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Astronomischer Verein Remscheid e.V. - Sternwarte Remscheid |
Wer gedacht hat, des Deutschen liebste Ferieninsel, manchmal auch scherzhaft als siebzehntes Bundesland bezeichnet, habe nichts anderes zu bieten als den Ballermann, der war noch nicht wirklich dort. Neben vielen anderen Sehenswürdigkeiten und eindrucksvollen Landschaften ermöglicht Mallorca dem astronomisch Interessierten auch einen Blick ins All: im Observatorium Astronomici Mallorca, kurz OAM, in der Nähe von Costitx [spr.:Koßtitsch] im Zentrum der Insel.
Der Weg führt abseits der großen Straßen einige Kilometer über einen holprigen Pfad, auf dem man betet, daß einem keiner entgegen kommt, und endet, nachdem man auch die letzten vereinzelten Häuser hinter sich gelassen hat, an einem eisernen Zaun. Grundsätzlich, so kann man denken, ein geeigneter Standort - bei näherem Betrachten jedoch ein eher ungewöhnlicher Ort. Wider Erwarten nicht auf einem hohen Berg am westlichen Rand der Insel gelegen, denn die Ergebnisse der Voruntersuchungen dort waren eher negativ. Die vom Meer aufsteigende Feuchtigkeit verhindert gute Beobachtungsmöglichkeiten. Also keine optimale Lage wie z.B. auf den Kanaren, auf Hawaii oder in den Anden, aber dennoch - eine klare Neumondnacht vorausgesetzt - traumhafte Beobachtungsbedingungen.
Das OAM wurde 1991 von einer Gruppe von Amateurastronomen gegründet. Doch anders als die meisten deutschen Volks- bzw. Amateursternwarten ist sich die Gruppe am OAM der gewichtigen Unterstützung der Balearen-Regierung sicher, mit der Ende der Achziger Jahre ein Abkommen unterzeichnet wurde. Rund 500.000 DM wurden damals in den Neubau investiert, in dem heute ein 40 cm und ein 35,6 cm Schmidt-Teleskop stehen. Doch bereits nach kurzem wurde die Anlage erweitert und die Mitarbeiter des OAM können nun in sieben weiteren Drei-Meter-Kuppeln mit jeweils drei 10"- und 12"-Schmidt-Cassegrain-Teleskopen sowie einem 5-Zöller interessierten Besuchern den Himmel über Mallorca zeigen.
Diese sieben Kuppeln sind für rein amateurastronomische Zwecke gedacht und sollen Besuchergruppen und Schulklassen in die Himmelskunde einführen. Eine dreistündige Beobachtungsnacht kostet dabei nur 1.000 Peseten - etwa 12 DM - wofür der Besucher auch eine drehbare Sternkarte erhält. Wir hatten das Glück, nicht an der "normalen" Führung teilnehmen zu müssen. Stattdessen kümmerte sich eine Mitarbeiterin um die übrigen 25 ausnahmslos spanischen Gäste, während wir das Vergnügen einer Sonderführung und dabei eine Kuppel für uns alleine hatten, in der uns eine andere Mitarbeiterin auf Englisch alles erklärte. Doch auch einen ganzen Tag kann man dort verbringen - für nur 2.000 Peseten und schließlich wird auch ein Einführungskurs angeboten, der die Inselbewohner einen Monat lang an zwei Abenden in der Woche astronomisch bildet. Für Touristen ist das natürlich nicht geeignet. Eine "normale" Führung an einem Samstagabend von etwa 22.00 Uhr bis 01.00 Uhr ist jedoch jedem bei seinem nächsten Urlaub auf Mallorca zu empfehlen. Eine vorherige Anmeldung unter Tel. 689-686557 oder 649-997752 [von D zzgl. Vorwahl von Spanien] ist erforderlich.
Doch nicht nur amateurastronomisch zählt das OAM zu den herausragenden Sternwarten. Auch professionelle Arbeit wird dort geleistet - in etwa 100 klaren Nächten im Jahr. Das ist natürlich recht wenig und so ist es nahezu unmöglich, als Außenstehender Beobachtungszeiten zu erhalten. Eng verbunden ist man jedoch der Uni Göttingen und dem Max-Planck-Institut in Garching. Vier Wissenschaftler arbeiten derzeit an einem bayerisch-mallorquinischen Projekt, über das jedoch bis zu seiner Veröffentlichung in Kürze nichts verraten wird.
Viele andere Projekte dagegen wurden bereits veröffentlicht. So z.B. die Entdeckung mehrerer kleiner Asteroiden, Steinbrocken von 10 bis 20 km Durchmesser, z.B. 9900 Ramon Llull oder auch 20140 Costitx. Mit besonderem Ehrgeiz arbeiten die Astronomen am OAM auch an dem sogenannten "Unicorn-Projekt", bei dem mit drei identischen Teleskopen auf Mallorca, sowie Ametlla und Piera in Katalanien u.a. Asteroiden und Kometen auf ihren Bahnen verfolgt und Veränderliche Sterne beobachtet werden. Nur mit der Beobachtung der Sonne hat man es nicht am OAM - weil Geräte dafür fehlen und andere Projekte Vorrang haben. Zur Verfügung stehen auch 11 CCD-Kameras und modernste Computer. Und schließlich arbeitet man auch an Echtzeitübertragungen ins Internet, was derzeit noch durch langsame Leitungen erschwert wird. Wer ein wenig spanisch kann und sich informieren möchte, kann dies unter http://www.oam.es tun.
Doch auch am OAM richtet sich der Blick in die Zukunft, wovon wir
uns in Gestalt einer großen Baustelle überzeugen konnten. Im Februar
dieses Jahres (2001) wurden die Verträge mit Carl-Zeiss in Jena
unterzeichnet, die die Lieferung eines Projektors für eine
11-Meter-Planetariumskuppel vorsehen. Finanziert wird
das 2,2 Mio. DM teure Projekt übrigens vom Inselrat. 110 Plätze
werden dort dann zur Verfügung stehen, um einem breiten Publikum
den Himmel in perfekter Qualität zu simulieren. Eine
Symbiose von professioneller Astronomie, Amateurastronomie und
Planetarium, die auf so engem Raum in Europa wohl einzigartig
sein dürfte.
PeO
Weitere Info:
OAM