AVRS WebJournal Ausgabe 1/2004 Astronomischer Verein Remscheid e.V.

Kurznachrichten aus Astronomie und Raumfahrt

zusammengestellt von Jens Kauffmann

Auf dieser Seite sind Pressemeldungen aus dem vergangenen Quartal gesammelt und ansatzweise ausgewertet. Die Masse an Ereignissen und Ergebnissen in Astronomie und Raumfahrt verbietet es, selektiv einige wenige Meldungen herauszugreifen und ausführlich darzustellen. Statt dessen sind die Meldungen thematisch geordnet und meist mit Verweisen auf ausführlichere Artikel versehen.

Neues zu Vorgängen im AVRS finden Sie nicht in dieser Rubrik! Sehen Sie dazu in der Rubrik "Aus dem Verein" auf der Titelseite nach.

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Inhalt

Amateurastronomie

Teleskope & Observatorien

Raumfahrt

Erde & Sonnensystem

Exoplaneten

Sterne, Gasnebel & Galaxien

Kosmologie

Fundamentale Physik

Wesentliche Quellen:

Andere Nachrichtendienste:

Siehe zu diesem Thema auch die Sammlung von Online-Nachrichtendiensten.

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Amateurastronomie

Sonnenflecken & Polarlichter

Ab dem 17. Oktober 2003 zeigten sich gigantische Sonnenflecken auf unserem Mutterstern, die in der Folge auch heftige geomagnetische Stürme und Polarlichter nach sich zogen. Lesen sie hierzu den Bericht zur Sonnenaktifität in der Sparte Erde & Sonnensystem.

Sonnenfinsternis

Am 23. November fand die erste jemals vom Südpol aus beobachtete Sonnenfinsternis statt. Auf abenteuerlichen Wegen hatten sich hierzu vor allem Amateurastronomen und Kamerateams auf den südlichsten Kontinent begeben, auch ein paar Wissenschaftler traten die Reise an. Noch nie zuvor war eine der seltenen antarktischen Finsternisse zuvor beobachtet worden.

weitere Informationen: Cosmic Mirror 265

In Schlagzeilen
Tropfenphänomen bei Planeten-Transits vor Sonnenscheibe erklärt: Cosmic Mirror 262

Britisches Parlament mit Lichtverschmutzung befaßt: Cosmic Mirror 262

Zwei möglicherweise bald helle Kometen: Cosmic Mirror 263

Zentitraten von über 100 Leoniden pro Stunde vorhergesagt: AstroNews November, Cosmic Mirror 264, Cosmic Mirror 265

Eine "Karte" des Universums: Cosmic Mirror 264

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Teleskope & Observatorien

SIRTF in Spitzer Space Telescope umbenannt, erste Bilder veröffentlicht

Am 18. Dezember wurde das raumgestützte Infrarot-Observatorium SIRTF (Space Infrared Telescope Facility) in Spitzer Space Telescope (SST) umbenannt. Parallel hierzu wurden erste mit dem Satelliten aufgenommene Bilder veröffentlicht. Die SST-Mission haben wir bereits in der letzten Ausgabe vorgestellt. Die Namensgebung bezieht sich auf Lyman Spitzer jr., der als einer der ersten Verfechter raumgestützter Observatorien gilt.

weitere Informationen: SST Homepage, Cosmic Mirror 262, Cosmic Mirror 267

LOFAR bewilligt - Ein Riesen-Radioteleskop in den Niederlanden

Im November bewilligte die niederländische Regierung 50 Millionen Euro um in den Niederlanden das Radiointerferometer LOFAR (Low Frequency Array) zu bauen. Hierbei sollen 25000 über ein Gebiet von 350 km Durchmesser verteilte Antennen zusammengeschaltet werden um ein einziges großes Radioteleskop zu synthetisieren. Die sehr einfach aufgebauten Antennen, die nicht beweglich sind und aus fast allen Richtungen Strahlung empfangen können, liefern über eine Art Internet der 2. Generation ihre Daten an einen Zentralrechner. Erst hier wird die Blickrichtung des Teleskops durch Phasenversetzung der einlaufenden Signale bestimmt. Hierdurch kann der Himmel mit 8 Strahlen gleichzeitig abgetastet werden.

Während die federführung bei dem niederländischen Institut ASTRON liegt, beteiligt sich gegenwärtig das Max-Planck-Institut für Radioastronomie entscheidend an der Antennenentwicklung. Viele weitere deutsche Gruppen sind an dem Projekt beteiligt. Einige der aüßeren Empfangsstationen von LOFAR werden in Deutschland aufgestellt werden.

LOFAR wird im Wellenlängenbereich zwischen 10 und 200 MHz arbeiten und dort eine bisher unerreichte Auflösung und Sensitivität erreichen. Hiermit kann beispielsweise das Gas im jungen Universum untersucht werden. Nebenbei wird LOFAR aber auch die allgemeine Technologieentwicklung stimulieren. Hier sind insbesondere die extremen Anforderungen an die Leistungsf&aumöl;higkeit des Computernetzwerkes zu nennen. Zudem können mit LOFAR ganz neue Beobachtungstechniken erprobt werden, welche auch bei dem Zukunftsprojekt Square Kilometer Array zur Anwendung kommen werden.

weitere Informationen: LOFAR Homepage, AstroNews, Cosmic Mirror 265

ESA streicht Eddington

Das geplante Satelliten-Observatorium Eddington ist den Sparplänen der ESA zum Opfer gefallen. Mit Eddington sollten Sternschwingungen geringer Amplitude untersucht werden, um in die Sterne "hineinzusehen" (Stellarseismologie), und es sollte nach Exoplaneten gesucht werden, die ihre Muttersonne von der Erde aus gesehen verdecken. Weitere Hintergründe finden Sie in dem Bericht "ESA streicht Merkur-Lander" in der Rubrik Erde & Sonnensystem.

In Schlagzeilen
Adaptive Optik mit Laser-Leitstern am Keck II: Cosmic Mirror 262

Gammastrahlen-Observatorium MAGIC auf La Palma nimmt Betrieb auf: AstroNews Oktober, Cosmic Mirror 262

US-Fernsehsender finanziert 4m-Teleskop: Cosmic Mirror 263

18 Millionen Dollar für Studie des Thirty-Meter Telescope bewilligt: Cosmic Mirror 263

Pierre Auger Observatorium in Argentinien weltgröster Detektor für die Kosmische Strahlung: AstroNews November, Cosmic Mirror 263

ALMA-Grundstein gelegt: Cosmic Mirror 264

Chandras Detektoren sind verschmutzt: Cosmic Mirror 264, Cosmic Mirror 265

SMA, erstes Submillimeter-Interferometer, eingeweiht: Cosmic Mirror 265

NASA-Studien zu weiteren Armen des Keck-Interferometers: Cosmic Mirror 265

Pläne wie man Hubble zum Absturz bringt: Cosmic Mirror 265

Gravity Probe B fliegt erst 2004: Cosmic Mirror 265

Großbritannien errichtet wegweisendes Robot-Teleskop für Studenten: Cosmic Mirror 266

NASA-Satellit DUO soll Dunkle Materie durch Röntgenbeobachtungen tausender Galaxienhaufen studieren: AstroNews November

Französischer Planetensucher COROT startet 2006: AstroNews Dezember

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Raumfahrt

China fliegt bemannt ins All

Am 15. Oktober flog der erste Astronaut auf einer in China gebauten Rakete ins All. Nach 22 Stunden im Erdorbit kehrte die Kapsel sicher zur Erde zurück. Auch wenn die chinesiche Technik auf der russischen basiert, so ist China ein bedeutender Schritt gelungen.

Beobachter unterstellen der Chinesischen Regierung neben politischen auch komerzielle Gründe für die stark geförderte bemannte Raumfahrt. Man vermutet so den Blick potentieller Investoren auf die chinesische Technuik zu ziehen. Weitere Pläne des Raumfahrtprogrammes - wie Kopplungsmanöver und Raumstationen, Mondsonden und Raumteleskope - werden weiterhin verborgen und sorgen für viele Spekulationen.

weitere Informationen: Telepolis-Weltraum 1, Telepolis-Weltraum 2, Telepolis-Weltraum 3, AstroNews Oktober, Cosmic Mirror 262

US-Vetorecht für Galileo?

Nach Informationen des Dienstes Telepolis-Weltraum, soll der europäische GPS-Nachfolger Galileo bei einer Frequenz arbeiten, die im Kriesenfall von den USA gestört werden kann. Weiterhin sollen die Signale so abgeschwächt werden, sodaß die Präzision der Positionsbestimmung mit Galileo nicht besser sein wird als mit GPS. Weitere Verhandlungen sind für januar geplant.

Unterdessen beteiligen sich auch China und Indien finanziell am Galileo-Projekt. Die Beiträge liegen bei einigen hundert Millionen Euro.

weitere Informationen: Cosmic Mirror 263

Soyus startet ab 2006 von Kourou

Offenbar sind letzte Hindernisse aus dem Weg geräumt um ab 2006 russische Soyuz Raketen von Kourou aus zu starten. Die Kosten für die neue Startrampe teilen sich Frankreich und weitere europäische Länder. Mit der Soyuz will Arianespace eine Lücke im eigenen Angebot schließen.

weitere Informationen: Cosmic Mirror 263, Cosmic Mirror 264

Russische Foton fliegt ab 2005 für Europa

Nicht zuletzt um durch die Columbia-Katastrophe im Frühjahr 2003 auf die Warteliste gerutschte Experimente durchzuführen werden 2005 und 2006 zwei russische FOTON-Kapseln europäische Experimente ins All tragen. Die unbemannten Kapseln beruhen auf den Vostok-Schiffen, mit denen auch 1961 auch der erste bemannte Raumflug durchgeführt wurde.

weitere Informationen: AstroNews

In Schlagzeilen
Sonnensegler der Planetary Society nicht vor 2004: Cosmic Mirror 263

Sea Launch bietet bald Starts von Baikonur aus an: Cosmic Mirror 263

US Hyperschall-Flieger weiter in Entwicklung: Cosmic Mirror 263

Fliegen Russland und Indien zusammen zum Mond?: Cosmic Mirror 265

Fortschritte bei Planung eines Raumschleppers: Cosmic Mirror 265

Indisches Raumfahrtprogramm wird 40: Cosmic Mirror 265

China trämt von Mondspatziergängen 2020: Cosmic Mirror 266

Israelisch-Indische Allianz für ein Raumteleskop: Cosmic Mirror 267

ESA-Förderprogramm für Kurzprojekte zu futuristischen Technologien: AstroNews Oktober

Solarzellen von SMART-1 verhelfen Solarauto zu Weltrekord: AstroNews Oktober

ISS-Serviceflug mit Soyuz 18. bis 28. Oktober: AstroNews Oktober

Betrieb des europäischen ISS-Moduls Columbus geprobt: AstroNews Oktober

EU und ESA unterzeichnen Kooperationsvertrag(!): AstroNews November

Deep Space Network der NASA ausgebaut: AstroNews November

54. International Astronautical Congress in Bremen: Telepolis-Weltraum

Satellit bei ebay angeboten: Telepolis-Weltraum

Ionentriebwerk für Nuklearantrieb getestet: Telepolis-Weltraum

Forschungsministerin Bulmahn sehr zurückhaltend bezüglich Marsforschung: Telepolis-Weltraum

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Erde & Sonnensystem

Sonnenaktivität - Polarlichter und schwere Stürme

Mit dem Auftauchen einer riesigen Fleckengruppe am Sonnenrand am 17. Oktober 2003 began eine Serie von Sonneneruptionen von zum teil bisher unbekannter Intensität. Noch bevor diese Fleckengruppe durch die Sonnenrotation wieder hinter dem Sonnenrand verschwand tauchte am 22. Oktober eine weitere riesige Gruppe von Sonnenflecken auf. Diese wuchs rasant an und bedeckte am 29. Oktober 2.61 Promille der sichtbaren Hemisphäre, was sie zur grösten Fleckengruppe der letzten 13 Jahre machte. Und dann tauchte am 26. Oktober noch eine weitere riesige Gruppe auf.

Viele Ausbrüche im sichtbaren Licht und im Röntgenbereich waren mit diesen drei Fleckengruppen assoziiert. So ereignete sich am 28. Oktober ein Röntgenflare der Klasse X17. Zum Schutz der Elektronok wurden danach einige Satelliten in einen Schutzmodus gebracht. Auch wurde Sonnengas in Richtung auf die Erde ausgeworfen, was 19 Stunden nach dem Ausbruch zu einem heftigen geomagnetischen Sturm und Polarlichtern bis in den Mittelmeerraum hinein führte. Um die Sicherheit des Flugverkehrs zu gewährleisten reduzierte die Deutsche Flugsicherung die zahl der Flüge um 10%. Kompassnadeln wurden um bis zu 3 Grad abgelenkt.

Ein weiterer Auswurf erreichte die Erde, bis schließlich am 4. November, kurz bevor die gröste Fleckengruppe hinter dem Sonnenrand verschwinden sollte, ein Röntgenflare der Klasse X28 alle Detektoren übersteuerte und so die Intensität nur geschätzt werden konnte. Zuvor reichte das Klassifikationsschema nur bis zur Klasse X20, der Ausbruch war der stärkste seit dem Begin der Messungen vor 35 Jahren. In der zweiten Novemberhälfte drifteten die Sonnenflecken erneut von der Sonnenrotation getragen über die Sonnenscheibe, jedoch waren die Ausbrüche nun deutlich schwächer und die Polarlichter weniger intensiv.

Das die Sonne auch außerhalb des Maximums ihrer elfjährigen Aktivitätsperiode so aktiv ist scheint nicht ungewöhnlich zu sein. Neue Analysen der Beryllium-Isotope im Eis der Antarktis legen allerdings nah, daß die Sonne in den vergangenen 60 Jahren aktiver war als in den davorliegenden 1100 Jahren. Zudem tauchten nun in Archiven Aufzeichnungen von einem extremen Sonnensturm am 1. September 1859. Damals hatte der geomagnetische Sturm Telegrafennetze zusammenbrechen und teilweise gar in Flammen aufgehen lassen. Die Frage nach möglichen Auswirkungen auf unsere hochtechnisierte Gesellschaft läst weckt schlimme Befürchtungen.

zur Sonnenaktivität Oktober und November 2003: Telepolis-Weltraum 1, Telepolis-Weltraum 2, Telepolis-Weltraum 3, AstroNews Oktober, Cosmic Mirror 263, Cosmic Mirror 264, Cosmic Mirror 265

zum Sonnensturm 1859 und noch früherer Sonnenaktivität: Telepolis-Weltraum, AstroNews Oktober

ESA streicht Merkur-Lander

Der für die Merkur-Mission BepiColombo geplante Lander ist von der ESA im Rahmen der aktuellen Sparmaßnahmen gestrichen worden. Es ist aber weiterhin geplant in den kommenden Jahren zwei Orbiter zum innersten Planeten des Sonnensystems zu entsenden.

Wie bei dem ebenfalls abgesetzten Observatorium Eddington (siehe Rubrik Teleskope & Observatorien) liegen die Ursachen vor allem in dem Startverbot der Ariane 5 im Frühjahr 2003, wodurch die Missionen Rosetta und SMART-1 verschoben werden mußten und zusätzliche Mittel verbrauchten. Nur durch die aktuellen Streichungen kann die Gefährdung des Raumfahrtprogramms im Ganzen vermieden werden.

weitere Informationen: AstroNews, Cosmic Mirror 264

Voyager 1 am Rande des Sonnensystems?

Möglicherweise erreicht die Sonde Voyager 1 gegenwärtig den Rand des Sonnensytems. Hier sollte die Zone des Sonnenwindes enden und das Reich des interstellaren Gases beginnen. Auf das Eintreten in diese Übergangszone deuten Messungen von Magnetfeldern und Teilchendichten hin - fragt man die eine Gruppe von Forschern. Eine andere Gruppe deutet die Meßergebnisse als Hinweise auf eine Zone interessanter Eigenschaften, die aber nichts mit dem sogenannten Endschock, der oben eingeführten Übergangszone, zu tun hat. Prinzipiell währe der Übergang in den interstellaren Raum einfach durch den Rückgang der Geschwindigkeit des Sonnenwindes zu messen. Jedoch funktioniert das hierführ gedachte Instrument auf dem mittlerweile 26 Jahre alten Raumschiff nicht mehr...

weitere Informationen: Telepolis-Weltraum, Cosmic Mirror 264, Cosmic Mirror 266

Marssonden: Nozomi, Beagle und Mars Express

Die Mission der japanischen Sonde Nozomi wurde kurz vor Erreichen des Mars abgebrochen. Am 9. Dezember konnte durch eine Bahnkorrektur zumindest der Einschlag von Nozomi auf dem Mars verhindert werden. Schon kurz nach dem Start vor 5 Jahren hatte die Sonde das erste Mißgeschick ereilt. Ein Bahnkorrekturmanöver wurde vergurkt, was nur eine Reise zum Mars auf Umwegen gestattete. Im April 2002 geriet die Sonde dazu noch in einen schweren Sonnensturm, was die Elektronik arg beutelte. Die damit verbundenen Störungen verhinderten nun die Ankunft beim Mars.

Nachdem sich am 19. Dezember der britisch-europäische Marslander Beagle 2 von der ESA-Sonde Mars Express gelöst hatte um antriebslos weiter auf den Mars zuzufliegen, korrigierte das Mutterschiff seine Bahn um von seinem Kollisionskurs mit Mars herunterzukommen. Am frühen 25. Dezember ging Beagle 2 dann auf dem Mars nieder, wenn auch nicht unbedingt in einem Stück. Bei Redaktionsschluss war kein Signal des Landers empfangen worden und die Chancen für eine noch spätere Kontaktaufnahnme stehen schlecht. Mars Express dagegen wurde am 25. Dezember erfolgreich in den Marsorbit eingeschossen.

der Fehlschlag von Nozomi: Telepolis-Weltraum, AstroNews November, AstroNews Dezember, Cosmic Mirror 265, Cosmic Mirror 266

zu Beagle 2 und Mars Express: Telepolis-Weltraum 1, Telepolis-Weltraum 2, Telepolis-Weltraum 3, Telepolis-Weltraum 4, Telepolis-Weltraum 5, AstroNews November, AstroNews Dezember, Cosmic Mirror 267

Marsforschung

Mit Leben im Permafrost des Mars beschäftigte sich in den vergangenen Jahren eine deutsche Forschergruppe (AstroNews Oktober). Das wesentlichste Resultat war, das das jüngst von Raumsonden in den obersten Schichten des sehr kalten Marsbodens eingelagerte Wasser nicht etwa gefroren, sondern chemisch und physikalisch in den Materialien der Marsoberfläche gebunden ist und sich zum Teil wie eine Flüssigkeit verhält. Hier könnte einfaches Leben ein Heim finden. Weitere Untersuchungen betrafen die Möglichkeit von Leben auf dem Mars angesichts des fehlenden Schutzes vor UV-Strahlen durch eine Ozonschicht.

Probleme selbst auf der Erde Leben nachzuweisen demonstrierten Experimente mit dem Staub aus der chilenischen Atacama Wüste (Spiegel Online). Es erscheint fraglich ob Experimente an Bord von Landern, wie sie z.B. die Viking Sonden auf dem Mars durchführten, geeignet sind um Leben nachzuweisen.

Auf eine Eiszeit auf Mars vor ein bis zwei Millionen Jahren deutet die Verteilung von Wasser an der Marsoberfläche hin (Telepolis-Weltraum, AstroNews Dezember). Zu viel Wasser sei unter den aktuellen Klimaverhältnissen äquatornah gebunden. Diese Reservoirs könnte man allerdings durch die Ablagerung in äquatorialen Eisfeldern während einer Eiszeit erklären.

Insgesammt wird das Thema Wasser auf Mars aktuell kontrovers diskutiert. Während - wie bereits in der letzten Ausgabe diskutiert - weitere Mineralienfunde auf einen "trockenen" Mars hinweisen (Cosmic Mirror 263), werden Strukturen entdeckt die man als ausgetrocknetes Flußdelta deuten kann (Cosmic Mirror 265).

In Schlagzeilen

Sonne

Sonneneruptionen mit 0.2 Bogensekunden Auflösung aufgenommen: Cosmic Mirror 267

Heizregionen der Korona beobachtet: AstroNews Oktober

Missionen

Galileo sendete Daten bis zur letzten Sekunde: Cosmic Mirror 262

Mössbauer-Spektrometer auf Mars-Lander Spirit nun funktionstüchtig: Cosmic Mirror 264

Rosetta Startkampagne hat begonnen: Cosmic Mirror 264

Massenspektrometer von Stardust analysieren interstellaren Staub, erster Blick auf Zielkometen: AstroNews Dezember, Cosmic Mirror 267

Deep Space Network der NASA ausgebaut: AstroNews November

Forschungsministerin Bulmahn sehr zurückhaltend bezüglich Marsforschung: Telepolis-Weltraum

Kleinkörper

Asteroid 2003 SQ222 passierte die Erde in Distanz von nur 88000 km: AstroNews Oktober, Cosmic Mirror 262

Asteroid Hermes wiederentdeckt und als Doppelasteroid entlarvt: Cosmic Mirror 262, Cosmic Mirror 263

Stardust erblickt Zielkometen Wild 2: Cosmic Mirror 266

Entstand der Kuipergürtel weiter innen?: Telepolis-Weltraum, AstroNews November, Cosmic Mirror 266

Yarkovsky-Effekt, die Bahnablenkung eines Asteroiden durch den Druck des Sonnenlichtes, erstmals gemessen: Telepolis-Weltraum, Cosmic Mirror 266

Sternbedeckung durch Asteroiden über Europa: Cosmic Mirror 267

Kometenbeobachtungen legen komplexe Chemie schon im frühen Sonnensystem nahe: Telepolis-Weltraum

Planeten

Arecibo-Beobachtungen legen ölige Seen auf Titan nahe: Telepolis-Weltraum, AstroNews Oktober, Cosmic Mirror 262

Metalle auf Venusoberfläche ausgefroren: Cosmic Mirror 265

Schärfstes Vollbild des Jupiter, von Cassini aufgenommen: Cosmic Mirror 265

Expeditionen zu Sternbedeckungen durch Saturn, die Ringe und Titan: Cosmic Mirror 265

Erste Saturn-Bilder von Cassini: Cosmic Mirror 266

Erde und Mond

Hinweise auf Asteroideneinschlag vor 251 Millionen Jahren im Südpol-Eis: AstroNews November, Cosmic Mirror 265

Einschlagsstellen und Bodenschätze: Cosmic Mirror 265

Arecibo findet kein Wasser an den Polen des Mond: Cosmic Mirror 265

Polarlichter bis in 800 km Höhe: Cosmic Mirror 266

Doch keine Waldbrände nach Einschlag des Dino-Killers?: Cosmic Mirror 266

Erdmagnetfeld in den letzten 150 jahren um 10% geschrumpft, Umpolung möglich: Cosmic Mirror 267

Papier zu Einwirkung Kosmischer Strahlung auf Erdklima scharf kritisiert: AstroNews Oktober

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Exoplaneten

Viele erdähnliche Planeten entstehen in Simulation

Bei einer neuen Computersimulation, bei der die Entstehung von 44 Planetensystemen durchgerechnet wurde, entstanden in allen Fällen von der Masse her erdähnliche Planeten, von denen ein Viertel sogar in der sogenannten Habitablen Zone des Muttersterns, in der Wasser flüssig ist, lag (AstroNews Dezember, Cosmic Mirror 266). Dies würde hohe Chancen für belebte Welten außerhalb unseres Sonnensystems bedeuten. Allerdings ist die Stern- und Planetenentstehung weiterhin in weiten Teilen unverstanden und der Wert dieser und vergleichbarer Rechnungen sehr fragwürdig.

In Schlagzeilen
Planetenentstehung mit Nulling-Interferometer beobachtet?: Telepolis-Weltraum, AstroNews November, Cosmic Mirror 265

Planetensuche durch Zeitmessung extrem periodenstabiler Pulsationen Weißer Zwerge: Cosmic Mirror 265

Französischer Planetensucher COROT startet 2006: AstroNews Dezember

"Ungebundene" Planeten entstehen wie Sterne, sogar mit Ausflüßen: Telepolis-Weltraum

Exoplaneten bei Vega?: Telepolis-Weltraum

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Sterne, Gasnebel & Galaxien

Neuer Neutronen-Doppelstern gefunden, Häufigkeit von Gravitationswellenstrahlern bisher unterschätzt

Der jüngst vom australischen Parkes-Teleskop entdeckte Pulsar PSR J0737-3039 erwies sich alls Neutronen-Doppelstern. Hier umkreisen sich innerhalb von 2.4 Stunden zwei nur 800000 km von einander getrennte Neutronensterne, von denen einer von uns als Pulsar beobachtet wird. Bei so engen Orbits sagt die Allgemeine Relativitätstheorie die Annäherung beider Neutronensterne aufgrund der Abstrahlung von Gravitationswellen voraus. In 85 Millionen Jahren sollten die Sterne verschmelzen.

Ein solches Verschmelzungsereignis sollte mit den gegenwärtigen Gravitationswellendetektoren nachweisbar sein. Nun legen die Eigenschaften von PSR J0737-3039 eine höhere Verschmelzungsrate nahe als bisher angenommen. Bisher hatten Schätzungen im Wesentlichen auf den Eigenschaften des Pulsars PSR B1913+16 besiert, jetzt aber müssen die erhlatenen Raten um einen Faktor 6 bis 7 erzhöht werden. Alle ein bis zwei Jahre sollte in unserer kosmischen Nachbarschaft ein meßbares Ereigniss stattfinden.

weitere Informationen: Telepolis-Weltraum, Cosmic Mirror 266

Asymmetrische Supernova-Explosionen im Computer beobachtet

Schon seit langer Zeit sind die hohen Eigengeschwindigkeiten vieler Neutronensterne ein Rätsel. Während die Sterne der Sonnenumgebung mit wenigen Dutzend Kilometern pro Sekunde gegeneinander driften, schießen manche Neutronensterne mit einigen hundert Kilometern pro Sekunde durchs All. Schon seit langem wurde vermutet, daß die Neutronensterne in ihrem Geburtsprozess - Neutronensterne sind Sternleichen von während Supernova-Explosionen in sich zusammengebrochenen, massereichen Sternen - beschleunigt werden. Dazu müßten die Supernova-Explosionen asymmetrisch ablaufen.

Einen nahezu kugelförmigen Stern asymmetrisch explodieren zu lassen stellte die Theoretiker allerdings viele Jahre lang vor gewaltige Probleme. Denn die Abweichungen von der Kugelsymmetrie mussten einen Ursprung haben. Nun gelang es erstmals in Simulationen aus nur kleinen Störungen der Massenverteilung vor der Explosion eine asymmetrische Explosion aufzubauen.

weitere Informationen: AstroNews

Flackern des Galaktischen Zentrums

Am 9. Mai 2003 schauten Astronomen zufällig dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße beim Fressen zu. Live konnten die Beobachter auf den Monitoen am VLT beobachten wie eine zuvor unbekannte Quelle am Ort des Schwarzen Lochs alle 17 Minuten aufleuchtete. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich hierbei um Gas welches ein letztes Mal durch die hohe Verdichtung nahe dem Schwarzen Loch aufleuchtet bevor es in ihm verschwindet. Die Periode von 17 Minuten währe demnach die Umlaufbauer des Gases. Hieraus kann man den Drehimpuls des Schwarzen Lochs ableiten, eine bisher unbekannte Größe.

weitere Informationen: Telepolis-Weltraum, AstroNews November, Cosmic Mirror 263

In Schlagzeilen

Sternentstehung

"Ungebundene" Planeten entstehen wie Sterne, sogar mit Ausflüßen: Telepolis-Weltraum

Sterne

Eta Carinae im Visier des VLT-Interferometers, elongierte Windzone entdeckt: Telepolis-Weltraum, AstroNews November, Cosmic Mirror 265

Ein sterbender Stern mit Jets: Cosmic Mirror 265

Kollidieren die Plejaden mit zwei Wolken?: Cosmic Mirror 265

Cepheidenparallaxen mit Fine Guidance Sensors des HST meßbar: Cosmic Mirror 267

Beobachtete Polarisation ist Hinweis auf Jets bei Gammma-Ray-Bursts und andere Fakten zu GRB030329: Telepolis-Weltraum, AstroNews November

HETE-2 findet keine dunklen Gamma Ray Bursts: Telepolis-Weltraum

Galaxien

Nächstgelegene Satellitengalaxie der Milchstraße im Großen Hund entdeckt: Telepolis-Weltraum, AstroNews November, Cosmic Mirror 264

Jet bei z=4.3 von Chandra beobachtet: AstroNews November, Cosmic Mirror 265

Von Dunkler Materie dominierte, sternlose Galaxie gefunden: Telepolis-Weltraum

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Kosmologie

Studie von Galaxien im jungen Universum wiederspricht der Dominanz Dunkler Energie

Seit 1997, als erstmals hochgenaue Entfernungsmessungen weit entfernter Supernovae vorlagen, geht man davon aus, daß das Universum von einer unbekannten, mit dem Begriff "Dunkle Energie" nebulös umschriebenen Kraft auseinandergetrieben wird. Gilt dies, so sollte das Ausenanderdriften der Gasmassen schon im frühen Universum das weitere Wachstum von Galaxienhaufen verhindert haben. Genau dieses fortgesetzte Wachstum bis in unsere Zeit hinein will nun aber eine europäische Forschergruppe beobachtet haben.

Sie verwendeten zu diesem Zweck den europäischen Röntgen-Satelliten XMM-Newton. Die Aufnahmen mehrerer Galaxienhaufen weisen auf eine fortwährende Entwicklung der Haufen hin. Die Daten werden allerdings kontrovers diskutiert. Nicht zuletzt weitere Beobachtungen mit dem US-amerikanischen Röntgen-Satelliten Chandra sollen nun Klarheit schaffen.

weitere Informationen: AstroNews Dezember, Cosmic Mirror 267

In Schlagzeilen
Ist das Universum endlich oder unendlich, flach oder gekrümmt?: Telepolis-Weltraum, AstroNews Oktober, Cosmic Mirror 262

HST-Photometrie von Supernovae legt beschleunigte Expansion des Universums seit 5 Milliarden Jahren nahe: Cosmic Mirror 262

Sternentstehungsgebiet eine Million mal heller als M42 bei z=3.4 entdeckt: AstroNews November, Cosmic Mirror 263

Sloan-Survey liefert 3D-Powerspektrum: Cosmic Mirror 263

Erste Ergebnisse zum Ultra Deep Field des HST: Cosmic Mirror 263

Klumpt die Dunkle Materie?: Cosmic Mirror 264

Jet bei z=4.3 von Chandra beobachtet: AstroNews November, Cosmic Mirror 265

Ausgedehnte Gravitationsline unterstützt Theorie nichtbarionischer Dunkler Materie: AstroNews Dezember, Cosmic Mirror 267

Galaxie von einem Hundertstel der Größe der Milchstraße, aber tausendfacher Sternentstehungsrate entdeckt: Cosmic Mirror 267

Voids könnten 20% der dunklen Materie enthalten: AstroNews November

NASA-Satellit DUO soll Dunkle Materie durch Röntgenbeobachtungen tausender Galaxienhaufen studieren: AstroNews November

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Fundamentale Physik

Relativitätstheorie anhand von Laufzeiteffekten mit Cassini getestet

Die Relativitätstheorie sagt die Ablenkung von Licht, oder allgemeiner von Elektromagnitischer Strahlung, durch große Massen voraus. Zum experimentellen Test dieser Vorhersage wurde im Sommer 2002 die Sonde Cassini genutzt, die auf dem Weg zum Saturn ist und sich zum Zeitpunkt des Experiments von der Erde gesehen auf der anderen Seite der Sonne befand. Ein von der Erde ausgesandtes Signal wurde von der Sonde zurückgestrahlt und die zwischen Absendung und Empfang verstrichene Zeit gemessen. Durch die zwischen Sonde und Erde stehende Sonne sollte die Strahlung leicht abgelenkt und so die Laufzeit geringfuegig erhöht werden.

Die gemessene Signallaufzeit entsprach sehr genau den Vorhersagen der Relativitätstheorie, die geringen Abweichungen sind durch Meßfehler erklärbar. Vergleichbare Experimente fanden bereits in den vergangenen Jahrzehnten statt. Die Präzision des jüngsten Experimentes wird aber von keinem Vorgänger erreicht.

weitere Informationen: AstroNews

In Schlagzeilen
Bisher unverstandene Gamma-Strahlung aus Paar-Vernichtung Dunkler Materie: AstroNews Oktober, Cosmic Mirror 262

Schwarze Mini-Löcher in der Erdatmosphäre?: Telepolis-Weltraum


v.i.S.d.P.: Jens Kauffmann, webjournal@tiscali.de