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Zu Besuch beim DLR

Jedes Jahr macht sich der AVRS auf die Reise zu größeren Institutionen, die sich mit Astronomie oder Raumfahrt beschäftigen. So waren wir mehrfach am Radioteleskop Effelsberg oder in verschiedenen Planetarien und Sternwarten. 1997 sind wir gleich zweimal zum DLR gefahren - das ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik. Da wir dahin einen kurzen Draht haben - über unsere Vereinsmitglieder Peter Gauger und Guido Petrat, die beide dort beruflich tätig sind - konnten wir am 18. April und am 10. Oktober mit Gruppen von über 30 Interessenten einen näheren Einblick in diese große deutsche Forschungsinstitution in Köln-Porz gewinnen.

Wir hatten hierbei das außerordentliche Glück, in Rolf Werner Erdmann einen kompetenten Führer durch das DLR zu bekommen. Erdmann ist aussichtsreicher Kandidat als Astronaut für die Internationale Raumstation ISS, zu der er - wenn alle Tests gut verlaufen - im Jahre 2001 hochfliegen könnte. Der junge, sympathische Deutsch-Amerikaner könnte ersatzweise auch zur letzten Mannschaft der russischen Raumstation MIR gehören.

In zwei Gruppen besichtigten wir die weitläufigen Anlagen des Instituts für Weltraummedizin. Hier hatten wir auch Gelegenheit, das Arbeitsgebiet Telemedizin kennenzulernen. Hierzu stellte uns Prof. Dr. Rupert Gerzer, der Direktor der Raumfahrtmedizin und Inhaber des Lehrstuhls für Luft- und Raumfahrtmedizin am Klinikum Aachen, in einem Vortrag dieses Einsatzgebiet von Satelliten im Dienste der Medizin vor. Satelliten können den Aufenthaltsort von Patienten rund um die Erde feststellen und so zu einer lückenlosen Versorgung z.B. von herzerkrankten Menschen beitragen. Ein Partner Prof. Gerzers ist übrigens der Remscheider Chefarzt Prof. Löllgen.

Zu den Sehenswürdigkeiten des DLR zählen auch Gerätschaften, die eher wie moderne Folterkammern anmuten. Da gibt es Isolationskammern, in denen Menschen über Wochen von der Außenwelt abgeschirmt werden, um den Lebensraum in einer Raumstation zu simulieren. Besondere Attraktivität besitzt eine große Zentrifuge, in der Kandidaten Beschleunigungen vom Mehrfachen des Körpergewichts ausgesetzt werden können. Das konnten wir auch im kleinen Rahmen auf einem kleinen, unscheinbaren Drehstuhl selbst testen. So setzte ich mich - unter Aufsicht von Dr. Gernot Wolfram - auf dieses spartanische Sitzmöbel. Der Stuhl drehte mich in drei Sekunden um seine (und meine) Achse. Mit geschlossenen Augen schien das zunächst kein Problem, auch das öffnen der Augen war noch nicht dramatisch, wobei die Zuschauer beobachteten, wie meine Augen ruckartig die Drehbewegung nachzuvollziehen suchten. Aber dann kam es - als ich mit geschlossenen Augen einfach nur den Oberkörper nach vorn beugen sollte, glaubte ich, spiralförmig in einen Strudel gezogen zu werden. Lange habe ich das nicht ausgehalten! Und das konnte man an der schnell aus meinem Gesicht weichenden Farbe gut erkennen. Solche Torturen müssen Astronautenkandidaten längere Zeit durchstehen. Wie Dr. Wolfram sagte, gewöhnt man sich mit der Zeit an das üble Gefühl.

Zu den Instrumentarien der Folterkammer im DLR zählt auch "Titan". Diese überdimensionale Tonne diente ursprünglich zur Simulation von Drücken, die in bis zu 600 m Wassertiefe beim Tauchen entstehen, und der Forschung zu Dekompressionsunfällen. Sie ist heute umfunktioniert zur Simulation einer Raumstation. Hier werden auch besondere Luftgemische eingesetzt - z.B. mit starkem Heliumanteil. Es ist immer wieder lustig, wie hoch die Stimme in solch einer Atmosphäre verzerrt wird - ein sonorer Baß wird da zur piepsigen Micky Mouse Stimme.

Anschließend konnten wir die Arbeitsstätte von Astronauten in 1:1-Nachbauten, den sogenannten Mockups, begutachten. In einer großen Halle stehen sowohl ein Modell des SpaceLab, das mit dem Space Shuttle ins All befördert wird, als auch der russischen Raumstation MIR. Kaum zu glauben, wie klein ein Klo sein kann! Im Aufbau befindet sich derzeit ein Modell der europäischen Raumstation, die Teil der ISS sein wird.

Fazit: der Besuch beim DLR hat sich voll gelohnt!

PK

impressum
updated 08. April 1998