stürzt generell aus unbekannten Gründen etwa 5 Stunden nach der wöchentlichen Wartungspause am Dienstag ab. Manchmal tut er es aber auch zwischendurch. So begannen wir am Abend des 15. Dezember, einem Samstag, endlich nach einem Tag Schneesturm wieder mit den Beobachtungen. Doch gegen 22:45 Uhr passierte es: Das Netzwerk brach gänzlich zusammen.
Teresa, eine gerade neu eingestellte, sehr junge Operateurin, hatte Dienst. Sie saß nebenan im Büro als das Schauspiel begann. Es fing harmlos an. Die zwei Paar Winkelgeber am Teleskop (zwei Kreise für den Fall von Defekten in einem Kreis) maßen unterschiedliche Teleskop-Positionen. Dann aber strebte das Teleskop Objekten entgegen, die wir nicht eingegeben hatten. Und wollte mit den Messungen dort gar nicht mehr aufhören.
Wenn Computer-Befehle nicht mehr weiterhelfen, so ist der Reset immer noch die Beste Lösung. Also IRAMEA ausschalten, einschalten - und Fluchen. Nun lief gar nichts mehr. Mit etwas knittrigen Gesichtszügen teilte Teresa uns mit, daß nun wohl größere Teile des Systems neu gestartet werden müßten. In der folgenden dreiviertel Stunde wurde vielleicht die Hälfte der Rechner im Kontrollraum - teilweise mehrfach - zurückgesetzt. Aber dann lief die Chose um Mitternacht endlich wieder. Wir hatten eine Stunde verloren.
Teresa hatte sicherlich keine Schuld an den Auswüchsen des Absturzes. Das gesamte Kontrollsystem ist einfach uralt. Man verwendet noch das CAMAC-Bussystem, über welches die Kommunikation aller Systemkomponenten läuft. Hierfür gibt es heute noch nicht einmal mehr Ersatzteile! Man hält sich deshalb einen Haufen Elektroschrott, der nach Bedarf ausgeschlachtet wird. Doch Rettung naht. In den nächsten Jahren soll das "Future Control System" eingeführt werden.
Ich hatte trotzdem oft Gelegenheit mit den IRAM-Angestellten und den Gast-Beobachtern zu plaudern. Da gab es beispielsweise den vom Leben gebeutelten Ingenieur, der von Wechseln zwischen diversen Observatorien berichtete, seine 100$-Scheidung in den USA ausführte und auch einige bittere Töne für das MPIfR, meinem Arbeitsplatz, überhatte.
Sehr gefreut hat mich auch die Gesellschaft von Pierre Cox, einem der leitenden Köpfe bei der Ausarbeitung
von ALMA, dem
Atacama-Large-Milimeter-Array.
Dieses Instrument stellt Observatorien wie das europäische
VLT
von der Komplexität her weit in den Schatten. Hier werden 50 bis 90 15-Meter-Radioteleskope in Chile
aufgestellt und zu einem Riesen-Teleskop zusammengeschaltet. Das Resultat wird - gegen 2007 - vom Aufbau her
vergleichbar dem bekannten
VLA
(z.B. aus dem Film "Contact") in New Mexico sein.
ALMA stellt eine ungeheure Herausforderung dar. Zunächst zwingen die hohen Kosten für das Projekt zu internationaler Zusammenarbeit - mit den entsprechenden Zuständigkeitsgerangel. ALMA ist die erste "Welt-Observatorium": Europa, die USA und Japan arbeiten zusammen. Dann gibt es das Produktions-Problem: Wer baut bis zu 90 Empfänger für die Teleskope? Und ist bereit sich nach der Bauphase, nach der es nur kleine Wartungsarbeiten zu erledigen gibt, wieder feuern zu lassen? Schließlich muß das Instrument auch noch aufgebaut werden - auf 5000 Metern Höhe. Dies werden chilenische Indios tun müssen, die an diese Höhen gewöhnt, aber noch zu schulen sind.
Wenn das Instrument einmal steht wird es phantastische Möglichkeiten eröffnen. Theoretisch sollten sich gar Asteroiden bei anderen, sonnennahen Sternen nach nicht ganz 200 Stunden Meßzeit nachweisen lassen. Noch ist es aber ein weiter Weg dorthin. Gegenwärtig werden die Teleskop-Prototypen schon erprobt (die kommen aus der Wirtschaft), aber die Empfänger werden noch konstruiert (die kommen aus der Wissenschaft). Nicht zuletzt ist eine ungeheure Programmierarbeit zu leisten: ALMA wird eine der komplexesten je gebauten Maschinen sein.
Pierre setzte mir nicht nur die ALMA-Probleme auseinander und erläuterte mir gern ein paar aktuelle Fragen der Sternentwicklung - er beschämte Alexandre und mich auch ständig beim Billard. Wenn wir einmal Zeit hatten, übten wir uns hier. Aber Pierres Erfahrung aus vielen Jahren Pariser Nachtleben hatten wir nichts entgegenzustellen.
Manchmal verließ ich das Gebäude für einige Minuten um mich an der Landschaft zu ergötzen. Von 3000 m aus hatten wir phantastische Sicht ins Umland. Oft waren die Täler mit Wolken gefüllt, während das Observatorium sich unter strahlend-blauem Himmel sonnte. Auch die Sonnenuntergänge waren spektakulär. Die Temperaturen lagen knapp unter dem Gefrierpunkt und Schnee lag nicht viel.
Ständiger Begleiter bei meinen Exkursionen war die Geräuschkulisse des Teleskops. Die Klimaanlage zur beheizung der Teleskoprückseite (siehe Abschnitt Das IRAM-30m-Teleskop) und der Wobbler (siehe Abschnitt Mein erster "Scan") machten einen Höllen-Lärm! Besonders der Wobbler - sein Geräusch war so angenehm wie ein zweimal pro Sekunde vom Nachbarn zwei Etagen tiefer geschwungener Hammer - konnte nerven: Ein besuchender Ingenieur vermochte nicht bei geöffnetem Fenster zu schlafen.
Wenn man sich zu sehr körperlich betätigte, so wurde man doch daran erinnert, daß man sich auf 3000 m Höhe befand. Mehr als einmal mußte ich nach zu raschem Treppensteigen innehalten. Solch ein Aufenthalt in diesen Höhen war eine weitere interessante Erfahrung. Insbesondere trocknet man dort schnell aus. Ständig schleppte ich eine Pulle Wasser mit mir herum.
Das Essen war zum Teil sehr gut. Zu Mittag und Abend gab es warme Mahlzeiten. Die ganze Zeit über hatten wir Zugriff auch die Kühlschränke und -räume. In der Garage stapelten sich auf mehreren Quadratmetern die Getränkekartons bis an die Decke (ein Lastwagen bringt im Herbst die Vorräte für den Winter). Ein wahres Schlaraffenland, denn angeschrieben wird auf dem Berg nicht.
Vor dem zweiten Wochenende, am Freitag, den 14. Dezember, verließen Frank und Alexandre den Berg. Ich blieb mit Pierre und Frederic Damour, dem Astronom vom Dienst, zurück. Es sollte eine relativ entspannte Zeit werden. Bereits nach kurzer Zeit zogen immer dichtere Wolken auf und schließlich brach ein Schneesturm los.
Tagsüber richtig ausschlafen, am Abend Zeit für eine gemütliche Runde - herrlich! Zwischendurch schrieb ich ein paar Informationen zur Computer-Nutzung nieder und Pierre arbeitete an einem Artikel für die Fachpresse. Allerdings war ich doch von den vergangenen Tagen recht angeschlagen und spürte dies am Abend deutlich. Pierre, ein Cinéast, schlug vor einen Film aus dem reichhaltigen Angebot auf dem Berg anzusehen. Unverständlicherweise gibt es nur spanischsprachige Videos, obwohl ständig internationale Gäste zu Besuch sind. Aber ich war an diesem Wochenende als Einziger nicht des Spanischen mächtig und hätte wohl selbst einem deutschsprachigem Werk nicht folgen können. Ich ließ mich von den Bildern einlullen, verabschiedete mich bald nach Filmende und schlief unter dem beruhigenden Rauschen der an mein Fenster trommelnden Eisnadeln ein.
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| Abbildung 7: Das Teleskop in Parkposition. Auf der Rückseite des Teleskops fährt eine Schutztür herab um die Schwenk-Mechanik zu schützen. Sehr gut ist die Verkleidung der Rückseite der Schüssel zu sehen. |
Während Sturmperioden wird das Teleskop geparkt. Es fährt in eine spezielle Position und Bolzen blockieren die Schüssel. So gesichert kann das Teleskop Stürme mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h abwettern. Natürlich ist auch der Vertex geschlossen. Auch die Mechanik um Nickbewegungen auszuführen wird von einer Schutztür abgedeckt. Nach sehr schweren Stürmen können die Bolzen leicht verzogen sein. Dann muß, da die Antriebe durch die Software gesichert sind, das Teleskop per Handkurbel bewegt werden, bis die Bolzen locker sind und einfahren.
Auch am Samstag stürmte es weiter. Gelassen widmeten wir uns wieder den Arbeiten bis in den Abend hinein. Langsam besserte sich das Wetter. Dann beschlossen die Operateure das Teleskop wieder in Betrieb zu nehmen. Durch den Sturm waren nicht beheizte Teile des Teleskops und auch das Hauptgebäude selbst mit einer vielleicht zwei Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. Eiszapfen von einigen Dezimetern Länge hingen an den Streben über dem Hauptreflektor. Diese mußten nun abgeschlagen werden.
Dazu gibt es einen fest installierten Steiger am Teleskop. Auf einer vielleicht im Quadrat einen Meter durchmessenden hydraulischen Stütze ist eine Arbeitsplatform befestigt, die bis zum Sekundärreflektor hinauf fahren kann. Teresa und Frederic fuhren dick eingemummt (nun war es doch recht frisch geworden) auf dieser spillerigen Konstruktion hinauf. Mit langen Stangen schlugen sie das teils hartnäckige Eis ab. Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Ich beobachtete die Aktion von der Tür des Hauptgebäudes aus. Trotzdem segelte einmal ein kiloschwerer Eisbrocken nur eine Handbreit an meinem Kopf vorbei, nachdem es sich vom Dach des Hauptgebäudes losgerissen hatte. Direkt unter der Schüssel war es lebensgefährlich. Teresa und Frederic waren mit Helmen geschützt.
Nach dieser Auftauaktion hatten wir dann den oben genannten Netzwerk-Crash. Auch hatten wir eine sehr klare, aber offenbar höchst turbulente Atmosphäre: Meßergebnisse für schwache Objekte schwankten stark von Messung zu Messung. Zeitweilig vermuteten wir auch wieder einen neuen Bolometer-Defekt. Ansonsten verlief die Kampagne weiter wie gewohnt. Bald kam für mich der Tag der Abreise.
Gegen 4:00 Uhr weckte mich Pierre um ihn abzulösen. Wir verabschiedeten uns schon einmal, da ich ihn bis zu meiner Abreise nicht mehr sehen würde. Dann beobachtete ich ein paar Stunden lang, bis Frederic mich ablöste um mir Gelegenheit zum Packen zu geben. Schließlich bestellte Manolo Ruiz, der diensthabende Operateur, den Ratrac um mich abzuholen. Es stellte sich heraus, daß an jenem Tag für mich ganz allein ein Transport organisiert wurde. Weder sollten Personen zum Observatorium kommen, noch gab es außer mir Kunden für einen Rücktransport.
Als uns dies klar wurde, fragte Manolo mich noch, ob ich vielleicht lieber mit dem Motorschlitten abgeholt werden wollte. Begeistert bat ich ihn einmal bei CETURSA, dem Ratrac-Betreiber, nachzufragen. Aber die hatten den Ratrac schon losgeschickt, und so mußte ich mit dessen Beifahrersitz vorlieb nehmen.
Der Abstieg zur Seilbahn-Bergstation war durch die nach dem Schneesturm dicke Schneeschicht viel angenehmer. Radebrechend plauderte ich auf französischem Englisch-Deutsch mit dem Fahrer, während wir der Station entgegenglitten. Dort angekommen bugsierte er mich durch die in der scheinenden Sonne herumwuselnden Ski-Touristen zum Lift (die Straße war nun gänzlich unbefahrbar). Während alle anderen an diesem Morgen dem Gipfel entgegenstrebten schwebte ich in meiner Gondel allein ins Tal hinab. Dort empfing mich der IRAM-Fahrer, der mich vor einer Woche zum Observatorium gebracht hatte, und lud mich nach einstündiger Fahrt im IRAM-Hauptquartier ab. Ich hatte nun noch einen Tag auf meinen Rückflug zu warten. In der Residençia war noch kein Zimmer für mich vorbereitet. Ich lud also mein Gepäck irgendwo ab und machte mich auf den Weg Granada zu erkunden.
Granada ist von erheblicher geschichtlicher Bedeutung. In den 710er und 720er Jahren wurde Spanien von den muslimischen Mauren von Afrika aus erobert. Erst hinter der Grenze zum heutigen Frankreichs wurde den vom noch jungen Glauben Mohammeds beseelten Truppen Einhalt geboten. Sie errichteten am Rande des muffigen Zentraleuropas ein wirtschaftlich blühendes, auch Wissenschaft und Kunst verschriebenes Reich.
Ab dem Jahre 1000 aber zerfiel das Kalifat von Córdoba langsam. Zunächst stritten sich die maurischen Feudalherren untereinander - ein bewährter Weg mühsam erobertes Territorium wieder zu verlieren, wie auch die Kreuzfahrer nach 1100 bei ihren skurrilen Streitereien untereinander feststellen sollten. In dieser Periode gewann das Königreich Granada großen Einfluß. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurden dann die christlichen Vorstöße immer erfolgreicher.
Trotzdem holte Sevilla nun aus Afrika neue muslimische Parteien ins Land, um interne Konflikte auszufechten - mit dem Resultat, daß das ehemalige Kalifat nun an die afrikanischen Almoraviden fiel. Diese vertrieben die spanischen Muslime aber bald wieder, um aber erneut Mitte des 12. Jahrhunderts, nun durch die Almohaden, unter afrikanische Herrschaft zu geraten.
Die wehrten sich auch zunächst recht erfolgreich gegen die immer besser kooperierenden Christen im Norden der iberischen Halbinsel. Nach 1200 setzte dann aber unaufhaltsam der Niedergang des muslemischen Reiches in Spanien ein. Gegen 1230 war die seit 1031 laufende christliche Rückeroberung Spaniens, die Reconquista, fast abgeschlossen. Nach diversen Rückzugsgefechten gaben die Almohaden Spanien auf - bis auf ein im Süden gelegenes, mächtiges Königreich, nämlich Granada.
Dieses sollte sich noch über 200 Jahre lang, bis 1492, behaupten. Die Herrscher begannen zunächst damit, die bereits seit dem 9. Jahrhundert auf einem Felsen über der Stadt liegende Festung auszubauen. In den kommenden Jahrzehnten sollte aus der Feste ein einzigartiges Monument menschlicher Kunstfertigkeit werden. Meisterhaft gestaltete, angenehm zurückhaltende Paläste wurden mit paradiesischen Gärten umgeben. Dieses Meisterwerk - gleichzeitig bedeutendstes Relikt der Epoche blühender islamischer Kultur in Europa - ist als die Alhambra bekannt geworden. Und genau da wollte ich nun hin.
Dazu bahnte ich mir durch die weit weniger blühende Gegenwart Spaniens meinen Weg. Auf beiden Straßenseiten erhoben sich vielleicht hundert jahre alte, melancholisch zerfallende Bauten; die Szenerie wurde von Sonne und Staub in Pastellfarben gezeichnet. Nachts sah man sogar auf offener Straße Menschen in Müllhaufen wühlen. Vielleicht betrachtete ich Granada zu sehr durch die zentraleuropäische Brille: Gefallen habe ich an Granada selbst keinen gefunden.
Da war die
Alhambra,
die ich nach halbstündigem Fußmarsch erreichte, schon eher nach meinem Geschmack. Von außen sind
zunächst nur lehmrote, glatte Festungsmauern zu sehen. Eine Szenerie, wie man sie aus diversen Dokumentationen
und Spielfilmen kennt. Nur die recht üppige europäische Pflanzenwelt paßte nicht in das Bild.
Dieser Dezembertag war mit vielleicht 10°C, strahlender Sonne und nicht zu großem Besucheransturm (nur
hunderte, nicht tausende Touristen) ein idealer Besuchstag. Zunächst besuchte ich den Herrscherpalast
(
Lageplan
der Anlage). Die islamischen Wurzeln haben die diversen hier untergebrachten christlicher Herrscher auch nicht
ansatzweise übertünchen können. Alle Bauten sind von den Dimensionen eher bescheiden, wenn auch sehr
kunstvoll ausgestattet. Ich passierte unter anderem auch jenen bekannten Löwenbrunnen.
Besonders beeindruckt haben mich immer wieder die filigranen Reliefs an Wänden und Decken. Flächen von vielen Quadratmetern waren zu einer Zeit, in der auf deutschen Boden Fürsten in groben, zugigen Burgen hausten, millimetergenau bearbeitet worden. Gerade in der Zeit nach dem 11. September 2001 ein Faktum, welches man sich regelmäßig vor Augen halten sollte: Gegenwärtig ist die islamische Welt sicherlich in der Krise - vor weniger als 900 Jahren, in der Zeit der Kreuzzüge, aber waren es die ungewaschenen Christen, welche versuchten die zivilisierte (damals muslimische) Welt auszuradieren.
Neben den Palästen liegen einige Moscheen. Vor allem hier kleben unglaubliche, wuchtige Verzierungen waghalsig an der Decke. Heute sind die Farben, in denen einst alles gestrichen war, verblaßt. Vor Jahrhunderten müssen die Hallen doppelt prächtig gewesen sein. Die Wohngebäude erinnern wenig an bekannte islamische Bauweisen. Neben den Gebäuden liegen ausgedehnte Gärten. Überall ist Wasser ein prägendes Gestaltungsmittel. Über die Fußböden der Paläste fließen hier und dort kleine Bäche, auf Gartentreppen muß man um die eingelassenen Wasserrinnen herumtapsen. Das hydraulische System ist eine technische Meisterleistung.
Dann betrat ich die benachbarte Feste. Abgesehen von den glatt verputzen Wänden unterschied sich dieser Bau nicht groß von unseren Burgen. Bei den Überresten der Wohngebäude im Burghof gibt es aber wieder faszinierende Unterschiede: Die Herren von Weilburg galten als spleenig als sie in der Renaissance für fließendes Wasser im Schloß sorgten. In Granada hatten dieses bereits Jahrhunderte zuvor die einfacheren Gebäude, wie man an den Rinnen im Boden erkennt! Von einem der Türme erhaschte ich noch einen letzten Blick auf das weit entfernte Observatorium.
Neben den alten, maurischen Palästen errichtete Karl V. eine Residenz, welche in dieser Umgebung nicht besser die Unterschiede zwischen Orient und Okzident darstellen könnte. Statt auf pastellfarbenen, lebendigen Lehm trifft man hier auf toten, kalten Stein. Eine Arena beklemmenden Ausmaßes ist Mittelpunkt dieses jämmerlichen und fehlgegangenen Versuchs den Triumph der Christenheit über die Heiden bildlich darzustellen. Traurig ist vor allem, daß hierfür intakte maurische Bauten eingerissen wurden.
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| Abbildung 8: Blick vom Generalife auf die Alhambra. |
Neben der Alhambra gibt es noch die Sommerresidenz, den Generalife (werfen Sie einen Blick auf den
Lageplan).
Auch hier haben sich die Landschaftsbauer ausgetobt. Allerdings ist es zweifelhaft wie stark hier noch
ursprüngliche Muster sichtbar sind: der ursprüngliche Garten liegt einen halben Meter tief unter dem
später neu aufgetragenen Boden. Wieder begegneten mir sehr zurückhaltende Villen. Bei diesen Häusern
hatte man noch stärker als zuvor Wasser zur Gestaltung eingesetzt. Durch die Innenhöfe rauschen ganze
Bäche, bei einer Treppe - vielleicht erst nach dem Untergang der maurischen Herrscher gebaut - bilden
Wasserrinnen das Geländer.
Nun hatte ich mich aber endgültig sattgesehen. Ich ging noch kurz in das unterhalb gelegene Muslim-Viertel. In diese Gettos hatte man nach dem endgültigen christlichen Sieg die Heiden verwiesen. Noch heute findet man hier sehr enge Gassen. Manchmal rasen hier Autos in halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die ganz knapp PKW-breiten Kopfsteinpflaster-Straßen am Besucher vorbei. Viele Familien leben wegen Enge und angenehmem Klima halb auf der Straße: Mehr als einmal hatte ich von der staubigen Gasse aus freien Blick in die belebte Stube.
Auch wenn mich dieses Viertel gleichzeitig abstieß und faszinierte, der erhaltene Bazar lockte und die prächtige Kathedrale - wie viele Gotteshäuser in Granada z.T. aus Moscheen hervorgegangen; hier und da läutet die Glocke in einem ehemaligen Minarett - direkt auf meinem Weg lag, so konnte ich mich doch dem Ruf nach dem Bett nicht entziehen. Ich ging also zur Residençia, holte meinen Schlüssel ab, suchte noch einen Supermarkt auf und legte mich hin.
Gegen 21:00 Uhr zwang ich mich noch einmal dazu ein Restaurant zu suchen. In der Nähe der Stierkampf-Arena wurde ich fündig. Wie viele Geschäfte in Granada war auch dieser Laden eine Mischung aus Kneipe und Restaurant. Hier stand ein Tresen, dort waren ein paar Tische. Natürlich hingen am Tresen die in Granada omnipräsenten luftgetrockneten Schinken. Auch auf dem Berg hatte uns eine Keule, eingespannt in einem am Horrorfilme erinnernden Schinken-Schraubstock (gerade die spanische Inquisition war ja bekannt für kreatives Foltern), zur freien Verfügung gestanden.
Ich wählte aus der spanischsprachigen Karte, bekam bei meinem ersten Bestellversuch vom Ober, als dieser erkannte, daß er es mit einem Ausländer zu tun hatte, eine englischsprachige Karte, studierte diese erneut und war verdammt stolz auf meine nicht vorhandenen Sprachkenntnisse, als ich feststellte, daß ich schon beim ersten Versuch genau das richtige Gericht gewählt hatte.
Während ich meine Eier mit Speck, Fleisch und Oregano-Olivenöl-Tomate (letzteres sehr empfehlenswert) verputze und einen irritierten Blick auf die nebenan sitzenden Ärzte in weißem Kittel und grünem OP-Dress warf (auch die Stethoskope hatten sie nicht im gegenüberliegenden Krankenhaus zurückgelassen), sinnierte ich ein wenig über die faszinierende, sehr lebendige spanische Lebensweise, vergangene Perioden der europäischen Geschichte und den Nutzen von Beobachtungsaufenthalten in meinem Lebenslauf nach.
Insgesamt war die Reise ein faszinierendes Erlebnis gewesen - ich hatte es aber auch nicht anders erwartet. Neben handfesten Erfahrungen mit (nicht immer fehlerfrei arbeitenden) Beobachtungsgeräten hatte ich Begegnungen mit interessanten Menschen und einen, wenn auch knappen, Einblick in Kultur und Geschichte eines von mir seit langen Zeiten nicht mehr besuchten Landes. Ich würde die Reise natürlich wiederholen - auch wenn es beim nächsten Mal ruhig etwas mehr Nachtruhe geben darf.
v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de